Öl auf Leinwand.
89 × 116,5 cm
(35 × 45 ⅞ in.).
Unten rechts signiert und datiert: Ivo Hauptmann 1912. Auf dem Keilrahmen mit Bleistift signiert und betitelt: Hauptmann Hafen.
[3136]
Gerahmt
Erik Blumenfeld, Hamburg (seitdem in Familienbesitz)
Ivo Hauptmann: Bilder und Erinnerungen. Hamburg, Seehafen Verlag Erik Blumenfeld, 1976, Abb. auf dem Umschlag
„Ganz köstliche, hingehauchte See-, Elbe- und Gartenbilder gibt eine der feinsten Begabungen, Ivo Hauptmann, der Sohn des Dichters, der — ein Zeichen der kunstfeindlichen Zeit — in einem Kohlengeschäft als Angestellter sich jetzt sein Brot verdient. Das Erleben der Farben fließt bei ihm nicht ins Uferlose. Seine Farben sind abgestimmte Klänge, Hauch, Duft, und fangen seelische Stimmungen ein“, schwärmte der Kritiker der Ausstellung der Berliner Freien Secession in Dresden 1924 über die Bilder Ivo Hauptmanns (Die Berliner freie Sezession in Dresden, in: Der Bildereinrahmer und Vergolder, Nr. 47 v. 18. November 1924, o. S.). Auch in unserem farbenreichen, bereits einige Jahre früher, 1912, entstandenen Gemälde gelingt dem deutschen Post-Impressionisten eine nuancierte und flirrende Gestaltung: In kleinste Farbpunkte zerlegt, zeigt Ivo Hauptmann die atmosphärische Ansicht des Hamburger Hafens, als wäre es ein Ort an der Côte d’Azur.
Bereits Zeitgenossen hatten sich ob des Bildes, das zu einem der frühen Hauptwerke des Malers gezählt werden darf, begeistert gezeigt: „Ich habe ganz besonders bedauert, mein lieber Ivo, daß Sie nichts an die Indépendants geschickt haben. Ihr Hafen von Hamburg fehlt in dem Saal, in dem unsere Gruppe ausgestellt hat“, schreibt der Grandseigneur des französischen Pointilismus Paul Signac, sich vermutlich auf unser Gemälde beziehend, im März 1912 (zit. nach: Ivo Hauptmann 1886–1973. Aquarelle und Zeichnungen, Kat. Altonaer Museum Hamburg 1976, S. 11). An die erste Begegnung mit Signac erinnert sich Hauptmann auch später noch lebhaft: „Ich saß unter der Pont Royal und arbeitete. Vor mir saß ein Maler, der ebenfalls aquarellierte. Beim näheren Hinsehen gefiel mir seine Arbeit. Sie kam dem nahe, was ich suchte. Wir sprachen miteinander, und es stellte sich heraus, daß es Paul Signac war“ (ebd. S. 12).
Bereits 1903 war Hauptmann für einen ersten Aufenthalt nach Paris gereist. Für das weitere Studium der Malerei siedelte er 1904 nach Weimar über, wo es sich seinerzeit wie „in einem geistigen Vorort von Paris“ lebte (Hauptmann, zit. nach: Farben des Lichts. Paul Signac und der Beginn der Moderne von Matisse bis Mondrian, hg. von Erich Franz, Ausst.-Kat. Münster 1996, S. 231). In den von Henry van de Velde und Harry Graf Kessler veranstalteten Ausstellungen des Großherzoglichen Museums lernte er die Kunst des Neo-Impressionismus kennen, und schließlich wurde es unumgänglich: 1908 zieht es Hauptmann erneut nach Paris. Der rund vierjährige Aufenthalt in der Kunstmetropole wird sein weiteres Schaffen maßgeblich prägen. Ein Studienaufenthalt führt ihn schließlich nach Hamburg und ist Anlass für die Entstehung unseres Gemäldes. Die trubelige Hafenstadt inspiriert Hauptmann so sehr, dass er in Hamburg einen neuen Lebens- und Wirkungsort findet. GK
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