Kohle auf Papier. Auf Karton aufgezogen.
27 × 37,6 cm
(10 ⅝ × 14 ¾ in.).
Unten rechts von Otto Modersohn für die Künstlerin monogrammiert: PM-B.
Werkverzeichnis: Mit einer Bestätigung von Wolfgang Werner, Paula Modersohn-Becker Stiftung, Bremen, vom 5.2.2026 (in Kopie). Die Zeichnung wird unter der Nr. E IV/99a aufgenommen in den Nachtrag zum Werkverzeichnis der Handzeichnungen von Paula Modersohn-Becker von Röver-Kann/Werner/Duckwitz/Rascher-Friesenhausen.
Sorgfältig restaurierter Riss.
[3079]
Gerahmt
Sorgfältig restaurierter Riss
Privatsammlung, Sachsen (wohl in den 1920er-Jahren erworben, seitdem in Familienbesitz)
Als Paula Modersohn-Becker ihr „Selbstbildnis mit Landschaft vor Bäumen“ zeichnete, war sie siebenundzwanzig Jahre alt. Sie war also jung. Trotzdem hatte ihr Leben schon mehrere überraschende Wendungen genommen. Sie war nach Paris gefahren, siebzehn Stunden mit dem Zug, um dort an den berühmten privaten Kunstakademien Malunterricht zu nehmen. Sie hatte der großen Metropole wieder den Rücken gekehrt und war in das winzige Worpswede gezogen, um als Künstlerin in einer Künstlerkolonie zu leben. Sie hatte einen Maler geheiratet. Sie hatte in der Kunsthalle Bremen ausgestellt und vernichtende Kritik erfahren. Sie hatte den Entschluss gefasst, mehr wie Marie Bashkirtseff zu werden, die Malerin und Autorin, deren Pariser Tage-bücher überall in Europa junge Künstlerinnen in einen Rausch versetzten. „Ich lese jetzt das Tagebuch der Marie Bashkirtseff“, schrieb Modersohn-Becker, „es interessiert mich sehr. Ich werde ganz aufgeregt beim Lesen. Die hat ihr Leben so riesig wahrgenommen. Ich habe meine ersten zwanzig Jahre verbummelt. Oder wuchs ganz in der Stille das Fundament, auf dem die nächsten zwanzig Jahre aufbauen sollen?“ Und sie hatte die merkwürdigsten aller traurigen Zeilen in ihr eigenes Tagebuch geschrieben. Niemand konnte sich wünschen, dass sie ausgerechnet in diesem Punkt so schnell recht behielt. „Ich weiß“, formulierte die Künstlerin 1900, „ich werde nicht sehr lange leben. Aber ist das denn traurig? Ist ein Fest schöner, weil es länger ist?“ Für ihr mitreißendes Selbstporträt drehte sie 1903 das Papier ins Querformat. Den Ausschnitt wählte sie so nah, dass es unmöglich ist, ihrem Blick auszuweichen. Den Kopf rahmt eine Landschaft, mit schwankenden Baumstämmen und windgeschüttelten Kronen. Alle Linien scheinen von Wirbeln ergriffen, die in großen Schwüngen die Natur durchwogen und in kleinen Kreisen über das Gesicht ziehen. Das Kinn sitzt auf einer Brosche auf, oval und hell, wie ein drittes Auge. Der Blick ist einzigartig. Schauen diese dunklen Augen nach innen, zu Gedanken, zu Gefühlen, zur Seele? Oder blicken sie nach außen, auf ein Gegenüber oder Spiegelbild? Über die Künstlerin sollte Rainer Maria Rilke, ihr Freund und Bewunderer, später schreiben, sie sei „für alles offen, wie ein Tag der anbricht“. Auch in dieser Kohlezeichnung schaffen ihre Augen eine Welt. Die Komposition aus Selbstporträt und Landschaft beschäftigte Modersohn-Becker auch in einem Ölgemälde, das sich im Sprengel Museum in Hannover befindet (Abb.). Im Vergleich zur Kohlezeichnung scheint die Künstlerin im Bild einen kleinen Schritt zurückzutreten. Haaransatz samt Mittelscheitel sind zu sehen. Das Gesicht ist heller, flächiger, der Blick entrückter. Beide Werke gehören zum Beginn einer intensiven Phase, in der Modersohn-Becker immer wieder neue, veränderte Selbstporträts schuf. Mehr als sechzig sollten es bis zu ihrem Tod werden. Die Malerin starb im November 1907 an einer Embolie, kurz nach der Geburt ihres Kindes, im Alter von nur 31 Jahren. Julia Voss
This website uses services for operation, statistical evaluations, the display and sharing of content from social networks, and interest-based advertising. These services make the website usable, improve your browsing experience, enable interactions with networks, and display relevant advertisements. Activate the desired services in the respective categories to accept them.
More information
By clicking on "Confirm selection" or "Select all & confirm", you consent to your data being processed by the respective services.
The activated services do not affect your browser configuration. Cookies from these services are deleted when the browser is closed or must be manually deleted if they are not valid beyond the specified time, depending on the browser configuration.
Settings
This service is used to manage the consent manager.
Name
Type
Expiration
Description
z7_consent_manager
Cookie
1 year
Stores the value of the user selection.
The service will show a warning when clicking on external links.
Name
Type
Expiration
Description
ext_Urls_whitelist
Cookie
30 days
List of external links accepted by the user.
Name
Type
Expiration
Description
laravel_session
Cookie
2 hours
This cookie is used to manage the session of the website.
XSRF-TOKEN
Cookie
2 hours
This cookie is used to protect the website from CSRF attacks.