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Ausgewählte Werke

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Albrecht Dürer

1471 – Nürnberg – 1528

„Das Meerwunder (Raub der Amymone)“. Wohl vor 1500

Kupferstich auf Bütten (Wasserzeichen: gotisches P). 25 × 18,8 cm. (9 ⅞ × 7 ⅜ in.) Rückseitig mit dem Sammlerstempel in Blau: Dr. K.O. [im Kreis; Lugt 4810]. Daneben der Sammlerstempel: RB [das R gespiegelt, nicht bei Lugt]. Werkverzeichnis: Bartsch 71 / Meder 66 c (von k) / Schoch, Mende, Scherbaum 21c (von k). Einer der seltenen Abzüge zu Dürers Lebzeiten.  [3033] Gerahmt 

ProvenienzPrivatsammlung, Rheinland (1966 bei Karl & Faber, München, erworben)

EUR 40.000 – 60.000
USD 46,500 – 69,800

„Das Meerwunder (Raub der Amymone)“

Auktion 336Donnerstag, den 2. Dezember 2021, 18.00 Uhr

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Literatur und AbbildungVersteigerungskatalog: Kunst alter und neuer Meister, dekorative Graphik, Veduten, Ostasiatica. München, Karl & Faber, 18./19.10.1966, Kat.-Nr. 58, Abb

Das Motiv von Albrecht Dürers „Meerwunder“ gehört zu den besonders rätselhaften der Kunstgeschichte. Es wurde bis heute nicht eindeutig interpretiert: In erstaunlich gelassener Pose gleitet eine junge, unbekleidete Frau auf ihrem Entführer, einem Seeungeheuer, über das Meer hinweg. Am Ufer zurück bleiben weitere Badende sowie ein aufgebrachter Mann mit Turban. Die Landschaft hinter der Figurengruppe türmt sich zu einem felsigen Berg, auf dem Burgen, ein Fachwerkhaus und Laubbäume angesiedelt sind.
Für das „Meerwunder“, wie Dürer den Stich in seinem „Niederländischen Tagebuch“ von 1520 nannte, bietet die Kunstgeschichte zahlreiche mythologische Deutungen an – etwa den Raub der Amymone nach Lukian, den Raub der Scylla nach Ovid oder den Raub der Syme nach Philostratus. In der spätmittelalterlichen deutschen Prosa – im „Dresdener Heldenbuch“ – ist eine Erzählung mit dem Titel „Das Meerwunder“ zu lesen. Sie handelt vom Raub und von der Vergewaltigung einer Königin durch ein Meerwesen. Da Dürer den identischen Titel für seinen Stich verwendete, ist naheliegend, dass er hier Anleihen für sein Motiv fand. Als Illustration einer dieser Mythen oder Sagen ist sein Stich jedoch nicht zu verstehen. Dafür ist seine Bildzusammenstellung – Fachwerkhäuser am Meer, ein orientalisch gekleideter Mann – zu ungewöhnlich. Zugleich lassen diese Erkenntnisse den Schluss zu, dass wir mit dem „Meerwunder“ eine Bilderfindung Dürers vor Augen haben. Eine solche Bildschöpfung ist bemerkenswert, da der Stich in einer Zeit entstand, in der es Konvention war, das Interesse an weiblicher Nacktheit oder gar Sinnlichkeit und Erotik durch mythologische Bezüge zu kaschieren. Bei Dürers „Meerwunder“ kehrt der Blick des Betrachters immer wieder zurück zum eigentlichen Motiv: der ruhig dahingleitenden, liegenden Schönen mit ihrem weiblichen, fein modellierten Körper. Es ist nur konsequent, dass dieser bildbestimmende weibliche Akt mit seiner linken Hand auf das prominent platzierte Dürer-Monogramm und damit auf den Schöpfer des Stichs weist.
Nach Josef Meders Werkverzeichnis stellt das vorliegende Blatt den 3. Druckzustand 66c dar. Demnach handelt es sich um einen besonders frühen Abzug, der womöglich vor 1500 angefertigt wurde und somit einer der ersten Abzüge der Druckplatte von 1498 ist.
CH

• Einzigartige Verbindung von Virtuosität, Erotik und Innovation
• Einer der seltenen frühen Abzüge zu Albrecht Dürers Lebzeiten
• Seit über 50 Jahren in Privatbesitz

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