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Herbstauktionen 2020

Von Beuys bis Liebermann – Ausgewählte Werke

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Curt Querner

Börnchen b. Freital 1904 – 1976 Kreischa

„Selbstbildnis mit herabfallendem Haar“. 1934

Öl auf Holz. 27 × 22,2 cm. (10 ⅝ × 8 ¾ in.) Rückseitig mit Bleistift datiert und bezeichnet: 1934 gemalt. Werkverzeichnis: Dittrich A 32.  [3631] Gerahmt 

ProvenienzNachlass des Künstlers / Galerie Gebr. Lehmann, Dresden / Fischer Kunsthandel & Edition, Berlin / Privatsammlung, Sachsen-Anhalt

EUR 70.000 – 90.000
USD 82,400 – 105,900

„Selbstbildnis mit herabfallendem Haar“

Auktion 324Donnerstag, den 3. Dezember 2020, 18.00 Uhr

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AusstellungCurt Querner. Ausstellung anlässlich seines 70. Geburtstages. Schwerin, Staatliches Museum, 1974, Kat.-Nr. 12

Literatur und AbbildungCurt Querner 1904–1976. Ausst.-Kat. Galerie Rähnitz- gasse, Dresden 1984, Abb. auf dem Frontispiz (Foto der Malstube in Börnchen mit dem Selbstbildnis auf einem Bücherregal)

Im Kreis der intensiven Selbstbefrager, mit denen die Geschichte der Kunst aufwarten kann, ist Curt Querner un- zweifelhaft einer der ganz Großen, auch wenn sich das in seinem Bekanntheitsgrad nicht sonderlich niedergeschlagen hat. Er selbst hätte diese Tatsache wahrscheinlich so kommentiert, dass es nicht darauf ankomme, was einer gelte, sondern was einer tue, und vor allem, wie sehr er damit bei sich selbst sei. Querner hat früh entschieden, sich aufs Land in sein Elternhaus nach Börnchen südlich von Dresden zurückzuziehen, und wenn auch materielle Erwägungen dabei eine Rolle spielten, kam ihm doch der Abstand zu den Eitelkeiten, die in der Künstlerszene Dresdens ausgelebt wurden, auch entgegen. Er war als Mensch und Maler allen Äußerlichkeiten abhold und stand bis ins Alter immer neu staunend vor den Erscheinungen, die ihm die Menschen seiner ländlichen Umgebung, die Fülle der Natureindrücke und eben sein eigenes Antlitz boten.
Der Kunsthistoriker Erhard Frommhold hat bekräftigt, dass Querners Selbstbildnisse „zwar, wie man richtig bemerkt hat, Querners Autobiographie ersetzen, aber keines- wegs den tatsächlichen Lebensgang, sondern eben ,geläutert‘ seinen eigenen Roman erzählen“ (zit. nach: Ausst.-Kat. Curt Querner zum 80. Geburtstag. Dresden, Galerie Rähnitz- gasse, 1984, S. 22). Dabei blickt der Künstler von Anfang an mit einer unprätentiösen Sachlichkeit, die das Emotionale nicht leugnet, aber eben auch nicht expressiv auflädt, in den Spiegel. Das Zeichnen hat er ab 1926 bei Richard Müller an der Dresdner Akademie gelernt, und sein prägnanter Blick auf die Dinge wurde durch den Unterricht bei Otto Dix im Jahre 1930 nur bestätigt.
Im Gegensatz zu den Selbsterforschungen Rembrandts, der auch mit historischen Rollenmodellen spielt, oder den psychischen Verwerfungen, die Horst Janssen in sein Antlitz hineinzeichnet, bildet Querner sich mit meist ernstem Blick, gefurchter Stirn und unerschütterlicher Ehrlichkeit ab, der alles Exzessive abgeht.
Sein Selbstbildnis von 1934 ist die Bestandsaufnahme eines Mannes, der durch allerlei Stürme hindurchgegangen ist, sich wie viele seiner Kollegen auf eine zunehmende Ausgrenzung durch die nationalsozialistische Kunstpolitik einstellen muss und dessen Bewegungsspielraum so noch enger wird, als er es in seiner selbstgewählten Abgeschiedenheit vermutet hat. Querner hat ein kleines, aber monumentales Gemälde geschaffen, sein Gesicht reicht bis an die Begrenzung des Bildraums und betont damit die Gemütslage eines Mannes, der auf sich allein gestellt ist. MS

* Curt Querner ist einer der wichtigsten Vertreter der Dresdner Neuen Sachlichkeit
* Selbstbildnis von starker, unsentimentaler Präsenz
* Frühe Selbstbildnisse des Künstlers befinden sich fast
ausnahmslos in Museumsbesitz

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