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Moderne Kunst

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Oskar Moll

Brieg/Schlesien 1875 – 1947 Berlin

„Stilleben mit Fransendecke, Blumentöpfen und Torso“. 1939/40

Öl auf Leinwand. 120,5 × 100,5 cm. (47 ½ × 39 ⅝ in.) Werkverzeichnis: Salzmann 440. Das Gemälde ist Bestandteil im neuen Werkverzeichnis der Arbeiten von Oskar Moll (in Vorbereitung von Dr. Gerhard Leistner, Wenzenbach).  [3383] Gerahmt 

ProvenienzBerthold Müller-Oerlinghausen, Berlin / Ruppert Siemon, Düsseldorf / Privatsammlung, Süddeutschland / Privatsammlung, Hessen

EUR 25.000 – 35.000
USD 29,800 – 41,700

Verkauft für:
30.000 EUR (inkl. Aufgeld)

„Stilleben mit Fransendecke, Blumentöpfen und Torso“

Auktion 331Freitag, den 11. Juni 2021, 11.00 Uhr

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Zwei Pflanzen in ihren Töpfen, eine Kanne, der Torso einer weiblichen Figur aus Marmor oder Gips – und dazu Ornamente, Muster, Farbflächen, die Stoffe, Decken, Tapeten sein könnten: Oskar Moll hat angerichtet – ein wundervolles Stillleben in delikaten Farben, in dem er einen an der klassisch-modernen Kunst Frankreichs geschulten Realismus mit abstrakten Elementen vereint. Das Bild „Stillleben mit Fransendecke, Blumentöpfen und Torso“ erinnert nicht von ungefähr an die Malerei Henri Matisses.
Oskar Moll und seine Frau, die Bildhauerin Marg Moll, zählten seit 1907 zu den engen Vertrauten des Künstlers. Die beiden lernten ihn durch die Vermittlung von Lyonel Feininger kennen, als Oskar und Marg Moll nach Paris gezogen waren. Vier Jahre blieben sie in der französischen Hauptstadt, und es entwickelte sich zwischen ihnen bald ein freundschaftliches Verhältnis gegenseitiger Wertschätzung.
Dies fand unter anderem dadurch Ausdruck, dass sich Matisse ein Jahr nach ihrer ersten Zusammenkunft von den Molls, Hans Purrmann sowie Gertrude und Leo Stein zur Gründung der privaten, nichtkommerziellen Kunstschule Académie Matisse animieren ließ. Der von Haus aus wohlhabende Moll wurde, ähnlich wie die Geschwister Stein, zu einem frühen Sammler von Matisse – und die zwei Maler teilten auch sonst die gleiche Kunstauffassung. Es gibt von Matisse Werke aus der Zeit, in der Molls „Stillleben mit Fransendecke“ entstand, an denen sich die geistige Verwandtschaft der beiden auf ganz bezaubernde Weise zeigt.
Moll, von den Nationalsozialisten als „entartet“ denunziert, malte dieses Stillleben ohne Aussicht, es jemals öffentlich ausstellen zu können. Vielleicht erklärt sich dadurch eine gewisse Härte und Kompromisslosigkeit, vor allem in dem brüchigen Farbauftrag und in den Schlieren, die man in den abstrakten Flächen links und im Hintergrund der Leinwand erkennt. Als sein von Hans Scharoun erbautes Haus, das er damals im Grunewald bewohnte, 1944 zerstört wurde, gingen seine Kunstsammlung und viele seiner eigenen Arbeiten verloren. Dieses grandiose Gemälde Oskar Molls nicht – ein Glücksfall.
UC

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