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Ein Monument der Moderne: Georg Kolbes restituierter „Tänzerinnen-Brunnen“ als Highlight der Sommerauktionen

12.04.2026,

Mit dem „Tänzerinnen-Brunnen“ von Georg Kolbe gelangt eines der eindrucksvollsten und zugleich bewegendsten Werke der klassischen Moderne auf den internationalen Auktionsmarkt. Es ver-eint künstlerische Meisterschaft, ikonische Formensprache und eine tiefbewegende Geschichte. Die monumentale Brunnenanlage aus Bronze und Travertin wird dank einer gütlichen Einigung zwischen der Georg-Kolbe-Stiftung und den Erben nach Heinrich und Jenny Stahl im Rahmen der Grisebach-Abendauktion am 4. Juni mit einem Schätzpreis von 1.000.000 bis 1.500.000 EUR aufgerufen. Bereits im vergangenen Jahr erzielte Grisebach mit einem Kolbe-Werk einen Weltrekordpreis von 1.416.000 EUR – den höchsten je für eine Skulptur des Bildhauers gezahlten Preis. Der „Tänzerinnen-Brunnen” hat das Potenzial, diesen Rekord noch zu übertreffen.

Die Figur der „Brunnentänzerin“ gehört zu den künstlerisch herausragenden Bronzen des Bildhauers. Nach einer ersten kleineren Fassung entwickelte Kolbe 1922 eine lebensgroße Version der etwa 1,72 m hohen Figur als Brunnenplastik für Heinrich Stahl, Direktor der Victoria-Versicherung in Berlin. Die Tänzerin erhebt sich auf einem Steinsockel über einer stilisierten Lotusblüte aus Travertin. Diese wird von drei kauernden Trägerfiguren gestützt. In dieser vielschichtigen Komposition verbindet Kolbe klassische Motivik mit Einflüssen außereuropäischer Formensprachen. Gesten, Geschlechterverhältnisse, der Bezug zum Körper ebenso wie zu anderen Kulturkreisen bestimmen das weitgefächerte Interesse Kolbes am Tanz und an der Bewegung des Köpers, die sich in der leichten, nahezu schwebenden Wirkung der Figur modelliert und die Materialität der Bronze fast vergessen lässt.

Entstanden im Auftrag Heinrich Stahls, war der Brunnen für den Garten von dessen Villa in Berlin-Dahlem konzipiert. Während des Nationalsozialismus wurde die Familie Stahl aufgrund ihrer jüdischen Herkunft verfolgt und musste neben ihrem Besitz auch ihr Haus mitsamt Brunnen verkaufen. Heinrich Stahl, seit 1933 Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, überlebte das Konzentrationslager Theresienstadt nicht, wohin er und seine Ehefrau Jenny 1942 deportiert wurden. Jenny Stahl konnte einige Jahre nach ihrer Befreiung zu ihrem Sohn Bruno in die USA auswandern. Stahls Villa samt Brunnen hatte 1941 Theodor Dimanow übernommen, der von 1942 bis 1944 als bulgarischer Gesandtschaftsrat in Berlin tätig war. Von dessen Erben wurde die Tänzerin 1978 für das Georg Kolbe Museum angekauft. 

In diesem Frühjahr wurde eine gütliche Einigung zwischen der Georg-Kolbe-Stiftung und den Erben nach Heinrich und Jenny Stahl über dessen Rückgabe erzielt. Für Grisebach ist es ein Privileg, dieses außergewöhnliche Werk in den Sommerauktionen nun im Auftrag der Erben anbieten zu dürfen. 

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