Zum Inhalt springen
Go to Grisebach homepage
Zurück zur Übersicht

Von Georg Kolbe bis Cindy Sherman: Glanzlichter der Moderne und Gegenwart im Fokus bei Grisebachs Sommerauktionen

04.05.2026,
© Christian Kain

Mit der Abendauktion am 4. Juni präsentiert Grisebach ein breitgefächertes Angebot von der klassischen Moderne bis zur Gegenwart, das in dieser Dichte selten ist. Im Zentrum steht der „Tänzerinnen-Brunnen“ von Georg Kolbe – ein Werk von großer künstlerischer und historischer Bedeutung. Die Auktion vereint kunsthistorische Qualität, außergewöhnliche Provenienzen und starke Marktimpulse. Weitere Highlights stammen von Paula Modersohn-Becker, Cindy Sherman, Emil Nolde und Daniel Richter. Insgesamt kommen in den Sommerauktionen 280 Werke mit einem unteren Gesamtschätzwert von rund 11,6 Millionen Euro zur Versteigerung.

Georg Kolbes restituierter „Tänzerinnen-Brunnen“ als Highlight der Sommerauktionen

Mit Georg Kolbes „Tänzerinnen-Brunnen“ von 1922 gelangt eines der eindrucksvollsten und zugleich bewegendsten Werke der klassischen Moderne auf den internationalen Auktionsmarkt. Es vereint künstlerische Meisterschaft, ikonische Formensprache und eine tiefbewegende Geschichte. Die monumentale Brunnenanlage aus Bronze und Travertin wird dank einer gütlichen Einigung zwischen der Georg-Kolbe-Stiftung und den Erben nach Heinrich und Jenny Stahl im Rahmen der Grisebach-Abendauktion am 4. Juni mit einem Schätzpreis von 1.000.000 bis 1.500.000 EUR aufgerufen. Bereits im vergangenen Jahr erzielte Grisebach mit einem Kolbe-Werk einen Weltrekordpreis von 1.416.000 EUR – den höchsten je für eine Skulptur des Bildhauers gezahlten Preis. (Pressemitteilung vom 12.04.26).

Meisterwerke der Moderne

Das Gemälde „Astern“ von Emil Nolde, entstanden 1919, zählt zweifellos zu den herausragenden Blumenbildern des Expressionismus und ist ein weiterer Höhepunkt der kommenden Auktion. In einem intensiven Farbrausch aus Rot, Rosa, Lila und Gelb verdichtet Nolde das Naturmotiv zu einer dynamischen, nahezu grenzenlosen Bildkomposition. Das Werk von musealer Qualität besticht durch seine ungehemmte Licht- und Farbwirkung ebenso wie mit seiner hervorragenden Provenienz und frühen Ausstellungsgeschichte. Die Blumenbilder bilden – bis heute – eine der wichtigsten und zugleich beliebtesten Werkgruppen des Künstlers und vereint seine großartige künstlerische Reife (EUR 600.000/800.000).

Max Beckmanns „Springbrunnen in Baden-Baden“ veranschaulicht eindrucksvoll die künstlerische Qualität seiner späten Landschaften, die kurz vor seiner Emigration entstehen und zu den bedeutenden Werken der Moderne zählen. Das museale Gemälde aus dem Jahr 1936 zeigt eine vorgetäuschte Idylle – die Parkszene wird durch ein subtil sich einstellendes Gefühl von Enge und Stillstand gebrochen. Meisterhaft modulierte Grüntöne – jene Farbe, die Beckmann als besonders wohltuend empfand – verleihen dem Werk jene für den Künstler so individuelle malerische Intensität (EUR 400.000/600.000).

Ikonen der modernen Druckgrafik

Im Bereich grafischer Kunst der Moderne kommen gleich vier hochkarätige Werke zum Aufruf: Edvard Munchs „Madonna“ (1895) zählt zu seinen grafischen Meisterwerken und gilt als ikonische Darstellung einer Weiblichkeit, die Ekstase und Sinnlichkeit in eine existenzielle Dimension weiten. Bereits im frühen 20. Jahrhundert gehörten diese Drucke zu den begehrtesten und wertvollsten ihrer Zeit – und bis heute hat die „Madonna“ nichts von ihrer verführerischen Strahlkraft verloren (EUR 150.000/200.000).

Die Radierung „Der Kuss“ (1895) dagegen verdichtet eine über Jahre entwickelte Motivserie zur radikal reduzierten, intimen Darstellung eines ineinander verschmolzenen Paares - eine für ihre Zeit ausnehmend provokante, offene Bildfindung (EUR 70.000/90.000).

Ernst Ludwig Kirchners Farbholzschnitt „Toilette“ (1921) zählt mit nur fünf bekannten Abzügen zu den seltensten Arbeiten seines Gesamtwerks – die vorliegende, farblich einzigartige Variante nimmt dabei eine herausragende Stellung ein. Inspiriert von der Tänzerin Nina Hard verdichtet der Künstler einen intimen Moment zu einer eindringlichen, biografisch aufgeladenen Bildfindung (EUR 180.000/240.000).

„Drei Akte im Walde“ wiederum zählt zu den farbprächtigsten grafischen Blättern aus dem Spätwerk von Kirchner und gilt als eindrucksvolles Beispiel seines sogenannten späten Stils. Der Künstler bearbeitete das Motiv in nahezu allen ihm zur Verfügung stehenden Techniken, nicht zuletzt auch in zwei Gemälden (EUR 50.000/70.000).

