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Kunst des 19. Jahrhunderts

171N

Wilhelm Leibl

Köln 1844 – 1900 Würzburg

„Mädchenkopf (genannt ,Die Malresl‘)“. 1897

Öl auf Holz. 27,7 × 24,1 cm. (10 ⅞ × 9 ½ in.) Unten rechts signiert und datiert: W. Leibl 1897. Werkverzeichnis: Waldmann 243.  [3458] Gerahmt 

ProvenienzKapitänleutnant Kuthe, Berlin (bis 1911) / Leonhard Tietz, Köln (spätestens 1912 bis 1914) / Nachlass Leonhard Tietz, Köln (1930) / Galerie Westenhoff, Lübeck (1984) / Galerie Alexander Gebhardt, München (1985) / Privatsammlung, Süddeutschland / Privatsammlung, Schweiz

EUR 100.000 – 150.000
USD 119,000 – 179,000

Verkauft für:
162.500 EUR (inkl. Aufgeld)

„Mädchenkopf (genannt ,Die Malresl‘)“

Auktion 328Mittwoch, den 9. Juni 2021, 15.00 Uhr

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AusstellungKunst des 19. Jahrhunderts in Kölner Privatbesitz. Köln, Kölnischer Kunstverein, im Wallraf-Richartz-Museum, 1912, Kat.-Nr. 70, m. Abb. („Mädchenkopf“) / Wilhelm Leibl. Gemälde, Zeichnungen, Radierungen. Köln, Wallraf-Richartz-Museum, und Berlin, Preußische Akad. der Künste und Galerie Matthiesen, 1929, Kat.-Nr. 127 („Mädchenkopf. [,Die Malresl‘]. Studie“) / Wilhelm Leibl und sein Malerkreis. Rosenheim, Städt. Galerie, 1985, Kat.-Nr. 84, m. Abb

Literatur und AbbildungVersteigerungskat.: Sammlung Kapitänleutnant Kuthe, Berlin. Ölgemälde moderner Meister [...]. Im Anhang eine kleine Kollektion moderner Gemälde aus Privatbesitz. Berlin, Kunstsalon Keller & Reiner, 2.12.1911, S. 8, Kat.-Nr. 67, Abb. Tf. 16 / Emil Waldmann: Wilhelm Leibl. Eine Darstellung seiner Kunst. Gesamtverz. Gemälde. Berlin, Cassirer, 1914, Kat.-Nr. 236, Abb. S. 206 / Eberhard Ruhmer: Der Leibl-Kreis und die Reine Malerei. Rosenheim, 1984, S. 403, Nr. 182, Abb. S. 301 / Weltkunst, Okt. 1984, Farbabb. auf dem Umschlag


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Als Modell für unsere bravuröse Ölstudie diente Leibl wohl die junge Haushälterin aus Kutterling Marie Ebersberger, die sogenannte Malresl, ein Lieblingsmodell des Künstlers aus den späten 1890er-Jahren. Offensichtlich fühlte sich Leibl von der Ausstrahlung der jungen Frau immer wieder angeregt, sodass sie auf zahlreichen Zeichnungen und besonders in der Serie der späten Küchenbilder als Modell zu erkennen ist.
Aus dem atmosphärischen Hintergrund mit vielfältigen Braun- und Grautönen verdichtet sich die Farbmaterie in der Bildmitte und lässt das jugendlichen Gesicht der Malresl wie eine Rose aus der Malschicht herauswachsen. Leibl zeigt uns hier sein Modell in angedeuteter Festtagskleidung mit Hut und tiefschwarzem Kragen, was ihm die koloristische Möglichkeit gab, den grünen Kopfschmuck den zarten Rottönen des Inkarnats gegenüberzustellen. Das Bild lebt ganz von den beobachteten und sehr behutsam gesetzten Farbnuancen und fokussiert sich auf die malerische Umsetzung des Gesehenen. Es erscheint uns heute wie ein Lehrstück über die reine Malerei, ganz ohne erzählerischen Charakter. Auch wenn oftmals eingewandt wird, es handele sich hierbei lediglich um Studienmaterial, widerlegt Leibl dies mit seiner selbstbewusst angebrachten Signatur und der Datierung darunter. Das zeigt eindrucksvoll, wie er diese Bildnisstudie selbst einschätzte, denn Signaturen hat er niemals leichtfertig, sondern erst nach längerer Prüfung aufgetragen. Im Werk Leibls gibt es eine erstaunliche Vielzahl von Bildern mit „unfertigem“ Charakter, die er aber mit seiner Signatur als vollgültige Werke charakterisierte, angefangen von der Tischgesellschaft aus seiner Frühzeit (Wallraf-Richartz Museum, Köln) bis hin zu unserer hier vorgestellten Ölstudie der Malresl.
In unserem Bild verbinden sich jedenfalls höchste malerische Qualitäten mit der beseelten Darstellung der jungen Frau. Diese seltene Kombination macht die Studie zu einem kleinen Meisterwerk.

Michael Mohr

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