Anfang 1986 fanden sich in Berlin fünf Kunsthändler zusammen, die ein Auktionshaus neuen Stils gründeten. Berlin schien den Gründern der richtige Platz zu sein, um der deutschen Kunst eine internationale Bühne zu schaffen. Zwischen den Auktionen sollte das Haus zu einem Museum auf Zeit werden: ein Ort überraschender Entdeckungen.
Die Gründung im Jahr 1986 in der Fasanenstraße 25 in Berlin Charlottenburg war ein Wagnis. Berlin war seit August 1961 durch den Mauerbau in zwei Hälften geteilt. Das wirtschaftlich starke Bürgertum im Westteil der Stadt blieb über lange Jahre eine kleine Schar; mit Kunst wurde vornehmlich in Köln, München und auf internationalem Parkett gehandelt. Aber es gab die Vision eines international beachteten Auktionshauses mit hohen Ansprüchen – gerade wegen der Vergangenheit Berlins als großes Kunsthandelszentrum der Welt bis 1933. Diese Vision umzusetzen bedeutete: Kompetenz, Konzentration und Wagemut mit Leidenschaft zu verbinden. Als Aktionsfeld wurde Kunst vom Anfang des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart bestimmt und dafür mit großen Anstrengungen ein Team von höchster Fachkunde gewonnen.
Einen eigenen Weg beschritt Grisebach bei den Versteigerungsbedingungen. Die Garantien des Hauses gingen über die damals übliche Haftung des allgemeinen Kunsthandels weit hinaus. Grisebach verbürgt sich für Urheberschaft, Technik und Signatur der versteigerten Kunstobjekte, soweit es nach dem gegenwärtigen Stand der Wissenschaft möglich ist. Das Handelsblatt vom 26.8.86 sprach von einem „revolutionären“ Ansatz und begrüßte die Grundsätze des Neulings als „transparent, kulant und marktrealistisch“.