Deutsche Zeichenkunst aus zwei Jahrhunderten. 1760 bis 1960. Aquarelle, Zeichnungen und Druckgraphik aus der Sammlung W.B. Karlsruhe, Staatliche Kunsthalle, 1967, Kat.-Nr. 26, Abb. 3 / Anselm Feuerbach als Zeichner. Heidelberg, Kunstverein, 1969, Nr. 71, Abb. Tf. XV („Männlicher Akt mit leicht zurückgeworfenem Kopf und ausgestrecktem linken Arm. Rückseitig Gewandstudie zu einer weiblichen Rückenfigur“) / Um Anselm Feuerbachs „Gastmahl“. Berlin, Alte Nationalgalerie, 1992, Kat.-Nr. 88 („Männlicher Akt. Studie zu Alkibiades“)
Literatur und Abbildung
Henriette Feuerbach (Hg.): Ein Vermächtnis von Anselm Feuerbach. Wien, 1885 [2. Aufl.], Kat.-Nr. 258-272 / Julius Allgeyer: Anselm Feuerbach. Berlin, Stuttgart, Spemann, 1904, Bd.II [2. Aufl.], Nr. 495 / Auktion: Die Sammlung Baron Heyl, Darmstadt. München, Hugo Helbing, Oktober 1930, Kat.-Nr. 199, Abb. Tf. XXVII / Auktion 87: Karl & Faber, München, 1963, Kat.-Nr. 603, Abb. S. 119 / Marianne Arndt: Die Zeichnungen Anselm Feuerbachs. Studien zur Bildentwicklung. Dissertation, Bonn, Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn 1967/1968, S. 87, 319, Kat.-Nr. 143
Es ist wohl Feuerbachs berühmtestes Werk: „Das Gastmahl des Plato“ (Karlsruhe, Staatl. Kunsthalle, 1869 und Berlin, Alte Nationalgalerie, 1871-74). Der antike Tragödiendichter Agathon feiert mit Sokrates, Aristophanes, Eryxiamos, Phädros und Glaukon eine Auszeichnung bei üppigem Dinner und illustren Gesprächen in seinem vornehmen Haus, als der „wein- und lustberauschte Alkibiades“ (Henriette Feuerbach, 1889) samt bacchantischem Gefolge zum nächtlichen Fest der Gelehrten hinzutritt: „Der Neffe des Perikles – von dem die Geschichte Athens viel erzählt – ist schön, erfolgreich, seine Launen sind Ausdruck seiner Unabhängigkeit, er vermag seine Feinde lange in Atem zu halten. Hier nimmt er alles zugleich in Besitz: die Aufmerksamkeit der Philosophen durch die große Armbewegung, die Partnerin, indem er sich auf sie stützt“. Alkibiades „stürmt in die kontemplative Philosophenwelt wie ein Straßenwind“, so Claude Keisch, „er ist gegenwärtig, befremdend, lasterhaft, unwiderstehlich“ (Keisch, Ausst.-Kat. Feuerbachs Gastmahl, Alte Nationalgalerie Berlin 1992, S. 30). In dem unangepassten antiken Staatsmann und Feldherren habe Feuerbach eine „bedeutsame Identifikationsfigur“ gefunden, wie Keisch im Zusammenhang mit dem Vergleich eines zeitgleichen Selbstbildnisses des Künstlers hervorhebt (ebd.). Die männliche Aktstudie zum Alkibiades, schwarze Kreide und Deckweiss auf braunem Papier, entstand wohl schon im Zuge der ersten Fassung zum Gastmahl, worauf eine rückseitige Zeichnung deutet, die dem Kompositionsentwurf von 1865 nahesteht, so Marianne Küffner-Arndt. Sie räumt jedoch ein, dass Feuerbach bei seinen Studien unsystematisch vorging und er die beiden Seiten des Blattes „nicht um dieselbe Zeit“ benutzt haben könnte. Die „ausgestreckte linke Hand“ liege allerdings „ähnlich flach wie in der ersten Bildfassung. Vor allem ist die Kurve des Körpers längst nicht so stark ausgeprägt wie in den Gemälden: Das zeigt am besten die Neigung der Linie, die von der Hüfte zum Profil führt“ (vgl. Ausst.-Kat. Feuerbach Gastmahl 1992, Kat. Nr. 88). AA
Aktstudie zum Alkibiades („Das Gastmahl des Plato“). Wohl um 1866/67
Schwarze Kreide und Deckweiß auf braunem Papier (Wasserzeichen: FRERES DE CANSON). 58,1 × 44,7 cm
