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Herbstauktionen 2020

Moderne Kunst

404

Georg Tappert

1880 – Berlin – 1957

„Rosa Chansonette I (Mit schwarzen Handschuhen)“. Um 1922

Öl auf Pappe, auf Leinwand aufgezogen. 67,6 × 49,3 cm. (26 ⅝ × 19 ⅜ in.) Rückseitig (wohl vom Künstler) mit schwarzer Kreide signiert und betitelt: G. Tappert Frl. R. mit schwarzen Handschuhen. Werkverzeichnis: Wietek 220. Kleine Farbverluste.  [3756] Gerahmt 

ProvenienzGerhard Wietek, Hamburg (seitdem in Familienbesitz)

EUR 40.000 – 60.000
USD 47,100 – 70,600

Verkauft für:
50.000 EUR (inkl. Aufgeld)

„Rosa Chansonette I (Mit schwarzen Handschuhen)“

Auktion 325Freitag, den 4. Dezember 2020, 11.00 Uhr

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Prof. Gerhard Wietek, aus dessen Besitz dieses Gemälde stammt, war Direktor des Altonaer Museums in Hamburg, Landesmuseumsdirektor in Schleswig-Holstein und Leiter des Landesmuseums Schloss Gottorf. Über das Werk von Georg Tappert schrieb er 1980 eine umfassende Monografie mit dem Werkverzeichnis der Gemälde und 1996 ein Werkverzeichnis seiner Druckgrafik.

AusstellungGeorg Tappert, 1880–1957. Gedächtnis-Ausstellung. Berlin, Akademie der Künste, 1961, Kat.-Nr. 25 („Fräulein R. mit schwarzen Handschuhen“, 1910, Öl auf Leinwand, 90 x 75 cm“) (?) / Ausstellung Georg Tappert anläßlich seines 15. Todestages. Berlin, Rathaus Wedding (Altbau), Walther-Rathenau-Saal, 1972, Kat.- Nr. 31, Abb. auf dem Umschlag und auf der Einladungskarte / Georg Tappert. Gemälde. Berlin, Kunstamt Wedding, 1973 / Großstadt und Großstadtleben um 1926 (= 67. Ausstellung der B·A·T Cigaretten-Fabriken GmbH, Hamburg). Hamburg, B·A·T-Haus, 1976, Kat.- Nr. 59 / Georg Tappert. Gemälde 1906–1933. Wiederentdeckung eines Expressionisten (= 70. B·A·T-Aus- stellung). Hamburg, B·A·T-Haus, 1977, Kat.-Nr. 44, m. Abb. („Mit schwarzen Handschuhen“) / 25 Jahre Hans Thoma Gesellschaft. Reutlingen, Hans-Thoma- Gesellschaft, 1978 / Georg Tappert. Deutscher Expressionist. Selm-Cappenberg, Schloss, 2006, Faltblatt m. Abb

Georg Tappert, der, nachdem er in seiner Heimat ab 1933 verfemt war, erst um die letzte Jahrhundertwende als Künstler wieder entdeckt wurde, zählt zu den bedeutendsten Expressionisten in Deutschland. Seine erste Ausstellung hatte er 1905 in der Galerie von Paul Cassirer, als Mitbegründer der Künstlervereinigung „Neue Secession 1910“ unterhielt er enge Kontakte zu den Malern der Brücke und des Blauen Reiters.
Wie so viele Künstler der Avantgarde war Tappert fasziniert von der Welt des Zirkus, der Varietés und der großstädtischen Demi-Monde. Aufgewachsen in der Friedrichstraße in Mitte, hatte der gebürtige Berliner ausreichend Gelegenheit, das Milieu von klein auf kennenzulernen. Im Lauf der Zwanzigerjahre fand er, auch Mitglied der Novembergruppe, dann zu seinem ganz eigenen Stil, in dem er expressionistische Elemente mit denen der sozialkritischen Kunst eines George Grosz und Otto Dix verband.
Dabei hat sich der Expressionist der ersten Stunde die Sympathie für die Außenseiter der Gesellschaft stets bewahrt. Das Gemälde „Rosa Chansonette I (mit schwarzen Handschuhen“ legt davon beredt Zeugnis ab: Ein anderer hätte die nicht mehr ganz junge Sängerin in dem titelgebenden rosa Kleid womöglich in ihren Abgründen hinter den Kulissen gezeigt. Nicht so Tappert: Er präsentiert sie uns ungeschönt und ohne Sentimentalität, aber während ihres großen Moments auf der Bühne, die schwarzen Haare modisch kurz geschnitten, in einer Aura von Würde und leicht morbider Eleganz. Das Pendant des Bildes, „Rosa Chansonette II“, befindet sich in der ständigen Sammlung des schleswig-holsteinischen Landesmuseums für Kunst und Kultur auf Schloss Gottorf. UC

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