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Nach Stationen in London und auf Sylt fand Katharina Herold für sich und ihre Kunst ein neues Zuhause in einem historischen Townhouse auf Mallorca. Im Interview erzählt sie, wie der kleine Ort Felanitx zum Mittelpunkt ihres Universums wurde.

Für einen Umzug nach Mallorca gibt es viele gute Gründe. Was war Ihrer?

Ich kannte Mallorca kaum, als ich 2021 mit einer Freundin hierherkam. Für eine Magazinreportage sind wir quer über die Insel gefahren und haben Kreative in ihren Studios besucht. Und dann bin ich einfach hiergeblieben. Ich habe schon lange davon geträumt, eine Appointment-only-Galerie mit Artist-in-Residence-Programm zu eröffnen. Felanitx hat sich nach dem perfekten Ort dafür angefühlt.

Was macht Felanitx in Ihren Augen so besonders?

Im 19. und 20. Jahrhundert war das ganze Dorf an der Weinindustrie beteiligt, die hier ziemlich groß war – bis ein Parasit die Weinreben für immer zerstörte. Die Menschen sind dann umgezogen und hinterließen viele leer stehende Häuser, die im Vergleich zu anderen Orten ein bisschen imposanter waren, aber auch relativ runtergekommen. Der Ort wirkte auf mich noch immer ein wenig verlassen. Genau das gefiel mir. Ich glaube, Felanitx war schon immer ein Anziehungspunkt für andere Kreative. Hier leben auch Filmemacher aus Schweden, Galeristen und eine italienische Modedesignerin.

Im Wohnzimmer reihen sich unterschiedliche Böden aneinander. Die kegelförmigen Skulpturen „Sólidos de Revolución I & II“ (2024) stammen von Vicente Hirmas.

Sie haben zuletzt den Standort Ihrer Familien-Galerie Herold auf Sylt geleitet. Worin unterscheidet sich dieser Ort hier von einer klassischen Galerie?

Darin, dass ich hier auch lebe. Ich empfinde es als großes Geschenk, mit Kunst aufgewachsen zu sein. Ich wollte daher einen Ort schaffen, der sich offen und warm anfühlt und an dem man über Kunst sprechen kann. Ich lade Menschen zu mir ein, mache Ausstellungen, und hin und wieder wohnen Künstlerinnen oder Künstler für einige Zeit hier. Mein Traum ist, dass sich das Haus stets weiterentwickelt und Menschen etwas hinterlassen, das man nicht kaufen kann. Die spanische Künstlerin Vera Edwards malte etwa Sobrasadas, mallorquinische Würste, auf die freiliegenden Holzbalken, sodass sie wirken, als hingen sie von der Decke.

Was ist das für ein Haus?

Dieses Dorfhaus wurde über die Jahrzehnte mehrfach umgebaut. Ein Teil stammt aus dem 18., ein anderer aus dem 19. Jahrhundert. Es gibt einen großen Raum, in dem sich drei verschiedene Fußböden befinden. Der Zustand war in Ordnung, als ich es gekauft habe, ich musste allerdings eine Küche einbauen und die Elektrik erneuern. Außerdem wird hier die Figur des Sant Antoni aufbewahrt. Die Kirche, die ich von meinem Fenster aus sehen kann, leiht sich die Skulptur jedes Jahr im Januar aus, wenn hier im Ort das Fest zu Ehren von Sant Antoni gefeiert wird. Die Dame, die das Haus verkauft hat, sagte mir: „Hauptsache, Sant Antoni bleibt im Haus!" Erst einige Zeit später habe ich realisiert, was sie damit meinte.

Wie gehen Sie beim Sammeln vor?

Ich sammle bewusst epochenübergreifend. Zeitgenössische Kunst fasziniert mich ebenso wie Altmeistergemälde. Wenn zwei Werke verschiedener Epochen nebeneinander hängen, scheint es, als würden sie miteinander kommunizieren. Wenn ich mich hier umsehe, entdecke ich sowohl zeitgenössische Skulpturen als auch Objekte aus der Antike und vieles mehr. Ich liebe das. So gehe ich auch vor, wenn ich zeitgenössische Sammlungen berate. Ich integriere gern das eine oder andere Stück aus der Antike.

Woher kommt Ihre Vorliebe für haptische Objekte?

Als ich noch in der Schule war, habe ich bei meinem Vater in der Galerie ausgeholfen. Nach einer Episode an der Schauspielschule bin ich nach London gegangen, habe Kunstgeschichte studiert und Praktika bei verschiedenen Auktionshäusern gemacht. In diesem Zusammenhang durfte ich auch bei einem Restaurator hospitieren. Einmal habe ich ein Gemälde gereinigt und die Signatur von Pieter Bruegel entdeckt. Das hat mich wahnsinnig fasziniert. Berührungsängste mit der Kunst hatte ich allerdings nie. In der Galerie meines Vaters trugen wir häufig Kunstwerke von A nach B, und die Begeisterung für das Taktile war stets allgegenwärtig.

Was sammeln Sie noch?

Textilien zum Beispiel! Ich besitze auch viele antike Kostüme. Ebenso wie Bücher, deren Gestaltung mich anspricht, auch wenn sie in Sprachen sind, die ich nicht verstehe. Keramik, aber auch Steine und Muscheln. Das Sammeln steckt tief in mir. Häufig besuchen mich hier Menschen, betrachten etwas in meinem Haus und fragen: „Ist das zu verkaufen?" Meistens verneine ich. Manchmal brauche ich auch eine Weile, bis ich Dinge loslassen kann, freue mich dann aber umso mehr, wenn etwas, das mir gut gefallen hat, an einem anderen schönen Ort ist und sich jemand anderes daran erfreut.

Gibt es auch Dinge, von denen Sie sich niemals trennen würden?

Ja, die gibt es. Mein Vater hat mir damals diesen handgemalten Steingut-Teller von Heinrich Steinhagen aus dem Jahr 1905 geschenkt. Darauf ist ein Frauenporträt zu sehen, das ich als Icon meiner Firma Heroldian Art verwende.

Den Baldachin im Schlafzimmer nahm Herold aus ihrem Elternhaus mit. Darauf hängen ein Keramikteller von Hermann Grüneberg und eine Altmeisterzeichnung.

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