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Internationale Vielfalt und herausragende Provenienzen: Grisebachs Winterauktionen 2026

21.10.2026, Berlin

Grisebach freut sich, bei den kommenden Winterauktionen ein Angebot präsentieren zu können, dass so vielfältig und international ist wie nie zuvor. Am 26. und 27. November werden in Berlin insgesamt 275 Arbeiten aufgerufen, wovon, zum ersten Mal in der Geschichte von Grisebach, mehr als die Hälfte nach 1945 entstand. Offeriert werden Werke von Per Kirkeby, Wojciech Fangor und Bernar Venet, von Frantisek Kupka und Maurizio Cattelan, von Jesús Rafael Soto, Andy Warhol, Yves Klein und Lucio Fontana.

Einer der Höhepunkte der diesjährigen Herbstauktionen ist Yves Kleins „Untitled Shroud Anthropometry, (ANT SU 30)“ aus dem Jahr 1960 (Pressemitteilung vom 6.10.2026). Die Arbeit des französischen Künstlers wird in den „Ausgewählten Werken“ am 26. November aufgerufen. Das exzeptionelle Werk, dessen französischer Titel „Anthropométries Suaires“ lautet, wird auf 2 bis 3 Millionen Euro geschätzt. Das Bild gehört zu den sehr seltenen, noch in privatem Besitz befindlichen Werken dieser hochprominenten Serie von Yves Klein.

Bemerkenswert ist auch die Provenienz: Klein schenkte die Anthropometrie dem Schweizer Filmemacher Yvan Butler, der 1961 seine Ausstellung „Monochrome und Feuer“ im Museum Haus Lange in Krefeld dokumentierte. Damit ist die Geschichte des Werkes auch eng verbunden mit der rheinischen Kunstszene dieser Jahre – und mit dem Umfeld der jungen ZERO-Bewegung. 1985 wurde die museale Arbeit in der namhaften Gallery 44 in Kaarst bei Düsseldorf von einer nordrhein-westfälischen Privatsammlung erworben, in der sie sich seither befand.

1960, im Entstehungsjahr des Werkes, führte Klein seine Anthropometrien erstmals öffentlich vor. Dabei war Klein nicht an der Darstellung der Körper interessiert, ihm ging es um deren unmittelbare physische Präsenz im Prozess der Bildentstehung. Die vorliegende Arbeit gehört zu einer kleinen Gruppe von etwa 30 Werken, die – anders als die bekannten performativen Anthropometrien – von Klein als statische Kontaktbilder konzipiert waren.

Die Sammlung Wulf Herzogenrath bei Grisebach

Ein weiteres Highlight der Herbstauktionen bei Grisebach ist die Versteigerung von Werken aus der Sammlung Herzogenrath (Pressemitteilung vom 1.10.2026). Wulf Herzogenrath, langjähriger Leiter des Kölnischen Kunstvereins, Mitglied des Kuratorenteams der Documenta 6 und der Documenta 8, wurde 1989 zum Hauptkustos der Berliner Nationalgalerie berufen. 1994 ging Herzogenrath als Direktor an die Bremer Kunsthalle.

Die Sammlung aus dem Nachlass des im Juni 2026 verstorbenen Kunsthistorikers umfasst als kuratierte Auswahl 107 Gemälde, Aquarelle, Grafiken, Skulpturen und Installationen von Künstlerinnen und Künstlern wie Gerhard Richter und Sigmar Polke, John Cage und Nam June Paik (mit dem Herzogenrath eng befreundet war), Paula Modersohn-Becker, Arthur Segal, László Péri und Marcel Duchamp. Die mittlere Gesamtschätzung dieses persönlichen „Puzzles“ eines der besten Kunstkenner der Kunst des 20. Jahrhunderts liegt bei rund 1,7 Millionen Euro.

Die Arbeiten kommen sowohl am 26. November in der Auktion „Ausgewählte Werke“ als auch am 27. November in den Auktionen „Moderne Kunst“ und „Zeitgenössische Kunst“ zum Aufruf. Ergänzend findet vom 20. November bis 13. Dezember ein eigener, der Sammlung Herzogenrath gewidmeter Online-Sale statt. Begleitend erscheint ein Katalog mit Texten und zusätzlichem Bildmaterial, der Wulf Herzogenraths Sammlung und ihren komplexen Verbindungen und Querverweisen gewidmet ist.

Eine Übersicht weiterer Highlights der Winterauktionen

In seiner Qualität herausragend ist Marianne von Werefkins Gemälde „Der Schnitter“. Entstanden um 1910 gehört das Bild zu jenen Arbeiten, mit denen Werefkin zum vollwertigen Mitglied der Künstlergemeinschaft des „Blauen Reiter“ wurde. Zusammen mit Gabriele Münter, Wassily Kandinsky und Alexej von Jawlensky hatte die Malerin seit 1908 die Sommermonate in Murnau im Voralpenland verbracht – alle vier vollzogen dort entscheidende künstlerische Entwicklungen. In der Reduzierung der Formen auf das Nötigste und durch seinen markanten Farbdreiklang von Blau, Gelb und Grün ist Marianne von Werefkins „Der Schnitter“ ein Hauptwerk des Expressionismus an der Schwelle zur Abstraktion (EUR 400.000/600.000).

