Lupe Stift

Herbstauktionen 2019

302

Emil Nolde

Nolde 1867 – 1956 Seebüll

„Liegende Löwin“. Um 1923/24

Aquarell auf Japan. 34,5 × 47,2 cm. (13 ⅝ × 18 ⅝ in.) Oben rechts mit Feder in Schwarz signiert: Nolde. Werkverzeichnis: Mit einer Bestätigung von Manfred Reuther, Klockries, vom 13.8.2019. Das Aquarell ist in seinem Archiv registriert und dokumentiert: Nolde A – 138/2019.  [3133] Gerahmt 

ProvenienzPrivatsammlung, Norddeutschland

EUR 30.000 – 40.000
USD 33,000 – 44,000

„Liegende Löwin“

Auktion 312Donnerstag, den 28. November 2019, 15.00 Uhr

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Die Ruhe der Löwin in der wilden Großstadt. Fast jeden Winter zog es Emil Nolde von der Einsamkeit der Nordsee nach Berlin. Es waren das Nachtleben des Hauptstadt-dschungels und die Menschen des Molochs, die den „Landgeborenen“, wie er sich selbst nannte, lockten. Animalisch schätzte Nolde die Berliner ein, denn, so stellte er schon um 1890 fest, „sie haben Wasser im Gehirn und leben als Bazillenfraß und schamlos wie die Hunde“.
Ruhepunkt in der Berliner Großstadtwildnis wurde für den Maler der Zoologische Garten, in dessen Nähe er meist Quartier bezog. „Wir hörten nur ganz, ganz leise das Summen der […] Großstadtluft. Und zuweilen auch vom Zoogarten herüber fern die wilden Vögel schreien und die Raubtiere brüllen“, schrieb Nolde 1910/11. Im Zoo fand der Eigenbrödler dann zahlreiche Motive für seine Kunst, wie auch Gerhard Marcks und August Gaul.
Scheinbar gelassen gegen die aufgekratzte Großstadtwelt thront in Noldes Aquarell vom Winter 1923/24 die Abessinische Löwin des Zoologischen Gartens. Die Löwin hatte 1923 mit ihren vier in Gefangenschaft geborenen Jungen für mediale Furore und aufgeregte Besucher im Berliner Zoo gesorgt. Nolde und die Löwin scheren sich im formal klar kombinierten, farblich harmonischen Aquarell jedoch nicht darum. Der Künstler und sein Modell der wilden Großstadt sind die Ruhe selbst.

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