Lupe Stift

Herbstauktionen 2019

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Alexej von Jawlensky

Torschok 1864 – 1941 Wiesbaden

„Abstrakter Kopf“. Um 1921

Öl auf Leinwand. 34,7 × 24,9 cm. (13 ⅝ × 9 ¾ in.) Unten links monogrammiert: A.J. Werkverzeichnis: Jawlensky 1160. Mit einer zusätzlichen Bestätigung (in Kopie) von Angelica Jawlensky Bianconi, Alexej von Jawlensky-Archiv S. A., Locarno, vom 3. Dezember 2014. In den Ecken auf schwarzen Karton aufgelegt.  [3117] Gerahmt 

ProvenienzMoses „Mo“ Rothmann, London / Privatsammlung, Deutschland

EUR 300.000 – 400.000
USD 330,000 – 440,000

„Abstrakter Kopf“

Auktion 313Donnerstag, den 28. November 2019, 18.00 Uhr

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  • Kontemplative Form der Abstraktion in der Kunst der klassischen Moderne

  • In seiner Leuchtkraft sehr schönes Beispiel für die Darstellung geistiger Inhalte durch Farbe


Im Jahr 1921 kehrt Alexej von Jawlensky aus dem Schweizer Exil nach Deutschland zurück und lässt sich in Wiesbaden nieder, wo er bis zu seinem Tod 1941 lebt. Bereits in der Schweiz hat er mit der Reihe der „Abstrakten Köpfe“ begonnen, einer neuen Entwicklungsstufe in seiner künstlerischen Auseinandersetzung mit dem menschlichen Gesicht. Gegenüber den vorangegangenen Werkgruppen der „Mystischen Köpfe“ und der „Heilandsgesichte“ ist das Formenvokabular der „Abstrakten Köpfe“ noch stärker reduziert. Dem frontal gesehenen, zur U-Form stilisierten Antlitz sind die geschlossenen Augen, Mund, Nase und Haarsträhnen als Liniengefüge eingeschrieben, das wiederum den fein ausbalancierten Farbfeldern als Gerüst dient. Kennzeichnend für vorliegenden „Abstrakten Kopf“ ist ein lichter Farbklang mit stark transzendenter Qualität, wodurch sich dem Betrachter ein Zustand hoher Konzentration, inneren Schauens und religiösen Empfindens mitteilt. Bewusst folgt der tiefgläubige Jawlensky der Tradition der russischen Ikonenmalerei, füllt sie mit neuem Inhalt und einer neuen Tiefe des Ausdrucks. Obwohl stets ein bestimmter Grundtypus, eine „Urform“ des menschlichen Gesichts gesucht wird, gleicht doch kein „Abstrakter Kopf“ dem anderen. So sind es bei aller zeichenhaften Verdichtung insbesondere die Variationen und feinen Unterschiede, die das zutiefst Menschliche in Alexej von Jawlenskys Arbeiten ausmachen. Mit dem „Abstrakten Kopf“ hat der Maler eine gültige Bildform für Spiritualität gefunden: „Sagen Sie jedem, dass das kein Gesicht ist. Es ist das nach unten sich Abschließende, das sich nach oben Öffnende, das in der Mitte sich Begegnende. [...] So steht der obere Teil dieser Köpfe für das Göttliche, der untere für das Menschliche und in der Mitte treffen sie sich in einem geistigen Dialog“ (Alexej Jawlenski, zit. nach Ausst.-Kat.: Jawlensky. Neu gesehen, Chemnitz, Museum Gunzenhauser, 2013, S. 50). sch

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