Lupe Stift

Sommerauktionen 2020

Moderne Kunst

207

Irma Stern

Schweizer-Reneke (Südafrika) 1894 – 1966 Kapstadt

Blumenstillleben. 1929

Öl auf Leinwand. 58 × 44 cm. (22 ⅞ × 17 ⅜ in.) Oben links signiert und datiert: Irma Stern 1929.  [3093] Gerahmt 

ProvenienzPrivatsammlung, Sachsen-Anhalt (aus dem Nachlass von Katharina Heise, einer Künstlerfreundin von Irma Stern, erhalten)

EUR 70.000 – 90.000
USD 75,300 – 96,800

Blumenstillleben

Auktion 320Freitag, den 10. Juli 2020, 14.00 Uhr

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AusstellungIrma Stern und der Expressionismus. Afrika und Europa. Bilder und Zeichnungen bis 1945. Bielefeld, Kunsthalle, 1996/97, Kat.-Nr. 14, Abb. S. 68

Nahezu nichts steht still in dem 1929 entstandenen Stillleben von Irma Stern. Die mit großen, knallroten Blüten üppig behangenen Äste des Hibiskusstrauchs bahnen sich ihren Weg aus dem kaum sichtbaren Blumentopf – heraus aus dem dunkelblauen Hintergrund. Darunter hervorkommend zwingt die orangefarbige Blütenpracht der Engelstrompete den feinen Strauch in die Knie. Die Blüten werden größer und größer, schwerer und schwerer, übertrumpfen sich in ihrer Pracht, bis sie verwelken, sich lösen und zu Boden fallen.
Man kann sie in diesem fulminanten Gemälde förmlich wachsen und vergehen sehen, die in Südafrika vorkommenden Gewächse. Augenscheinlich völlig regungslos hingegen schmücken verschiedene Früchte in einer Schale den Vordergrund des Bildes. So entsteht ein Spannungsverhältnis zwischen Bewegung und Stille – vereint in der machtvollen Dynamik und schleichenden Vergänglichkeit der Natur.
Nicht nur Ruhe und Bewegung verbindet die 1894 als Tochter deutsch-jüdischer Einwanderer in Südafrika geborene Künstlerin in ihrem Werk miteinander – sondern auch zwei Welten, zwei Kontinente. Irma Stern, die zu den bedeutendsten Künstlerinnen Südafrikas gehört, ließ sich seit 1913 in Deutschland, Weimar und Berlin künstlerisch ausbilden. Erst 1919 – nach dem Ersten Weltkrieg – war es ihr wieder möglich, nach Südafrika zurückzukehren. In dieser Zeit prägte sie in ihrem künstlerischen Schaffen insbesondere die Bekanntschaft mit Max Pechstein.
In ihrem einzigartigen Œuvre vereint die viel umhergereiste Künstlerin Einblicke in ihre Heimat, der damals «fremden» und «exotischen» Welt, mit der expressionistischen Farb- und Formensprache der europäischen Avantgarde und entwickelt somit ihren ganz eigenen, authentischen und bis heute unverwechselbaren Blick auf die Kunst der Natur Südafrikas.
SSB

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