Lupe Stift

Herbstauktionen 2019

328

Sy & Wagner (François Louis Jérémie Sy & Emil August Albert Wagner)

Tätig in Berlin 1859 – 1914

Armband mit dem Bildnis Friedrichs des Großen im Redoutenkostüm – Geschenk Friedrichs des Großen (1712–1786). 1763 / 1863

Gold, gegossen und getrieben, graviert; Elfenbein-malerei wohl von Anton Friedrich König (1722–1787); Glas (im Originalfutteral). 5,9 cm; Ø 8,2 cm. (2 ⅜ in.; Ø 3 ¼ in.) Auf der Innenseite graviert. Im Futteraldeckel bezeichnet: SY & WAGNER GOLDSCHMIED SR. MAJ. DES KÖNIGS BERLIN. Gesamtgewicht: 141,9 g.  [3210]

ProvenienzStaats- und Kabinettsminister Graf Ewald Friedrich von Hertzberg (1725–1795), Schloss Britz bei Berlin (Miniatur 1763 als Geschenk Friedrichs des Großen) / Graf Ernst Franz Rudolf von Hertzberg (1740–1805) / Dessen Sohn Major Graf Ewald Friedrich Georg von Hertzberg (1787–1864), Lottin, Hinterpommern / Dessen Gattin Marie Elisabeth von Goltstein (1806–1884) (Armband mit der Miniatur 1863 als Geschenk ihres Mannes) / Deren Nichte Gräfin Eugenia von Goltstein (1839–1880) / Seitdem Familienbesitz

EUR 40.000 – 60.000
USD 44,000 – 65,900

Armband mit dem Bildnis Friedrichs des Großen im Redoutenkostüm – Geschenk Friedrichs des Großen (1712–1786)

Auktion 312Donnerstag, den 28. November 2019, 15.00 Uhr

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Beigabe eines Zettels mit handschriftlichem Vermerk: Bild und Geschenk Friedrich des Großen an seinen Minister den Grafen von Hertzberg, dem derselbe nach dem Schlusse des Hubertusburger Friedens seine Zufriedenheit mit diesen alle andere Belohnungen übertreffenden Worte bezeugte: favez fait la paix comme jai fait laguerre un contre plusieurs. Georg Graf von Hertzberg zum 100 jährigen Friedens Schluß am 13ten Februar 1863 seiner Gemahlin geborene Reichs Gräfin von Goltstein

Vergleichsobjekt zur Miniatur: Antoine Pesne: Isaak Franz Egmont von Chasôt im Dominokostüm, nach 1741, Doorn, Stichting Huis Doorn, Inv.-Nr. HuD1713 / Antoine Pesne: Hofgesellschaft mit Kavalier im Domino, frühere Wandmalereien im Schloss Charlottenburg

Vergleichsliteratur: Peter Florenz Weddigen (Hg.): Fragmente zu dem Leben des Grafen von Herzberg. Bremen, 1796, S. 50

Welch ein Zeichen eines Großen der Geschichte. Der Überlieferung nach traf Friedrich II. seinen Chefunterhändler des Friedens vom Februar 1763, Ewald Friedrich von Hertzberg, in der Nähe von Hubertusburg und dankte ihm mit der anerkennenden Einschätzung, dieser hätte Verhandlungen geführt wie er selbst Krieg führe: Einer gegen viele. Später überraschte der König Hertzberg mit der Stelle des Zweiten preußischen Staats- und Kabinettsministers und mit seinem Miniaturbildnis im roten Redoutenkostüm.
Die Darstellung des Königs als Domino mit venezianischer Vogelmaske – und nicht als Militär mit Rangzeichen – zeugt vom Humor des Staatslenkers, Kriegsführers und Freigeistes: Friedrich selbst hatte bei seinem Regierungsantritt 1740 die Redouten als Maskenbälle zur Faschingszeit am Berliner Hof etabliert und bestimmt, dass nur der Hof im roten Dominokostüm auftreten dürfe. Zu Kriegszeiten wurden die Redouten jedoch abgesagt, was das Miniaturbildnis nach dem just auf dem Höhepunkt der Karnevalssaison von 1763 gewonnenen Siebenjährigen Krieg zu einem fröhlichen Friedenszeichen und ganz persönlichen Geschenk macht.
Als Ausdruck der eigenen Königstreue und historischen Verwurzelung wurde die Miniatur innerhalb der gräflichen Familie Hertzberg weitergegeben und genau hundert Jahre nach dem Hubertusburger Friedenschluss, im Februar 1863, an Gräfin Marie Elisabeth, geborene von Goltstein, verschenkt. Von den Berliner Hofjuwelieren Sy & Wagner in ein opulentes Goldarmband mit Königskrone und Hertzberg-Wappen eingearbeitet, signalisiert das Schmuckstück mit der Miniatur des großen Königs seither zugleich die hohe Qualität der offiziellen preußischen Goldschmiedekunst im 19. Jahrhundert.

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