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Herbstauktionen 2020

Von Beuys bis Liebermann – Ausgewählte Werke

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Hugo Erfurth

Halle a. d. Saale 1874 – 1948 Gaienhofen

„Porträt Wassily Kandinsky“. 1925

Vintage. Silbergelatineabzug. 17 × 11,5 cm. (6 ¾ × 4 ½ in.) Rückseitig von László Moholy-Nagy mit Bleistift signiert, monogrammiert und betitelt sowie mit Objekt-Nr. A.38.2460.3 bezeichnet. Von weiteren Händen mit schwarzer Tinte mit Objekt-Nr. E 13 sowie mit blauem Farbstift mit Maßangabe und Layoutmarkierung beschriftet.  [3547] Gerahmt 

ProvenienzWassily Kandinsky nach 1925 an László Moholy-Nagy, 1946 an Hattula Moholy-Nagy / Privatsammlung, Berlin

EUR 10.000 – 15.000
USD 11,800 – 17,600

„Porträt Wassily Kandinsky“

Auktion 324Donnerstag, den 3. Dezember 2020, 18.00 Uhr

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Das Porträt wurde 1938 im Ausstellungskatalog des Museum of Modern Art, New York anlässlich der ersten großen amerikanischen Überblicksausstellung zum Bauhaus abgebildet. Die Notizen auf der Rückseite der Fotografie zeigen, dass der vorliegende Abzug nicht nur für die Reproduktion im Katalog zur Verfügung gestellt wurde, sondern in der Ausstellung auch als Exponat zu sehen war.

AusstellungBauhaus: 1919-1928, New York, The Museum of Modern Art, 1938/39, A.38.2460.3, E 13

Literatur und AbbildungAusst.-Kat.: Bauhaus 1919–1928. New York, The Museum of Modern Art, 1938/39, S. 21 / Hans M. Wingler (Hg.): Das Bauhaus. 1919–1933 Weimar Dessau Berlin und die Nachfolge in Chicago seit 1937. Bramsche 1975, S. 269

Die ältesten Zeugnisse der Kulturgeschichte sind Profilansichten von menschlichen oder tierischen Gestalten. Das Profil verweigert zunächst die Kommunikation mit dem Betrachter, ist das Fremde, aber verdichtet sich in ihm nicht die Essenz der dargestellten Persönlichkeit? Mimische Bewegung bleibt unerkannt; ein Profil ist statisch. Es birgt die Versachlichung gleichsam in sich, dennoch können in seine kühnen Umrisslinien geistige Erhöhung, Genie und Schaffenskraft hineingelesen werden.
Bei Hugo Erfurth, dem renommiertesten Porträtphotographen der Weimarer Republik, sind Profilbildnisse selten. Sie gehören meist zu Porträtgruppen, die er von den wichtigsten Kunstschaffenden seiner Zeit anfertigt – so auch von den Bauhaus-Meistern. Ab 1906 erarbeitet er sich in der Dresdner „Lichtbildnerei Erfurth“ die Wertschätzung, ein sensibler Psychologe seiner Modelle zu sein, deren Konterfeis zwischen piktorialistischer und neusachlicher Auffassung er in photographischen Edeldruckverfahren ausführt.
In diesem renaissancehaften Porträt begegnet dem Betrachter der russische Künstler und Lehrer am Bauhaus, Wassily Kandinsky. Eng proportioniert vor weißer Ateliertapete inszeniert ihn Erfurth als durchgeistigten Malerfürsten auf dem Zenit seiner Laufbahn. Der allen Bauhaus-Meistern eigene professorale Habit steht in Kontrast zum modernen Erscheinungsbild ihrer Studenten und neutralisiert die Dargestellten zu Respektspersonen. Gefeiert als Wegbereiter für die abstrakte Kunst, ruft Walter Gropius Kandinsky 1922 ans Weimarer Bauhaus. Dessen zweite theoretische Schrift „Punkt und Linie zu Fläche“ wird 1926 veröffentlicht. Im selben Jahr widmet ihm die Galerie Ernst Arnold in Dresden eine Jubiläumsausstellung zum 60. Geburtstag. Diese Schau zu bewerben, mag Anlass der Sitzung bei Erfurth gewesen sein.
Neben Kandinsky, Klee, Feininger und Schlemmer lässt sich auch László Moholy-Nagy von Erfurth photographieren. Das von ihm beschriftete Kandinsky-Porträt begleitet Moholy ins amerikanische Exil.
Jeannine Fiedler


* Bedeutendster Porträtfotograf seiner Zeit trifft auf einen der wichtigsten Künstler der Moderne
* Vintage print aus dem Besitz von László Moholy-Nagy
* Exponat in der legendären ersten Bauhaus-Ausstellung im New Yorker Museum of Modern Art, 1938

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