(22 ⅞ × 17 ⅝ in.). Rückseitig: Studie zur Tamburinschlägerin. Kreide. [3100]
Provenienz
Maximilian von Heyl, Darmstadt / Walter Bauer, Fulda (1963 bei Karl & Faber, München, erworben, seitdem in Familienbesitz)
Deutsche Zeichenkunst aus zwei Jahrhunderten. 1760 bis 1960. Aquarelle, Zeichnungen und Druckgraphik aus der Sammlung W.B. Karlsruhe, Staatliche Kunsthalle, 1967, Kat.-Nr. 26, Abb. 3 / Anselm Feuerbach als Zeichner. Heidelberg, Kunstverein, 1969, Nr. 71, Abb. Tf. XV („Männlicher Akt mit leicht zurückgeworfenem Kopf und ausgestrecktem linken Arm. Rückseitig Gewandstudie zu einer weiblichen Rückenfigur“) / Um Anselm Feuerbachs „Gastmahl“. Berlin, Alte Nationalgalerie, 1992, Kat.-Nr. 88 („Männlicher Akt. Studie zu Alkibiades“)
Literatur und Abbildung
Henriette Feuerbach (Hg.): Ein Vermächtnis von Anselm Feuerbach. Wien, 1885 [2. Aufl.], Kat.-Nr. 258-272 / Julius Allgeyer: Anselm Feuerbach. Berlin, Stuttgart, Spemann, 1904, Bd.II [2. Aufl.], Nr. 495 / Auktion: Die Sammlung Baron Heyl, Darmstadt. München, Hugo Helbing, Oktober 1930, Kat.-Nr. 199, Abb. Tf. XXVII / Auktion 87: Karl & Faber, München, 1963, Kat.-Nr. 603, Abb. S. 119 / Marianne Arndt: Die Zeichnungen Anselm Feuerbachs. Studien zur Bildentwicklung. Dissertation, Bonn, Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn 1967/1968, S. 87, 319, Kat.-Nr. 143
Es ist wohl Feuerbachs berühmtestes Werk: „Das Gastmahl des Plato“ (Karlsruhe, Staatl. Kunsthalle, 1869 und Berlin, Alte Nationalgalerie, 1871-74). Der antike Tragödiendichter Agathon feiert mit Sokrates, Aristophanes, Eryxiamos, Phädros und Glaukon eine Auszeichnung bei üppigem Dinner und illustren Gesprächen in seinem vornehmen Haus, als der „wein- und lustberauschte Alkibiades“ (Henriette Feuerbach, 1889) samt bacchantischem Gefolge zum nächtlichen Fest der Gelehrten hinzutritt: „Der Neffe des Perikles – von dem die Geschichte Athens viel erzählt – ist schön, erfolgreich, seine Launen sind Ausdruck seiner Unabhängigkeit, er vermag seine Feinde lange in Atem zu halten. Hier nimmt er alles zugleich in Besitz: die Aufmerksamkeit der Philosophen durch die große Armbewegung, die Partnerin, indem er sich auf sie stützt“. Alkibiades „stürmt in die kontemplative Philosophenwelt wie ein Straßenwind“, so Claude Keisch, „er ist gegenwärtig, befremdend, lasterhaft, unwiderstehlich“ (Keisch, Ausst.-Kat. Feuerbachs Gastmahl, Alte Nationalgalerie Berlin 1992, S. 30). In dem unangepassten antiken Staatsmann und Feldherren habe Feuerbach eine „bedeutsame Identifikationsfigur“ gefunden, wie Keisch im Zusammenhang mit dem Vergleich eines zeitgleichen Selbstbildnisses des Künstlers hervorhebt (ebd.). Die männliche Aktstudie zum Alkibiades, schwarze Kreide und Deckweiss auf braunem Papier, entstand wohl schon im Zuge der ersten Fassung zum Gastmahl, worauf eine rückseitige Zeichnung deutet, die dem Kompositionsentwurf von 1865 nahesteht, so Marianne Küffner-Arndt. Sie räumt jedoch ein, dass Feuerbach bei seinen Studien unsystematisch vorging und er die beiden Seiten des Blattes „nicht um dieselbe Zeit“ benutzt haben könnte. Die „ausgestreckte linke Hand“ liege allerdings „ähnlich flach wie in der ersten Bildfassung. Vor allem ist die Kurve des Körpers längst nicht so stark ausgeprägt wie in den Gemälden: Das zeigt am besten die Neigung der Linie, die von der Hüfte zum Profil führt“ (vgl. Ausst.-Kat. Feuerbach Gastmahl 1992, Kat. Nr. 88). AA