Bronze mit brauner Patina.
18,5 × 34,5 × 18,8 cm
(7 ¼ × 13 ⅝ × 7 ⅜ in.).
Auf dem Bauch mit dem Künstlersignet.
Werkverzeichnis: Schilling/de Werd 20a.
Einer von 28 Güssen (davon 7 Exemplare im Museumsbesitz).
[3107]
Die Gestaltung der Kuh war für Ewald Mataré eine Lebensaufgabe, wie seine Tagebuchaufzeichnungen über viele Jahre belegen. Bereits im Mai 1918 notiert er: „Zeichne Kühe und male im Freien [...]“ (Ewald Mataré: Tagebücher, Köln 1973, Eintrag v. 30. Mai 1918). In den kommenden, mehr als drei Jahrzehnten werden ihn Kühe als Motiv immer wieder reizen und fordern. An ihnen erarbeitet, erkundet und entdeckt er grundlegende Gestaltungsprinzipien. Während Otter, Hase oder Fohlen in ihrem quirligen Bewegungsdrang lebensfrohe Agilität repräsentieren, verkörpert die Kuh eine gravitätische Statik, die den Bildhauer offenbar herausforderte. Mataré experimentiert mit verschiedensten Ansichten, Materialien, Formaten und Techniken. Noch 1934 notiert er: „Jetzt kämpfe ich schon seit 16 Jahren um dieses Biest, und was gelang mir daran bis heran?“ (ebd., Eintrag v. 13. August 1934). Bis in die Nachkriegszeit wird die Kuh, die er immer weiter stilisiert und schließlich in geometrische Volumen zerlegt, das zentrale Tierwesen seines plastischen Werks bleiben.
Die Entstehung des Motivs der „Windkuh“ ist ein interessanter Prozess, der im Sommer 1923 auf Sylt beginnt: „Ich schnitze eine Kuh plastisch in Holz“, notiert er in sein Tagebuch und hält damit das Entstehen seiner ersten Tierskulptur fest (Eintrag v. 23. Juli 1923, zit. nach: Sabine Maja Schilling: Ewald Mataré. Das plastische Werk. Werkverzeichnis, Bd. II, Köln 2024, S. 204). Wenige Tage später sind die Schnitzarbeiten abgeschlossen und Mataré berichtet, obwohl mit dem Ergebnis nicht vollkommen zufrieden, er habe „eine Menge wieder begriffen“ (Eintrag v. 27. Juli 1923, ebd.). Die Besonderheit der Gestaltung ergibt sich hier aus dem Ausgangsmaterial: „Ich weiß nicht, wie ich die Reliefwirkung, die sie [die Kuh] nun einmal hat, unmißverständlich zeigen kann. Das Brett, aus dem ich sie schnitzte, war so flach, daß es unmöglich zu einer Rundplastik reichte, und so blieb mir nur der Weg, die beiden Längsseiten als Reliefwirkung herauszuarbeiten“ (Eintrag v. 2. August 1923, ebd.). Dieser Umstand führt dazu, dass – entgegen einer allansichtigen Skulptur – die „Windkuh“ nach einer genauen Präsentationsposition verlangt und man sie „nur von rechts oder links betrachten kann und auch nur so aufstellen oder hängen kann“, wie der Bildhauer notiert (ebd.).
Schließlich wird die „Windkuh“ die erste Plastik, die Mataré in Bronze gießen lässt. In einem Brief vom Juni 1924 beauftragt Mataré seine Frau Hanna, die Adresse der legendären Berliner Gießerei Noack ausfindig zu machen, um seine „Windkuh“ dort gießen zu lassen. Der Bildhauer, selbst noch auf Sylt, fügt genaue Anweisungen hinzu, wie der Guss umgesetzt werden soll, und notiert: „Ich wünsche nur den Rohguss [...]. Das Zurechtfeilen, die Retusche mache ich selbst!“ (zit. nach: Sabine Maja Schilling: Ewald Mataré. Das plastische Werk. Werkverzeichnis, Bd. I, Köln 2024, S. 111).
Anlässlich einer Ausstellung Matarés 1929 in der Galerie Ferdinand Möller resümiert Ernst Kállai im Katalogheft der Schau: „Matarés Plastik ist lyrisch und naturverbunden, von tiefster harmonischer Vertrautheit mit dem Kreatürlichen und eben deshalb so einfach und klar. Sie ist Stimmung und Form zugleich, Form unantastbarer Präzision und strengster Gliederung.“ Die pointierte Formulierung lässt sich hervorragend auch auf die „Windkuh“ anwenden, die auf der Ausstellung unter dem Titel „Stehende Kuh“ (Kat. Nr. 5) in einem Exemplar gezeigt wird.
Während sich das aus Nussbaumholz gefertigte Urexemplar der „Windkuh“, die zu den frühen Hauptwerken des Künstlers gezählt werden darf, in Privatbesitz befindet, werden Bronzegüsse der „Windkuh“ in den Sammlungen des Museum of Modern Art in New York, dem Harvard Art Museum/Busch-Reisinger Museum und – als Leihgabe des Schleswig-Holsteinischen Landesmuseums Schloss Gottorf – im Museum Kurhaus Kleve bewahrt. GK
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