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Zeitgenössische Kunst

731

Joseph Beuys

Krefeld 1921 – 1986 Düsseldorf

Zwei Frauen. 1958

Gouache über Bleistift auf Papier. 21 × 15 cm. (8 ¼ × 5 ⅞ in.) Rückseitig mit Bleistift zweifach signiert und datiert: Beuys Beuys 1958 58.  [3498] Gerahmt 

ProvenienzGalerie Erhard Klein, Bonn (1973 direkt vom Künstler erworben) / Privatsammlung, Nordrhein-Westfalen

EUR 80.000 – 120.000
USD 95,200 – 143,000

Verkauft für:
125.000 EUR (inkl. Aufgeld)

Zwei Frauen

Auktion 332Freitag, den 11. Juni 2021, 18.00 Uhr

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AusstellungJoseph Beuys. Oldenburg, Oldenburger Kunstverein, 1986, Kat.-Nr. 5, Abb. o.S

Von 1956 bis 1958 erlebte Joseph Beuys Jahre voller Unsicherheiten, persönlicher und künstlerischer Krisen und zugleich eine seiner schöpferischsten Phasen, im Besonderen für sein zeichnerisches Werk. In seinem „Lebenslauf/Werklauf“ beschreibt er die Zeit vieldeutig als „Beuys arbeitet auf dem Felde“. „Ich habe langsam begonnen, während der Krise, wieder zu zeichnen. Also, wenn ich abends vom Felde nach Hause kam, habe ich gezeichnet. Es ist gerade die Zeit, nach der akuten Krise und die darauffolgenden Jahre, eine sehr fruchtbare Zeit für meine zeichnerische Arbeit gewesen.“ (Joseph Beuys, zit. nach Götz Adriani/Winfried Konnertz/Karin Thomas: Joseph Beuys. Köln 1994, S.40) Das Blatt „Zwei Frauen“ von 1958 legt davon ein beredtes Zeugnis ab. Das Motiv des weiblichen Akts beziehungsweise der Frau bildet einen besonderen Schwerpunkt der Arbeiten auf Papier in den 1950er-Jahren. Die Frau erfährt dabei über die jeweiligen Titel Zuschreibungen, die von „Mädchen“, „Weib“, „Mutter“ bis zur „Heiligen“, „Amazone“ und „Tierfrau“ reichen. Häufig sind die Frauen auf diesen Blättern ganz auf sich bezogen wie auch auf unserem. Die vordere Frau steht locker im Kontrapost und legt mit ihrer offen gezeigten Brust eine deutlich erotische Anmutung nahe. Ihre äußeren und inneren Konturen erscheinen etwas brüchig. Füße und Unterschenkel bleiben nur angedeutet. Die hintere Figur steht dagegen sicher mit beiden Beinen auf dem Boden, wie auch ihre Körperlichkeit gefestigter wirkt. Sie ist wohl als Gefährtin der vorderen zu interpretieren. Sie stützt ihre Hand selbstbewusst auf einen mit Bleistift angedeuteten Stab. Der dunkle Ton der Gouache verleiht den beiden Gestalten etwas Erdverbundenes und zugleich Würdiges. In den 1950er-Jahren wurde die Grundlage geschaffen für eine Sichtweise, die der Künstler später formulieren sollte: „Der heroische Standpunkt in meinem Werk ist überhaupt das Weibliche.“ (Joseph Beuys, zit. nach Joseph Beuys. Ausst.-Kat. New York, The Solomon R. Guggenheim Museum, 1979, S. 50)
KDP

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