Mit einem Weltrekord für Georg Kolbe, einem zweiten Millionen-Los für Emil Nolde und Zuschlägen bis zum Zwanzigfachen der Schätzung haben die Grisebach Sommerauktionen 2026 ein Ergebnis von 19 Millionen Euro erzielt — und damit die eigene Erwartung weit übertroffen. Mehrere Arbeiten gingen an internationale Museen und institutionelle Sammlungen.
Unbestrittener Höhepunkt des Abends war Georg Kolbes monumentaler „Tänzerinnen-Brunnen“ (1922). Das Werk, das nach einer gütlichen Einigung zwischen der Georg-Kolbe-Stiftung und den Erben nach Heinrich und Jenny Stahl auf den Markt gelangte, erzielte nach einem intensiven Wettbewerb zwischen zahlreichen sehr engagierten Bietern im Saal und an den Telefonen 4.980.000 Euro. Damit wurde die untere Schätzung von 1 Million Euro verfünffacht und ein neuer Weltrekord für Georg Kolbe aufgestellt. Der Brunnen wechselte unter anhaltendem Applaus im Saal in eine Privatsammlung in den USA.
Der „Tänzerinnen-Brunnen“ zählt zu den bedeutendsten Werken des Bildhauers. Die lebensgroße Figur entstand 1922 im Auftrag des Berliner Unternehmers Heinrich Stahl für dessen Villa in Berlin-Dahlem. Zugleich ist das Werk eng mit dem Schicksal der jüdischen Familie Stahl verbunden, die während der NS-Zeit verfolgt und enteignet wurde. Nach der kürzlich erzielten Restitution an die Erben durfte Grisebach das Werk im Auftrag der Nachkommen anbieten. Mitglieder der Familie waren extra aus den Vereinigten Staaten angereist, um diesem historischen Ereignis beizuwohnen.
Mit einem Ergebnis von 1.032.000 Euro überschritt Emil Noldes Gemälde „Astern“ (1919) die Millionengrenze und wurde zum zweiten Millionen-Los des Abends. Das Ölbild fand seinen Weg in eine norddeutsche Privatsammlung.
Großes Interesse weckte Eugen Schönebecks imposante „Figur mit Vogel I“ (1963/64), eines der Schlüsselwerke seines nur 52 Gemälde umfassenden Œuvres. Die letzte Versteigerung eines vergleichbaren Werkes liegt bereits 15 Jahre zurück. Nach einem intensiven Wettstreit zwischen vier Telefonen und einem Saalbieter erzielte das Gemälde 645.000 Euro und damit mehr als das Dreifache der Schätzung — ein Weltrekord für Eugen Schönebeck. Das Werk ging an ein Museum in den USA.
Für einen weiteren Höhepunkt des Abends sorgte Paula Modersohn-Beckers „Selbstbildnis mit Landschaft vor Bäumen“ (1903), das zugleich einen neuen Weltrekord für eine Zeichnung der Künstlerin markierte. Mit einer Schätzung von 25.000 bis 35.000 Euro gestartet, erzielte sie nach minutenlangem Bietgefecht 503.100 Euro — das Zwanzigfache der oberen Schätzung. Das Publikum des bis auf den letzten Platz besetzten Saals quittierte den Zuschlag mit Applaus. Die Zeichnung wechselte in eine süddeutsche Privatsammlung.
Die internationale Zeitgenössische Kunst überzeugte mit starken Ergebnissen. Antony Gormleys monumentale Eisenskulptur „Bearing II“ (1995), ein eindrucksvolles Beispiel seiner Auseinandersetzung mit dem menschlichen Körper, erzielte 541.800 Euro. Das Werk wurde von einer europäischen Privatsammlung erworben und übertraf seine Schätzung deutlich.
Auch Edvard Munchs ikonische Lithografie „Madonna“ (1895) war heftig umworben. Sie erzielte nach Geboten von drei Telefonbietern mit 451.500 Euro mehr als das Doppelte der oberen Schätzung und wechselte an einen privaten Käufer aus Norddeutschland.
Nicht minder großes Interesse fand auch Otto Dix’ Gemälde „Straße der Bordelle“ (1914), das als die „früheste Hommage an das Milieu der Prostitution“ beschrieben wird. Das bedeutende Frühwerk landete schließlich bei 309.600 Euro und wurde von einer Berliner Privatsammlung erworben.
Ein weiterer Weltrekord gelang mit Katharina Fritschs lebensgroßer Skulptur „Doktor“ (1997/99), die zu einer zentralen Werkgruppe ihres Œuvres gehört und zugleich eine der bedeutendsten Arbeiten der Künstlerin ist, die jemals auf dem Auktionsmarkt angeboten worden ist. Das Werk wurde für 258.000 Euro zugeschlagen und ging in eine bedeutende europäische Privatsammlung.
Ewald Matarés seltene und wunderbar ausdrucksstarke Bronze „Stehende Kuh ‚Windkuh‘“ (1923) schließlich vervielfachte ihre Schätzung von 60.000-80.000 Euro und wurde nach Geboten am Telefon und im Saal für 245.100 Euro an eine deutsche Privatsammlung verkauft.
Die Auktion Zeitgenössische Kunst am Folgetag bestätigte mit einer Verkaufsquote von 80 Prozent, dass Grisebach nicht nur bei Klassikern der Moderne punktet. Besonderes Interesse weckten Arbeiten von Gotthard Graubner, Dóra Maurer und Marwan. Alle sechs angebotenen Werke von Gerhard Richter wechselten den Besitzer.
Daniel von Schacky, Geschäftsführer von Grisebach, resümiert:
„Der Weltrekord für Georg Kolbes „Tänzerinnen-Brunnen“ zählt zweifellos zu den herausragenden Momenten in der vierzigjährigen Geschichte von Grisebach. Wir haben einen Abend erlebt, der von außergewöhnlicher Dynamik, intensiven Bietgefechten und internationaler Beteiligung geprägt war. Ein Ergebnis, das unsere Erwartungen weit übertroffen hat. Die starke Präsenz institutioneller Käufer aus Europa und den USA unterstreichen die Strahlkraft von Grisebach und die anhaltende Attraktivität bedeutender Werke der Klassischen Moderne und der zeitgenössischen Kunst.“
Mit einem Gesamtumsatz von 18,97 Millionen Euro — rund 65 Prozent über der unteren Gesamtschätzung — schließt Grisebach die Sommerauktionen 2026 mit einem starken Ergebnis ab. Für die Winterauktionen im November nimmt das Haus ab sofort Einlieferungen entgegen.