Pastell auf braunem Papier.
55,7 × 74,2 cm
(21 ⅞ × 29 ¼ in.).
Unten rechts signiert: M Liebermann. Auf dem Schmuckrahmen sowie der Rückpappe zwei Eitketten des Busch Reisinger Museums, Cambridge.
Mit einer Expertise von Margreet Nouwen, Berlin.
[3005]
Gerahmt
Jérôme Friedmann, Hochkamp bei Hamburg (spätestens 1910 erworben, bis 1912) / Galerie J. Friedmann, Hamburg (bis 1916) / Galerie Paul Cassirer, Berlin (1916) / Kunsthandlung M. Goldschmidt & Co., Berlin (um 1924) / Rudolf und Martha Löb, Berlin/Buenos Aires/Boston (um 1924 bei der Vorgenannten erworben, seitdem in Familienbesitz, ab 1966 als Dauerleihgabe im Busch Reisinger Museum, Cambridge)
Liebermann-Ausstellung. Ein Überblick über das bisherige Schaffen Max Liebermanns in Hauptwerken des Meisters zusammengestellt von der Galerie Commeter. Hamburg, Galerie Commeter, 1910, Kat.-Nr. 87 („Schafherde")
Auktion 1654: Galerie J[erome]. Friedmann, Hamburg. Neunzig Gemälde erster Meister unserer Zeit. Berlin, Rudolph Lepkes Kunst-Auctions-Haus, 29.10.1912, Kat.-Nr. 40, Abb. Tf. 30 / N.N.: Stattgehabte Auktionen. Berlin. In: Der Cicerone, Jg. IV, Heft 21, Nov. 1912, S. 835 / N.N.: Auktionsnachrichten. In: Kunst und Künstler, Jg. XI, Heft 3, 1.12.1912, S. 178ff., 180 / Auktion: Gemälde erster Meister unserer Zeit. Die hinterlassene Sammlung des Herrn J[erome]. Friedmann, Hamburg, der künstlerische Nachlass des Herrn Professor H. Behmer, Weimar, und andere Beiträge aus Privatbesitz. Berlin, Rudolph Lepkes Kunst-Auctions-Haus, 10.10.1916, Kat.-Nr. 21, Abb. Tf. 6
Es sind die Pastelle, „die den Koloristen in Liebermann am besten kennen lehren. [...] Aus innerem Bedürfnis hat er zum Pastell gegriffen, um Natureindrücke rein auf Farbe zurückzuführen. Er hat, wie Manet, wie Degas, das alte Kunstmittel naturalisiert. Ohne ihm den Charakter des Unmateriellen, Leichten, Hellen, Geistreichen und Improvisierten zu nehmen. Zu einem geschmeidigen Werkzeug der Impression hat er das Pastell gemacht“, fasst der Kunstkritiker Karl Scheffler die Bedeutung der Kreidebilder von Max Liebermann anlässlich der ersten großen Pastell-Ausstellung des Künstlers im Juli 1927 bei Bruno Cassirer zusammen (Karl Scheffler: Liebermanns Pastelle, in: Zum 80. Geburtstag von Max Liebermann, Ausstellung von 80 Pastellen, Berlin 1927, S. 3).
Scheffler zeichnet in seiner Würdigung die Entwicklung dieser Werkgruppe im Œuvre des Berliner Malers nach. Unser großformatiges Pastell der Schafherde mit Hirten zählt zu den frühen Arbeiten des Impressionisten. Das flüchtige Sujet zeigt die souveräne Meisterschaft des Zeichners und Koloristen. Während Liebermann bei früheren Arbeiten seine eigenen Ölgemälde mitunter nachahmt, entsteht unser Blatt, als er bereits dazu übergegangen war, „nur noch vor der Natur zu arbeiten. Der Charakter der Pastelle verwandelte sich, sie erscheinen nun wie Skizzen, und zwar in ausgesprochener Weise wie Farbenskizzen“, wie Scheffler schreibt (ebd.). Ab Juni 2026, fast 100 Jahre nach der Schau bei Cassirer, widmet die Liebermann Villa am Berliner Wannsee „Liebermanns Pastellen“ erneut eine Einzelausstellung. GK
Zur Provenienz von Werken aus der Sammlung Rudolf und Martha Löb
Rudolf Löb (nach der Emigration: Lob) wurde 1877 in Elberfeld (heute Wuppertal) geboren. Nach Abschluss einer Banklehre begann er 1896 seine Karriere bei der Privatbank Mendelssohn & Co. in Berlin, wo er im Laufe der Jahre aufstieg und schließlich 1919 Teilhaber wurde. Seine Tätigkeit beschränkte sich jedoch nicht allein auf das Bankwesen. Als Mitglied zahlreicher Aufsichtsräte war er an der Entwicklung weiterer Banken beteiligt und seine umfassende finanzielle Expertise verlieh seiner Stimme auch in politischen Kreisen erhebliches Gewicht. In dieser Funktion beriet er mehrere Regierungen der Weimarer Republik. Zugleich fungierte der international vernetzte Löb als Generalkonsul Belgiens.
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten geriet Löb zunehmend ins Visier antisemitischer Propaganda. Kurz nachdem Adolf Hitler 1933 zum Reichskanzler ernannt worden war, beschlossen die Löbs, ihre Kinder und viele ihrer Besitztümer nach Amsterdam in Sicherheit zu bringen, wo Rudolfs Bruder Felix die Mendelssohn-Niederlassung leitete. 1935 wurde Löb als erste familienfremde Person Leiter der Mendelssohn-Bank. 1938 wurde die Bank zugunsten der Deutschen Bank „arisiert“. Bis 1939 sah sich Löb unter diesen Umständen gezwungen, gemeinsam mit seiner Frau Martha Drews (1877–1965) Deutschland zu verlassen und nach Buenos Aires zu emigrieren. Nach fast einem Jahrzehnt in Argentinien wanderte das Ehepaar 1948 in die Vereinigten Staaten aus, wo sie im Hotel Somerset in Boston lebten. Rudolf Löb starb dort 1966.
Das Leben der Familie Löb in Berlin vor 1933 war geprägt von Kunst, Literatur und Musik. Martha, eine versierte Geigerin, trat in Berlin professionell auf und sorgte dafür, dass ihre Kinder ein ausgeprägtes Verständnis für Musik und Kunst entwickelten. Viele der von den Löbs geförderten Künstler gehörten der Berliner Secession an.
Bemerkenswert ist, dass Rudolf und Martha Löb ihre umfangreiche Kunstsammlung ins Exil mitnehmen konnten. Neben den hier angebotenen fünf Werken umfasste die Sammlung unter anderem Arbeiten von Lovis Corinth, Oskar Kokoschka, Adolph Menzel, Leonid Pasternak und Emil Nolde.
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