Lupe Stift

Herbstauktionen 2019

321

Frank Thiel

Kleinmachnow bei Berlin 1966 – lebt in Berlin

„Die Alliierten“. 1994

12-teilige Installation bestehend aus 4 Triptychen. C-Prints, Diasecs, 2000/01. Große Fotos jeweils 217,5 × 174 cm (Each 85 5/8 × 68 ½ in.), kleine Fotos jeweils 34,8 × 27,8 cm (Each 13 3/4 × 11 in.). Je auf Rahmenrückwand und unterer Rahmenleiste mit schwarzem Filzstift signiert, datiert (Aufnahme sowie Abzug), betitelt, bezeichnet und nummeriert sowie mit Maßangaben versehen. Je eines von 6 nummerierten Exemplaren.  [3013] Gerahmt 

ProvenienzSammlung Wolfgang Joop, Potsdam (bis 2017) (2001 direkt vom Künstler erworben) / Privatsammlung, Niedersachsen

EUR 90.000 – 110.000
USD 98,900 – 121,000

„Die Alliierten“

Auktion 312Donnerstag, den 28. November 2019, 15.00 Uhr

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Vergleichsobjekte in anderen Formaten: Berlinische Galerie – Museum für moderne Kunst, Berlin / Privatsammlung, Berlin / Privatsammlung, Hamburg (als Dauerleihgabe in der Hamburger Kunsthalle) / Checkpoint Charlie, Berlin

Wir danken dem Künstler für freundliche Hinweise.

Literatur und AbbildungAuktion 279: Moderne und zeitgenössische Photographie. Berlin, Grisebach, 29.11.2017, Kat.-Nr. 2144

Große Geschichte in den Gesichtern der Soldaten der „Großen Vier“: Es ist einer dieser großen Würfe, wenn Kunst unausweichlich aus dem Zusammenprall von Zeit und Relevanz entsteht, aus der Koinzidenz einer höheren Ordnung, oder auch einer Fügung aus Konzept und Artefakt, aus Ort und Material. Dieser Wurf ist Frank Thiel zweifelsohne gelungen, als er 1994 die letzten in Deutschland stationierten alliierten Soldaten porträtierte, wenige Monate vor ihrem Abzug aus Berlin.
Auf analogem Großformat – und bei den kleineren Porträts mit Mittelformatkamera – wurden insgesamt 152 Porträts in enormem Detailreichtum eingefangen, voller Anmut und mit analytischer Schlichtheit. Nichts wurde überhöht, nichts wirkt inszeniert, denn es sind unter absolut identischen technischen Bedingungen aufgenommene Gesichtsstudien. Das Bild an sich ist Träger der Botschaft, der Soldat fungiert als gesellschaftlicher Vertreter seiner Nation.
Diese übergeordnete Relevanz legitimiert auch, dass zwei Porträts der Serie in gleicher Größe seit 1998 am geschichtsträchtigen Checkpoint Charlie im öffentlichen Raum installiert sind: Hoch oben über dem Asphalt blickt ein sowjetischer Soldat in den Westen, ein US-Soldat in den Osten. Relikte einer vergangenen Zeit, deren historische Bedeutung nicht hoch genug eingeschätzt werden kann und die sich in der Darstellung der beiden Soldaten ins kollektive Bewusstsein vieler Berlinbesucher eingraviert hat.
Letztlich gehört die Installation Frank Thiels, aus vier Triptychen bestehend, aber jenseits dieser beiden prominenten Vertreter doch erst in ihrer Gesamtheit zu den bedeutendsten Werken der deutschen Fotokunst der 1990er-Jahre. Es handelt sich um ein besonderes Stück Kunstgeschichte, das eindrücklich und mit bleibender Präsenz an den Fall der Berliner Mauer vor mittlerweile dreißig Jahren erinnert.

„Gehorsam und Einsatzbereitschaft waren lesbar in all den Gesichtern, die Frank Thiel im richtigen, einmaligen Zeitpunkt vor die Linse bekommen hatte. Kaum zu glauben, dass diese ,Alliierten‘ einst gekommen waren, um ,uns‘ vor ,uns‘ zu beschützen. Frank Thiels Arbeit ist für mich wie ein Altar des Friedens gewesen. In den 18 Jahren, in denen ich oft vor diesem Altar stand, habe ich mich beim Schicksal stumm bedankt.“ (Wolfgang Joop, 2017)

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