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Kunst des 19. Jahrhunderts

172

Carl Schuch

1846 – Wien – 1903

Totenschädel mit Rosen. 1878/79

Öl auf Leinwand. 37,5 × 31 cm. (14 ¾ × 12 ¼ in.) Werkverzeichnis: Das Gemälde ist im Carl Schuch-Archiv registriert und wird in den Catalogue raisonné, hrsg. von der Carl Schuch-Gesellschaft und bearb. von Roland Dorn, aufgenommen. Horizontaler Knick sorgfältig restauriert.  [3351] Gerahmt 

ProvenienzPrivatsammlung, Hessen

EUR 50.000 – 70.000
USD 59,500 – 83,300

Verkauft für:
62.500 EUR (inkl. Aufgeld)

Totenschädel mit Rosen

Auktion 328Mittwoch, den 9. Juni 2021, 15.00 Uhr

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AusstellungAus dem Neunzehnten. Von Schadow bis Schuch. Wiesbaden, Museum, 2015/16, Kat.-Nr. 5

Literatur und AbbildungRoland Dorn und Fabienne Ruppen: Carl Schuch in Venedig (1876–1882). Frankfurt a.M., Verlag von J. P. Schneider jr., 2012 (= Carl Schuch-Studien, hrsg. v. d. Carl Schuch-Gesellschaft, Bd. 1), S. 30, 31 u. S. 41, Abb. S. 30 u. S. 44-46

Besitzt ein Totenschädel ein Gesicht, gar eine Mimik? Alles auf Carl Schuchs Stillleben „Totenschädel mit Rosen“, gemalt in einem nasskalten venezianischen Palazzo im Winter 1878/79, deutet darauf hin. Das Licht kommt von links, sodass die Blätter einer auf petrolblauen Samt gebetteten grellroten Rose unterhalb des Schädels semitransparent durchröntgt erscheinen. Ein Bouquet dreier Rosen ohne Stiele schwebt in der linken oberen Ecke frei vor dem dunklen Hintergrund. Vor allem aber wirkt durch das Kunstlicht die stark ausgeleuchtete Augenhöhle des ohnehin leicht nach links geneigten Schädels auf dieser Seite um einiges kleiner als die gegenüberliegende. Die direkt angestrahlte Wangenpartie wird durch die Überblendung flach, die verschattete hingegen zeigt ein tiefes Grübchen und eine vom Maler fein ausmodellierte Kraterlandschaft in gebrochenem Beinweiß, Graubraun und Grün. Ähnlich wie Menzel mittelalterliche Rüstungen und andere tote Dinge zum Leben erweckte, gelingt es Schuch, den Schädel nur durch Lichtsetzung und Farbe lebendig und bewegt wirken zu lassen. Selbst noch als Cranium spiegelt dieses Haupt die Asymmetrie menschlicher Gesichtshälften wider. Legt man eine imaginäre Achse durch den Scheitelpunkt der dunklen Nasenhöhle, ziehen linkes Auge und Wangenknochen des Verstorbenen merklich in Richtung der anderen Hälfte – von den mehr als unregelmäßigen Zahnreihen nicht zu reden – und erzeugen den Eindruck eines schiefen Lächelns. Über einen imaginären Stiel verbunden, könnte der Schädel die vor dem dunklen Hintergrund schwebende Rose gar zwischen den Zähnen halten. Schuchs Malerkollege Leibl hat wiederholt einen Totenschädel mit ähnlich schiefen Zähnen auf Bücher oder mit Tüchern über dem Kopf drapiert und dadurch lachhaft gemacht, möglicherweise um dem Tod durch die Kostümierung seine Gravitas zu nehmen.
Dass Schuchs Arrangement aber ein Scherzo sein soll, dagegen steht die Ernsthaftigkeit dieser Malerei, bei der etwa der Wangenknochen und die obere Zahnreihe tektonisch fest wie ein T auf dem Unterkiefer ruhen. In einem Brief vom 22. April 1879 versucht er dann auch den Architekten Thomas Brug über die Weggabe des eigentlich diesem versproche- nen „Blumen um einen Totenschädel“ an einen bettelnden Bekannten mit den Worten zu trösten, er wisse ohnehin nicht, ob Brug „ein Freund ... dieser bloß gelegten Architektur unserer äußern Schönheit“ sei ...

Den Begleittext von Stefan Trinks hier weiterlesen

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