Lupe Stift

Sommerauktionen 2020

Moderne Kunst

223

Hermann Max Pechstein

Zwickau 1881 – 1955 Berlin

„Fruchtschale“. 1930

Öl auf Leinwand. 60 × 77 cm. (23 ⅝ × 30 ⅜ in.) Unten rechts signiert und datiert: HMPechstein 1930. Rückseitig in Schwarz betitelt und bezeichnet: Fruchtschale HMPechstein Berlin W. 62 Kurfürstenstr. 126. Ebenda eine ältere, kaum noch lesbare Bezeichnung: Badende [durchgestrichen] HMPechstein [1]910. Auf dem Keilrahmen ein Stempel der Deutschen Kunstgemeinschaft. Werkverzeichnis: Soika 1930/6.  [3284] Gerahmt 

ProvenienzPrivatsammlung, Berlin (wohl Anfang der 1930er-Jahre bei der Deutschen Kunstgemeinschaft erworben, bis 1991) / Privatsammlung, Baden-Württemberg / Privatsammlung, Nordrhein-Westfalen

EUR 70.000 – 90.000
USD 75,300 – 96,800

„Fruchtschale“

Auktion 320Freitag, den 10. Juli 2020, 14.00 Uhr

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AusstellungFrühjahrs-Ausstellung 1930. Werke der Malerei und Plastik, Gedächtnis-Ausstellung Ludwig Knaus. Berlin, Preußische Akademie der Künste zu Berlin, 1930, Kat.-Nr. 152

Literatur und Abbildung22. Kunstauktion: 19. und 20. Jahrhundert. Berlin, Villa Grisebach Auktionen, 30.11.1991, Kat.-Nr. 184, m. Abb

Max Pechstein lässt die Farben leuchten auf diesem Stillleben aus dem Jahr 1930. Eine Ananas, Orangen, Bananen, Weintrauben, Granatäpfel und eine gelbe Frucht - wahrscheinlich eine Papaya - hat der Maler hier versammelt. Als Hintergrund wählte er eine nahezu komplett abstrakte Komposition, bei der man nur den grünen Vorhang mit den Fransen konkret identifizieren kann.
Als Pechstein die „Fruchtschale“ malte, war er 48 Jahre alt, die Gründung der Künstlervereinigung Brücke lag inzwischen ein Vierteljahrhundert zurück, und er hatte danach bereits weitere Stilphasen durchlaufen. Nun waren in seinem Schaffen eine gewisse Ruhe und formale Reife eingetreten, sodass er sich die Freiheit nehmen konnte, anderen malerischen Aspekten mehr Raum zu geben.
Besonders augenfällig ist dies zum Beispiel an den Abstufungen von Rot, Orange und Gelb bei den Orangen, den Granatäpfeln und der Papaya/Sternfrucht rechts. Auch dass er bei den Weinbeeren, den Blütenresten der Granatäpfel, dem Blattschopf der Ananas, der Schale und dem Vorhang im Hintergrund denselben Grünton verwendete, spricht für Pechsteins Virtuosität auf dem Gebiet.
Gleichzeitig greift er für dieses Bild auf einen Motivschatz zurück, von dem es heißt, er habe Zeit seines Lebens davon gezehrt: „Im Oktober ist mein Traum ausgeträumt“, beklagte der Künstler in seiner Autobiografie das dramatisch frühe Ende seiner Reise in die Südsee 1914 (Max Pechstein: Erinnerungen. München 1963, S. 97).
Selbstverständlich gab es schon damals in Berlin exotische Früchte zu kaufen. Dass sich Pechstein jedoch entschied, ihnen sein ganzes bis dahin erlangtes Können zu widmen, das kann eigentlich kein Zufall sein. So steht unser eindrucksvolles Gemälde auch dafür: Sein „Traum Palau“ lebte noch 16 Jahre später in ihm weiter.
UC

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