Bronze, patiniert, und Spielzeugauto auf originalem Stahlsockel.
149 × 53 × 40 cm
(58 ⅝ × 20 ⅞ × 15 ¾ in.).
Seitlich monogrammiert: T.S. Dort auch der Gießerstempel: Kayser Düsseldorf.
Unikat.
[3176]
Donald Young Gallery, Chicago / Privatsammlung, Nordrhein-Westfalen
Ob monumentale Außenskulpturen wie die „Großen Geister“ oder die „Frauen“ aus Bronze, für die der Künstler 2005 auf der 51. Biennale mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet wurde: Thomas Schüttes Werke zeichnen sich durch seine kontinuierliche Untersuchung der menschlichen Figur aus. Seine Kunst bewegt sich dabei vielseitig zwischen dem Malerischen, dem Architektonischen und dem Skulpturalen, wobei er stets die Grenzen verschiedener Materialien auslotet. Schütte verzichtet bewusst auf die Perfektion der Formen und Figuren – ein inzwischen charakteristischer Bestandteil seiner Arbeit –, wodurch die Bedeutung seiner inhaltlich tiefgründigen Werke zugleich im Ernsthaften wie im Lächerlichen liegen kann.
In diesem Kontext steht auch die achtteilige Werkreihe „Kriegerdenkmal“, die Schütte 2004 schuf. Die Serie irritiert besonders durch die skurrile Gegenüberstellung zweier in Bronze gegossener Krieger mit einem bunten Spielzeugauto. Mit dieser Gegenüberstellung bricht Schütte die Konventionen klassischer Denkmäler. Anstelle der zu erwartenden heroischen Inszenierung sind die Krieger liegend positioniert und zudem grob geformt, was an erschöpfte, verschlammte Soldaten erinnert. Der grün-bunt glänzende „Hippie Liner“ wirkt dagegen wie eine bewusst provokative Satire auf die Krieger, verstärkt durch die Blumen- und Friedensmotive auf dem Spielzeugauto. Durch die skurrile Inszenierung seiner charakteristisch unperfekt geformten Figuren und des Spielzeugautos hinterfragt Schütte die Sinnhaftigkeit von Denkmälern in unserer modernen Gesellschaft. Diese Kritik äußert er auch durch das bewusst gewählte, eher kleine Format der Skulptur. Es handelt sich nicht um eine klassisch auf hohem Podest inszenierte Heldensage, sondern um eine uneindeutige Botschaft des Künstlers, die nicht die Geschichte zweier Soldaten erzählt, sondern die Absurdität des Zerstörerischen wortwörtlich auf Augenhöhe des Betrachters bringt. Anstatt einer moralischen Lehre werden wir mit einer unvollendeten Szene alleingelassen, ganz im Sinne von Schüttes Arbeitsweise, bei der er gerade durch Unvollständigkeit und Imperfektion umso deutlichere Botschaften hinterlässt. (Stella Junghanss)
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