Emil Nolde gilt als einer der führenden Maler und Grafiker des Expressionismus. Landschaften, Blumenbilder und religiöse Szenen in kraftvollen Farben und ausdrucksstarken Formen kennzeichnen sein Werk. Neben der Malerei nutzte Nolde auch häufig das Medium der Druckgrafik. Intensiv und umfassend erforschte er die malerischen Möglichkeiten der Radierung und den Kontrastreichtum der Aquatinta-Technik, er konnte so jedem Abzug eine individuelle Ausprägung verleihen. Von den Brücke-Künstlern übernahm Nolde die Formgebung des Holzschnitts, mit der er den gewünschten Ausdruck des Ursprünglichen und Archaischen erzielte. Im Jahre 1926 beendete er sein druckgrafisches Œuvre unter Verwendung der Lithografie und wandte sich wieder der Malerei in Öl und Aquarell zu, die er über die folgenden Jahrzehnte hinweg verfolgte.
Die Aquarellmalerei nimmt einen zentralen Platz in Emil Noldes Schaffen ein. Seine lebendige Pinselführung führt hier zu Ergebnissen von großer Transparenz und Leichtigkeit und offenbart in besonderer Weise die tiefe emotionale Verbindung des Malers zur Natur. Unerschöpfliche Quelle für seine künstlerische Fantasie war der eigene Garten, wobei es ihm weniger um botanische Genauigkeit ging als vielmehr um die Empfindungen, die die Blumen und ihre vergängliche Schönheit in ihm hervorriefen. Zahlreiche, oft kleinformatige Blumenaquarelle, von Nolde als „Ungemalte Bilder“ bezeichnet, entstanden während der Zeit des Nationalsozialismus.
Die Naturerfahrung des Meeres prägte Emil Nolde von seiner Kindheit an und wurde auf Lebzeiten ein wichtiges Thema für den Künstler. Der größte Teil seiner außerordentlich vielgestaltigen Meeresbilder zeigt die See alles andere als idyllisch, sondern als elementare Naturgewalt und Urkraft. Das gilt auch für das wechselvolle Himmelsgeschehen in Noldes Bildern. Meer und Himmel, Wellen und Wolken, waren für ihn gleichermaßen Ausdruck der unendlichen Fülle der Natur.