Seit den frühen Sechzigerjahren schuf Andy Warhol serielle Porträts, aber diese sticht aus einem bestimmten Grund heraus: Die Bildnisse, die er von Wladimir Iljitsch Lenin anfertigte, waren die letzten, die vor seinem Tod am 22. Februar 1987 entstanden. Das Bild, das nach fast vierzig Jahren in Familienbesitz nun bei Grisebach versteigert wird, zählt zu den seltenen Exemplaren in intensivem monochromem Rot. Die Vorlage dafür entnahm Warhol einem historischen Foto, das Lenin, damals noch unter seinem Geburtsnamen Wladimir Iljitsch Uljanow, um 1897 inmitten einer Gruppe junger Revolutionäre des „Petersburger Kampfbundes zur Befreiung der Arbeiterklasse“ zeigt - Lenin hatte zu dessen Gründern gehört (EUR 350.000/450.000).

Sein erstes „Concetto spaziale“ schuf Lucio Fontana im Jahr 1949. Er eröffnete damit ein neues, bis dato gänzlich unbekanntes Kapitel der Kunstgeschichte. Das farbintensive „Concetto spaziale“ von 1966/67, das Grisebach am 26. November versteigern wird, zählt zur Werkgruppe der „Olii“. Die Form des Eingriffs in die Leinwand, die man darauf sehen kann, ist sehr selten. Viel häufiger sind feine, lange Einschnitte, einzeln oder in Gruppen nebeneinander. Hier aber hat der Künstler das Zentrum des Bildes so lange bearbeitet, bis sich eine größere Öffnung bildete – sie wirkt wie ein Krater auf der Mondoberfläche. Katharina Hegewisch beschrieb es treffend, als sie über Fontana schrieb: „Seine Kunst ist konzeptuell, kontrolliert und wissenschaftsorientiert. Aber sie ist auch wild, sinnlich und barock.“ (EUR 300.000/400.000)

Tierdarstellungen nahmen im Schaffen Ewald Matarés breiten Raum ein, doch selten ist Mataré ein so entzückendes Werk gelungen wie die Holzskulptur eines stehenden Pferdes. 1930 gefertigt aus Amaranth-Holz und angeregt durch Reisen nach Finnland (zu denen der Künstler ab 1927 regelmäßig aufbrach), zeigt sich an der Figur eine leichte, elegante Bewegung. Die Spannung in dem skulpturalen Gebilde verläuft vom kompakten Schweif und den versetzt nebeneinanderstehenden Hinterbeinen über den schmalen Rumpf bis zum lang gestreckten, nach vorne sich verjüngenden Hals, auf dem ein neugierig zur Seite gewendeter Kopf sitzt. Die Provenienz der Skulptur schließt mit den Sammlungen Henkel und Schulz-Dornburg einige der prominentesten deutschen Kollektionen ein (EUR 200.000/300.000).

Außergewöhnlich qualitätvoll ist auch Bernar Venets Plastik „222.5° ARC x 4“. In den Sechzigerjahren hielt sich der französische Bildhauer in New York auf. Dort lernte Vertreter der Minimal Art und Konzeptkunst kennen wie Donald Judd, Carl Andre, Sol LeWitt und Dan Flavin. Ihre Ideen beeinflussten sein Schaffen, allerdings modifizierte er deren Prinzipien in seinem Sinn. Anders als bei den Amerikanern spielten für Venet auch Zufall, Variabilität und das Moment des Unbestimmten entscheidende Rollen. „222.5° ARC x 4“ veranschaulicht auf eindrucksvolle Weise Venets Auseinandersetzung mit mathematischen Systemen, geometrischen Formen und materiellen Bedingungen der Plastik, die er in eine eigenständige künstlerische Sprache überführt: Vier Bögen aus gerolltem Stahl, die jeweils einen Winkel von exakt 222.5 Grad beschreiben, bilden eine elegante, monumentale Konstruktion (EUR 250.000/350.000).

Eine spektakuläre Wiederentdeckung stellt das proto-symbolistische Gemälde „Eine Meerjungfrau“ von Elisabeth Jerichau-Baumann (1819-1881) dar. Als Tochter eines deutschen Unternehmers und einer polnischen Mutter in Warschau geborgen, ging Elisabeth Baumann als junge Frau nach Düsseldorf, um an der dortigen Kunstakademie Malerei zu studieren. In den Vierzigerjahren freundete sie sich während eines dreijährigen Aufenthalts in Rom mit dem Schriftsteller und Dichter Hans Christian Andersen an, heiratete den dänischen Bildhauer Jens Adolf Jerichau und lebte fortan in Kopenhagen. Schon früh hatte Elisabeth Baumann großes malerisches Talent gezeigt (ihre Eltern sahen sie als die „neue Angelika Kauffmann“), später ermöglichte Queen Victoria ihr eine Einzelausstellung in Buckingham Palace. Das von Andersens berühmtem Märchen „Die kleine Meerjungfrau“ inspirierte Bild „Eine Meerjungfrau“ von 1847/61 ist eines ihrer Meisterwerke (EUR 250.000/400.000).

Insgesamt werden bei den Winterauktionen am 26. und 27. November insgesamt 275 Kunstwerke mit einem unteren Schätzpreis von rund 15 Millionen Euro in drei Auktionen versteigert. Mit einem ebenso vielfältigen wie internationalen Angebot, das von der Klassischen Moderne bis zur Gegenwart reicht, setzen die Winterauktionen bei Grisebach neue Akzente.

Die Vorbesichtigung aller Werke in Berlin an zwei Standorten in der Fasanenstraße (25 und 27) findet vom 19. bis 24. November statt.

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