Lupe Stift

Herbstauktionen 2019

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Heinrich Kühn

Dresden 1866 – 1944 Birgitz bei Innsbruck

Landschaft mit Linden. 1898

Vintage. Mehrfacher Gummidruck in Braun auf Aquarellpapier mit manuellen Bearbeitungsspuren. 50,8 × 73,5 cm. (20 × 28 ⅞ in.) Rückseitig mit Bleistift Passmarken. Auf der Rahmenrückwand ein Etikett der Ausstellung Houston 2011 (s. u.). Unikate Ausführung.  [2002]

ProvenienzGalerie Kicken, Berlin / Privatsammlung, Schweiz

EUR 100.000 – 120.000
USD 110,000 – 132,000

Landschaft mit Linden

Auktion 313Donnerstag, den 28. November 2019, 18.00 Uhr

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  • Einmaliges Meisterwerk des Piktorialismus

  • In dieser Größe äußerst selten in der Fotografie vor 1900

  • Höchst eindrucksvolle atmosphärische Wirkung


AusstellungHeinrich Kühn. Die vollkommene Fotografie. Wien, Albertina; Paris, Musée d’Orsay; Houston, Museum of Fine Art, 2010/11, Kat.-Nr. 12, S. 99

Heinrich Kühns Fotografie „Landschaft mit Linden“ aus dem Jahr 1898 wird durch eine imposante Szenerie beherrscht. Majestätisch ragen die Linden in den Himmel, dominieren den hügeligen Untergrund. Dahinter das zarte und lichtdurchtränkte Spiel der Wolken im deutlichen Kontrast zur dunklen Silhouette der Bäume. Kein Gebäude, kein Tier und kein Mensch lenken vom Wesentlichen des Bildes ab. Alles ist auf eine direkte und erhabene Wiedergabe der Natur ausgerichtet. Heinrich Kühn, einer der wichtigsten Vertreter des Piktorialismus, schafft mit diesem Foto ein der Malerei ebenbürtiges Meisterwerk. Sorgsam ist die nachträgliche Bearbeitung des Gummidrucks in einzelnen Partien, besonders im Bereich der Wolken, die das Licht des Hintergrunds umso stärker hervorscheinen lassen. Die Farbigkeit, zwischen Umbra, Walnuss und Lehmbraun changierend, unterstreicht zusätzlich die kraftvolle und erdige Atmosphäre dieses stimmungsvollen Landschaftsbildes. Kühns Ideal einer reinen Fotografie konzentriert sich hier in der reinen Darstellung der Natur. Mit seinem Bild bewegt sich Heinrich Kühn aber nicht nur in den theoretischen Strömungen seiner Zeit, in der international heftig über die Rolle der neuen Kunstfotografie diskutiert wurde. Darüber hinaus reiht es sich ein in die große Tradition der Landschaftsmalerei, die hier beispielhaft zum Vergleich mit Werken von Franz Kobell und Sigmar Polke illustriert wird. Während Kobells Federzeichnung noch vom Arkadischen der Landschaft im 18. Jahrhundert geprägt ist, steht das Rastermuster in Polkes Acrylbild ganz im Zeichen der Moderne und Pop-Art. Im Verweis auf die Unschärfe und Kunst der druckgrafischen Reproduktion stellt es noch einmal die von Kühn prononcierte Frage nach dem reinen und wahren Abbild der Natur. Kühns Œuvre bedeutet nicht nur in diesem Sinne einen wichtigen Schritt in Richtung der modernen Fotografie. Das hier präsentierte Unikat ist dafür ein besonders eindrucksvolles Beispiel. JM

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