Lupe Stift

Herbstauktionen 2019

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Georg Kolbe

Waldheim/Sachsen 1877 – 1947 Berlin

„Adagio“. 1923

Bronze mit goldbrauner Patina. 81 × 12 × 16 cm. (31 ⅞ × 4 ¾ × 6 ¼ in.) Auf der Plinthe hinten links monogrammmiert: GK. An der Rückseite der Plinthe gestempelt: Exemplar NOACK. Werkverzeichnis: Berger 58. Guss der 1920er-Jahre.  [3205]

ProvenienzHermann Noack, Berlin (in den 1920er-Jahren von Georg Kolbe erhalten) / Privatsammlung, Berlin

Addendum/ErratumEiner von ca. 17 Güssen zu Lebzeiten des Künstlers. Wir danken Dr. Ursel Berger, Berlin, für freundliche Hinweise.

EUR 70.000 – 90.000
USD 76,900 – 98,900

„Adagio“

Auktion 313Donnerstag, den 28. November 2019, 18.00 Uhr

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  • Hervorragendes Beispiel für Kolbes subtile und ausdrucksstarke Gestik

  • Gegenbild zu seiner berühmtesten Plastik, der „Tänzerin“ von 1912

  • Früher Bronzeguss der Gießerei Noack aus den 1920er-Jahren mit seltener goldbrauner Patina


Musik und Tanz haben Georg Kolbe zeit seines Lebens besonders fasziniert. Seine Frau Benjamine, mit der er 25 Jahre verheiratet war, war ausgebildete Sängerin. Wie Auguste Rodin und Aristide Maillol vor ihm porträtierte Kolbe auch Vaslav Nijinsky, den Star der Ballets Russes. In den frühen Zwanzigerjahren schuf der Bildhauer etliche Figuren von Tanzenden, etwa die des „Tänzerinnen-Brunnens“, der seit 1979 im Garten des Georg Kolbe Museums in Berlin steht. Aus derselben Zeit stammt die Plastik mit dem Titel „Adagio“ – damit bezeichnet man in der klassischen Musik die Partie einer Komposition, die langsam und ruhig gespielt werden sollte. Kolbe hatte schon immer ein hervorragendes Talent darin, seine Skulpturen durch ausdrucksstarke, symbolhafte Körperhaltungen zum Sprechen zu bringen. Sein wohl berühmtestes Werk, die unbekleidete „Tänzerin“ von 1912 aus dem Besitz der Berliner Nationalgalerie, wirkt zwar etwas abwesend, hat dabei aber ihre Arme weit ausgestreckt, als wollte sie im nächsten Moment die ganze Welt umarmen. Mit „Adagio“ schuf Kolbe dazu etwa zehn Jahre später ein Gegenbild. In ein delikat ihren Körper umspielendes Tuch gehüllt, den Kopf seitlich geneigt, hält sich diese junge Frau die Hände vor die Brust. Alles an ihr strahlt Nachdenklichkeit, Rückzug und Konzentration auf ihr Inneres aus. Aufmerksamkeit verdient auch der Zustand der Plastik: Es handelt sich um einen frühen Bronzeguss aus den Zwanzigerjahren von der Bildgießerei Noack, dessen prächtige goldbraune Patina in einem überaus reizvollen Kontrast zur Insichgekehrtheit der Figur steht. UC

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