Deutsche Zeichenkunst aus zwei Jahrhunderten. 1760 bis 1960. Aquarelle, Zeichnungen und Druckgraphik aus der Sammlung W.B. Karlsruhe, Staatliche Kunsthalle, 1967, Kat.-Nr. 62
Käthe Kollwitz, die sich bereits Ende Oktober 1918, kurz vor Kriegsende, gegen einen Aufruf des Dichters Richard Dehmel zum letzten Kriegsaufgebot von Freiwilligen ausgesprochen hatte – („Es ist genug gestorben! Keiner darf mehr fallen! [...] Saatfrüchte sollen nicht vermahlen werden“) – bekräftigte ihre Meinung in einem Tagebucheintrag vom Dezember 1941, dem Monat, in dem unser Blatt entstand: „Ich beschließe noch einmal – zum 3. Mal – dasselbe Thema aufzunehmen und sagte zu Hans vor ein paar Tagen: Das ist nun einmal mein Testament. Saatfrüchte sollen nicht vermahlen werden. [...] Ich zeichnete also noch einmal dasselbe: Jungen, richtige Berliner Jungen, die wie junge Pferde gierig nach draußen wittern, werden von einer Frau zurückgehalten. Die Frau (eine alte Frau) hat die Jungen unter sich und ihren Mantel gebracht, gewaltsam und beherrschend spreitet sie ihre Arme und Hände über die Jungen. Saatfrüchte sollen nicht vermahlen werden – diese Forderung ist wie ,Nie wieder Krieg‘ kein sehnsüchtiger Wunsch sondern Gebot. Forderung“ (zit. nach: Alexandra von dem Knesebeck: Käthe Kollwitz. Werkverzeichnis der Graphik, Bd. 2. Bern, Kornfeld, 2002, S. 766)
Lithografie auf Papier. 37 × 39,2 cm (46,8 × 60,7 cm)
(14 ⅝ × 15 ⅜ in. (18 ⅜ × 23 ⅞ in.)). Signiert. Werkverzeichnis: von dem Knesebeck 274. Sehr selten. Einer von 12 bekannten Abzügen. [3102]
Provenienz
Walter Bauer, Fulda (seitdem in Familienbesitz)
Addendum/Erratum
Auflage: Einer von wohl 14 bekannten Abzügen. Wir danken Dr. Alexandra von dem Knesebeck, Bonn, für freundliche Hinweise.
Deutsche Zeichenkunst aus zwei Jahrhunderten. 1760 bis 1960. Aquarelle, Zeichnungen und Druckgraphik aus der Sammlung W.B. Karlsruhe, Staatliche Kunsthalle, 1967, Kat.-Nr. 62
Käthe Kollwitz, die sich bereits Ende Oktober 1918, kurz vor Kriegsende, gegen einen Aufruf des Dichters Richard Dehmel zum letzten Kriegsaufgebot von Freiwilligen ausgesprochen hatte – („Es ist genug gestorben! Keiner darf mehr fallen! [...] Saatfrüchte sollen nicht vermahlen werden“) – bekräftigte ihre Meinung in einem Tagebucheintrag vom Dezember 1941, dem Monat, in dem unser Blatt entstand: „Ich beschließe noch einmal – zum 3. Mal – dasselbe Thema aufzunehmen und sagte zu Hans vor ein paar Tagen: Das ist nun einmal mein Testament. Saatfrüchte sollen nicht vermahlen werden. [...] Ich zeichnete also noch einmal dasselbe: Jungen, richtige Berliner Jungen, die wie junge Pferde gierig nach draußen wittern, werden von einer Frau zurückgehalten. Die Frau (eine alte Frau) hat die Jungen unter sich und ihren Mantel gebracht, gewaltsam und beherrschend spreitet sie ihre Arme und Hände über die Jungen. Saatfrüchte sollen nicht vermahlen werden – diese Forderung ist wie ,Nie wieder Krieg‘ kein sehnsüchtiger Wunsch sondern Gebot. Forderung“ (zit. nach: Alexandra von dem Knesebeck: Käthe Kollwitz. Werkverzeichnis der Graphik, Bd. 2. Bern, Kornfeld, 2002, S. 766)