Zum 150. Geburtstag: Paula Modersohn-Becker im Fokus

Gleich zwei besondere Werke der Ausnahmekünstlerin können im Jahr des 150. Geburtstages von Paula Modersohn-Becker angeboten werden:

Das „Brustbild Elsbeth mit Margeriten im Haar“ (1901) zählt zu den eindrucksvollen Kinderbildnissen ihres frühen Schaffens. In der Darstellung ihrer Stieftochter Elsbeth findet Modersohn-Becker aus persönlicher Nähe zu einer reduzierten, flächigen Formensprache, die eine ihrer bedeutendsten Werkgruppen auszeichnet (EUR 150.000/250.000).

Die Kohlezeichnung „Selbstbildnis mit Landschaft vor Bäumen“ (1903) markiert den Beginn einer weiteren intensiven Phase und besticht durch die eindringliche Verbindung von Selbstbefragung und bewegter Natur. Aus unmittelbarer Nähe heraus und mit schwungvoller Linienführung entsteht das kraftvolle Bild innerer und äußerer Wahrnehmung (EUR 25.000/35.000).

Prägende Künstler der Nachkriegsmoderne

Konrad Klaphecks „Doppelhochzeit“ (1956) gehört zu den frühen Schlüsselwerken seines Œuvres (Werkverzeichnis Nr. 4) und ist die erste Darstellung des für ihn zentralen Motivs der Schuhspanner. In der Gegenüberstellung zweier Paare verdichtet Klapheck hier einmal mehr Objekte des Alltags zu einem präzisen, zugleich poetischen Sinnbild menschlicher Beziehungen. Seit 70 Jahren in einer Privatsammlung beheimatet, wird es zum ersten Mal überhaupt auf dem Kunstmarkt angeboten (EUR 200.000/300.000).

Die Gouache „Personnage des ‚Légendes‘“ (1962) von Jean Dubuffet ist ein charakteristisches Werk des Künstlers und besticht mit expressiver Geste. Als einer der prägendsten Akteure der Nachkriegsmoderne und Initiator der Art Brut bildete Dubuffet eine bewusst unmittelbare und zugleich unkonventionelle Bildsprache aus (EUR 180.000/240.000).

Eugen Schönebeck zählt zu den bedeutendsten deutschen Malern der Nachkriegszeit. Gemeinsam mit Georg Baselitz entwickelte er um 1960 eine radikale neue Figuration und formulierte damit ein dezidiertes Antidot zu den dominierenden abstrakten Strömungen seiner Zeit. Das großformatige Gemälde „Figur mit Vogel I“ (1963/64) zählt zu den Hauptwerken seines nur 52 Gemälde umfassenden Œuvres und gelangt nach über 40 Jahren erstmals wieder auf den Markt (EUR 150.000–200.000).

Zeitgenössische Positionen von internationaler Strahlkraft

Daniel Richters monumentales Gemälde „Die Verschaffung des Guten“ (2003) ist ein Schlüsselwerk seiner frühen 2000er-Jahre, in denen er eine neue, an die Historienmalerei angelehnte Bildsprache ersinnt und Themen wie Macht, Gewalt und gesellschaftliche Dynamiken eindringlich verdichtet. Großformatige Gemälde dieser Phase gehören zu den international gefragtesten Arbeiten seines Œuvres und unterstreichen Richters Bedeutung als einem der wichtigsten deutschen Maler seiner Generation (EUR 300.000/400.000).

Die lebensgroße Skulptur „Doktor“ (1997/1999) gehört zu einer zentralen Werkgruppe innerhalb Katharina Fritschs Œuvre und wird zugleich zu einem Schlüssel für das Verständnis ihres künstlerischen Ansatzes. Fritsch wurde 2025 mit dem Goslarer Kaiserring für ihr Werk geehrt - diese seltene Skulptur ist eine der bedeutendsten Werke der Künstlerin, die jemals auf dem Auktionsmarkt erschienen sind (EUR 200.000/300.000).

Keith Harings „Totem“ (1988) aus geschnitztem Schichtholz gehört zu den ikonischen skulpturalen Arbeiten seines Werks und übersetzt seine unverwechselbare Bildsprache eindrucksvoll in den Raum (184 × 56 × 5 cm). In leuchtender Farbigkeit verhandelt das die Figur zentrale Themen wie Gemeinschaft, Rhythmus und kollektive Energie (EUR 180.000/240.000).

Die Großskulptur „Bearing II“ (1995) des englischen Bildhauers Antony Gormley ist ein eindrucksvolles Beispiel seiner skulpturalen Praxis, die den menschlichen Körper als Ort von Erfahrung, Wahrnehmung und Existenz begreift. In der Komposition ineinandergreifender Körper kommen Lebensfragen nach Identität, Transformation und Beziehung in kraftvoller, räumlich erfahrbarer Form zum Ausdruck (EUR 250.000/350.000).

Das Motiv „Untitled #415“ (2004) schließlich, ein großformatiger C-Print aus der „Clown“-Serie von Cindy Sherman, markiert in der Bildsprache der Meisterin der Verwandlung eine entscheidende Erweiterung durch digitale Hintergründe und inszenierte, teils surreale Bildräume. Die international gefragte Serie ist in bedeutenden Museumssammlungen vertreten und nur sehr selten auf dem Markt verfügbar EUR 160.000/200.000).

Über 280 Werke bei einer Gesamtschätzung von rund EUR 11,6 Mio. am 4. und 5. Juni 2026

Insgesamt werden bei den Sommerauktionen am 4. und 5. Juni über 280 Kunstwerke mit einem unteren Schätzpreis von rund 11,6 Millionen Euro in drei Auktionen versteigert. Mit einer Auswahl von bedeutenden Einzelwerken und seltenen Positionen unterstreicht die Auktion einmal mehr die internationale Strahlkraft von Grisebach.

Die Vorbesichtigung aller Werke in Berlin an zwei Standorten in der Fasanenstraße (25 und 27) findet vom 28. Mai bis 3. Juni statt.

PDF