Lupe Stift

Herbstauktionen 2019

308

Osmar Schindler

Burkhardtsdorf 1867 – 1927 Dresden-Wachwitz

Einhorn. 1897

Pastell auf Papier. 59,5 × 46,5 cm. (23 ⅜ × 18 ¼ in.) Oben links signiert: O·SCHINDLER. Unten links eine frühere, teilweise übermalte Signatur: SCHINDLER. Auf der rückseitig auf den Spannrahmen montierten Pappe mit Bleistift bezeichnet und betitelt: Prof. Osmar Schindler Dresden NeuGruna Tauscherstrasse 6 I „Einhorn“ Preis Pastell 300 Mark. Zwei Skizzen zum „Einhorn“ im Skizzenbuch des Künstlers, 1897, Galerie Saxonia, München. Fest auf Spannrahmen montiert.  [3060] Gerahmt 

ProvenienzAus dem Nachlass des Künstlers

EUR 6.000 – 8.000
USD 6,590 – 8,790

Verkauft für:
7.500 EUR (inkl. Aufgeld)

Einhorn

Auktion 312Donnerstag, den 28. November 2019, 15.00 Uhr

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AusstellungGroße Aquarell-Ausstellung. Dresden, Ausstellungsgebäude auf der Brühlschen Terrasse, 1909, Kat.-Nr. 402

Unicorns – ein zeitgenössischer Hype? Nicht wirklich. Auch wenn das Fabeltier hervorragend in die schillernde Welt der schnellen Bilder der sozialen Medien passt, neu ist die Faszination, die von ihm ausgeht, nicht.
In frühzeitlichen Jägerhöhlen verewigt, von Aristoteles beschrieben, in Hildegard von Bingens heilkundlichen Schriften erfasst, werden seinem Horn allheilende Wirkungen zugeschrieben. Im Mittelalter galt das schöne Tier als wahrhaftig existent, viele der großen Entdecker wollten es auf verschiedensten Kontinenten gesichtet haben. Laut frühchristlichem Glauben kann nur eine Jungfrau das Einhorn fangen und in ihrem Schoß besänftigen. Die Jungfrau steht hier für Maria, das Einhorn für Jesus Christus, im übertragenen Sinne die Inkarnation Gottes in der Jungfrau Maria. Passend dazu die Kirsche, die Fruchtbarkeit signalisiert. Heute wird das Einhorn meist als weißes Pferd mit Horn karikiert.
Auch in Schindlers Vorzeichnungen erscheint das Einhorn als Pferd, ganz ohne Ziegenbart. In der Ausführung hat es dann jedoch größere Ähnlichkeit mit einer Ziege. Nicht weiter verwunderlich, wenn man tiefer in die Genese der Einhornabbildungen schaut. Schnell ist ein mögliches Vorbild gefunden: Die Dame mit dem Einhorn, eine Serie von sechs Wandteppichen aus dem 15. Jahrhundert (Musée de Cluny, Paris). Auch hier hat das edle Horn einen langen Ziegenbart.
Irgendwo zwischen den Welten der verkopften Symbolik alter Zeit und der des glitzernd-pinken Unicorn-Trends ist unser Einhorn aus Pastell positioniert. Und auch lange nach der Widerlegung seiner Existenz wirkt das gute, edle Tier überzeitlich, überirdisch, als ein Jahrtausende überdauerndes Objekt der Sehnsucht.

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