„Gern geübte Gelegenheitsarbeiten im besten Sinne: Darstellungen seiner Familienangehörigen, seiner Freunde und Bekannten“, so beschreibt die Werkverzeichnisautorin Irmgard Wirth die seltenen Porträtbildnisse des bedeutenden Architekturmalers Eduard Gaertner. Der pedantische Realist erlaubte sich niemals Halbheiten oder Oberflächlichkeiten in seiner Kunst. Er strebte stets die exakte und ungeschönte Wiedergabe alles Sichtbaren an. Diese Form von sachlicher Darstellung bis ins letzte Detail fing das wahre Wesen der Porträtierten meist sehr gut ein und gab (manchmal mit einem Augenzwinkern) auch etwas von dessen Charakter preis.
Für Porträts bevorzugte Gaertner im allgemeinen kleine Formate. Das entsprach auch dem Zeitgeist des selbstbewussten Bürgertums, das sich gern porträtieren ließ. 1844 sah sich der Künstler einer jungen Frau gegenüber, deren Bildnis er als Halbfigur festhielt. Die weichen Korkenzieherlocken, Perlenohrringe und das arsengrüne Kleid mit dem schulterfreien Ausschnitt entsprachen der neuesten Mode. Dennoch ist es ihr Blick, der den Betrachter nahezu en face einfängt. Die blauen Augen sind wach und aufmerksam, der Mund von einem zurückhaltenden Lächeln umspielt. Ein Spiegelbild von Ruhe und Klarheit. Wäre uns Gaertners Malweise unbekannt, würden wir das idealisierte Bildnis einer Biedermeierdame vermuten. So aber sehen wir uns wahrer Schönheit gegenüber. LJM
„Gern geübte Gelegenheitsarbeiten im besten Sinne: Darstellungen seiner Familienangehörigen, seiner Freunde und Bekannten“, so beschreibt die Werkverzeichnisautorin Irmgard Wirth die seltenen Porträtbildnisse des bedeutenden Architekturmalers Eduard Gaertner. Der pedantische Realist erlaubte sich niemals Halbheiten oder Oberflächlichkeiten in seiner Kunst. Er strebte stets die exakte und ungeschönte Wiedergabe alles Sichtbaren an. Diese Form von sachlicher Darstellung bis ins letzte Detail fing das wahre Wesen der Porträtierten meist sehr gut ein und gab (manchmal mit einem Augenzwinkern) auch etwas von dessen Charakter preis.
Für Porträts bevorzugte Gaertner im allgemeinen kleine Formate. Das entsprach auch dem Zeitgeist des selbstbewussten Bürgertums, das sich gern porträtieren ließ. 1844 sah sich der Künstler einer jungen Frau gegenüber, deren Bildnis er als Halbfigur festhielt. Die weichen Korkenzieherlocken, Perlenohrringe und das arsengrüne Kleid mit dem schulterfreien Ausschnitt entsprachen der neuesten Mode. Dennoch ist es ihr Blick, der den Betrachter nahezu en face einfängt. Die blauen Augen sind wach und aufmerksam, der Mund von einem zurückhaltenden Lächeln umspielt. Ein Spiegelbild von Ruhe und Klarheit. Wäre uns Gaertners Malweise unbekannt, würden wir das idealisierte Bildnis einer Biedermeierdame vermuten. So aber sehen wir uns wahrer Schönheit gegenüber. LJM