Bescheidenheit zählt nicht zu den architektonischen Tugenden des Palazzo Pisani Moretta. Der gotische Patrizierpalast am Canal Grande wurde im 18. Jahrhundert mit der ganzen Entschlossenheit des Rokoko ausstaffiert: prunkvolle Kronleuchter (noch heute mit echten Kerzen), intarsierte Marmorböden, theatralische Deckenfresken von Jacopo Guarana und Giovanni Battista Tiepolo – genau das, was Dries Van Noten und sein Partner eigentlich nicht gesucht hatten, als sie nach einem Ort für ihre Stiftung suchten. Doch manche Gebäude lassen einem keine Wahl. „Es wäre ein Frevel gewesen, ihn nicht zu kaufen", sagt Van Noten.
Bei aller Pracht besäßen die Räume etwas erstaunlich Zartes, beinahe Menschliches. Anders als viele venezianische Paläste sei der Palazzo nicht über Jahrhunderte hinweg von einer Epoche nach der anderen überschrieben worden. Seine entscheidende Verwandlung lasse sich vielmehr ziemlich genau auf die 1730er-Jahre datieren. So sei ein Tempel des Savoir-faire entstanden, der trotz allem ausgewogen, beinahe leicht wirke – und den Exponaten tatsächlich Raum lasse. Meistens jedenfalls. Denn bisweilen hat der Palazzo durchaus seine eigenen Vorstellungen davon, wer hier wen zur Geltung bringt.