Öl auf Leinwand.
138 × 163 cm
(54 ⅜ × 64 ⅛ in.).
inks mittig auf der Gürtelschnalle signiert und datiert: CPLY 89.
[3061]
Wir danken Anthony Atlas, William N. Copley Estate, New York, für freundliche Hinweise..
Privatsammlung, Europa (1995 in der Galerie Fred Jahn, München, erworben)
William N. Copley: Heed Greed Trust Lust. Bilder/Paintings 1951–1995. Hannover, Kestner Gesellschaft, 1995, Kat.-Nr. 76, m. Abb
Karlheinz Gabler: Siegfried Shalom Sebba, Maler und Werkmann. Kassel, Verlag Thiele & Schwarz, 1981, S. 24, Abb. 46
1989 konnte der amerikanische Maler William N. Copley bereits auf ein bewegtes Leben zurückblicken. 1948 hatte er in Los Angeles eine Galerie gegründet und zeigte als einer der Ersten die europäischen Surrealisten wie Max Ernst, René Magritte und Man Ray in Amerika. Beeinflusst durch die enge Freundschaft mit diesen Künstlern, wurde er selbst zum Maler und lebte lange in Paris und New York. In den 1980er-Jahren hatte er den Großstädten den Rücken gekehrt und lebte einen Großteil des Jahres in Key West in Florida. Unser Gemälde zeigt viele der zentralen Elemente von Copleys reifer Bildsprache. Wie in einem Comicstrip entspinnt sich vor unseren Augen ein wildes Szenario. Ein Polizist mit erhobenem Schlagstock hat ein Paar anscheinend in flagranti ertappt. Ein elegant gekleideter Herr mit auffälliger Schweinsnase steht neben einer nackten Frau; das bürgerlich anmutende Interieur übertüncht nur unzureichend den eigentlichen Zweck der Lokalität. Die Bildmitte wird von einer Frau in einem geblümten, orangen Kleid mit passendem Hut dominiert. Die einzigartige Verbindung, die Copley zwischen den europäischen Surrealisten, mit denen er als junger Händler engen Kontakt pflegte, und den amerikanischen Pop-Artists herstellte, kommt in unserem Bild eindrucksvoll zur Geltung. In der comichaften Inszenierung tritt Copleys autodidaktisch geprägter, unkonventioneller Malstil besonders hervor: anonymisierte Figuren, leuchtende, fast plakative Farben, eingefasst von schwarzen Linien. Die Figuren bleiben weitgehend gesichtslos; Copley hat sie mit wenigen, dafür umso prägnanteren Attributen ausgestattet. Sie erscheinen eher als Typen oder Symbole denn als individuelle Charaktere. Die Schweinsnase des Freiers wirkt wie ein Seitenhieb auf seinen fragwürdigen Charakter, während der empört aufgerissene Mund des Polizisten dessen kläglichen Versuch unterstreicht, Autorität zu verkörpern. Mit ausgestrecktem Zeigefinger deutet er ebenso wie der Mann im Frack auf die Frau in der Bildmitte (vielleicht die Bordellchefin?). Die vermeintlich Schuldige für die moralischen und gesetzlichen Verfehlungen ist somit schnell ausgemacht. Doch sie bleibt auffallend gelassen. Ihre Augen sind verdeckt, sodass nur ein sinnlicher roter Mund sichtbar ist. Die Arme hat sie auf dem Rücken verschränkt, als wollte sie sagen: „Nehmt mich doch fest.“ Der Kunsthistoriker Rudi Fuchs schrieb einmal über Copley: „The great quality of Copley’s art is its absolute lack of moralism.“ Sexualität ist ein zentrales Thema in Copleys Werk. Gerade in den USA, wo ihre Darstellung bis heute mit Tabus behaftet ist, behandelte Copley dieses Motiv früh als Ausdruck individueller und gesellschaftlicher Befreiung. Die männlichen Figuren, Polizist und Freier, markieren das Spannungsfeld zwischen unerfülltem Verlangen und dem Zwang gesellschaftlicher Normen. Die Frauen erscheinen hier jedoch nicht nur als Objekte männlichen Begehrens, sondern agieren, insbesondere in der Figur in der Bildmitte, als selbstbewusste Individuen, die stärker mit sich selbst im Einklang zu stehen scheinen. In seiner eigenständigen Erzählweise gelingt es Copley einmal mehr, grundlegende Spannungen zwischen Begehren und gesellschaft-licher Kontrolle sichtbar zu machen, ohne sie eindeutig aufzulösen. „The Kids No Trooper“, das bereits 1995 in einer Ausstellung der Kestner Gesellschaft zu sehen war, wird nun nach 30 Jahren in derselben Sammlung erstmals auf dem Auktionsmarkt angeboten
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