Zum Inhalt springen
Go to Grisebach homepage

Los

27

Yves Klein

Nizza 1928 – 1962 Paris

„Untitled Shroud Anthropometry, (ANT SU 30)“. 1960

Reines Pigment und Kunstharz auf feiner Leinwand. 97 × 76,5 cm (38 ¼ × 30 ⅛ in.).
Auf diesem Bild ist das folgende Kunstwerk zu sehen: Yves Klein. „Untitled Shroud Anthropometry, (ANT SU 30)“. 1960.

Hintergrund:

Auf diesem Bild ist das folgende Kunstwerk zu sehen: Yves Klein. „Untitled Shroud Anthropometry, (ANT SU 30)“. 1960.
Auf diesem Bild ist das folgende Kunstwerk zu sehen: Yves Klein. „Untitled Shroud Anthropometry, (ANT SU 30)“. 1960.

Hintergrund:

Auf diesem Bild ist das folgende Kunstwerk zu sehen: Yves Klein. „Untitled Shroud Anthropometry, (ANT SU 30)“. 1960.
Auf diesem Bild ist das folgende Kunstwerk zu sehen: Yves Klein. „Untitled Shroud Anthropometry, (ANT SU 30)“. 1960.

Hintergrund:

Auf diesem Bild ist das folgende Kunstwerk zu sehen: Yves Klein. „Untitled Shroud Anthropometry, (ANT SU 30)“. 1960.
Auf diesem Bild ist das folgende Kunstwerk zu sehen: Yves Klein. „Untitled Shroud Anthropometry, (ANT SU 30)“. 1960.

Hintergrund:

Auf diesem Bild ist das folgende Kunstwerk zu sehen: Yves Klein. „Untitled Shroud Anthropometry, (ANT SU 30)“. 1960.
Auf diesem Bild ist das folgende Kunstwerk zu sehen: Yves Klein. „Untitled Shroud Anthropometry, (ANT SU 30)“. 1960.

Hintergrund:

Auf diesem Bild ist das folgende Kunstwerk zu sehen: Yves Klein. „Untitled Shroud Anthropometry, (ANT SU 30)“. 1960.

Schätzung:

EUR 2.000.000

 

- 3.000.000

USD 2.250.000

 

- 3.370.000

Auktion 378

Do, 26.11.2026, 18:00 Uhr

Zustandsbericht anfragen

Experten kontaktieren

Informationen

Reines Pigment und Kunstharz auf feiner Leinwand. 97 × 76,5 cm (38 ¼ × 30 ⅛ in.). Werkverzeichnis: Nicht mehr bei Wember. Das Gemälde ist im Archiv des Künstlers unter der Nr. ANT. SU 30 verzeichnet. Mit einem Fotozertifikat von Rotraut Klein-Moquay vom 3. November 1984. [3021]

Bei unserem Werk handelt es sich um eine von nur etwa 30 „Tuch-Anthropometrien“ des Künstlers..

Yvan Butler, Schweiz (vom Künstler erhalten) / Privatsammlung, Nordrhein-Westfalen (1985 in der Gallery 44, Kaarst, erworben)

„Ich wollte den Schleier vom Tempel des Ateliers zerreißen“ – Yves Kleins Anthropometrie SU 30

Yves Kleins „Anthropometrie ohne Titel (ANT SU 30)“ von 1960 entstand im Anschluss an die bahnbrechende Präsentation in Yves Kleins Wohnung in der Rue Campagne-Première 14 in Paris, die als „Feier einer neuen anthropometrischen Ära“ bekannt wurde und die Klein selbst als „Enthüllung“ seines Schaffensprozesses bezeichnete – das Wegreißen des „Schleiers des Tempels des Ateliers“. Dies geschah, indem er Modelle einlud, als „lebende Pinsel“ bei der Entstehung von Körperabdrück-Bildern auf Papier (die „Anthropométries de l'époque bleue“ oder Anthropometrien der Blauen Periode) oder auf unbehandelter Seide, Gaze oder feinem Leinen (die „Anthropométries Suaires“ oder Tuch-Anthropometrien) mitzuwirken.
Klein experimentierte erstmals mit der Idee der „lebenden Pinsel“ während einer Dinnerparty im Haus seines Freundes Robert Godet am 5. Juni 1958, als er ein Modell anwies, sich mit blauer Farbe den Körper zu bestreichen und damit ein monochromes Gemälde zu schaffen, indem sie über ein auf dem Boden ausgelegtes Blatt Papier kroch – doch der entstandene Abdruck war verschmiert und unkenntlich.
Klein verfeinerte seine Methode in den folgenden zwei Jahren und stellte am 23. Februar 1960 seine neue Technik in seiner Wohnung einem Publikum vor, das aus dem Kritiker Pierre Restany, dem Kunsthistoriker Udo Kultermann, der zu der Zeit Direktor des Städtischen Museums in Leverkusen war, und Kleins zukünftiger Ehefrau Rotraut Uecker bestand, die dem Modell Jacqueline dabei half, eine spezielle Emulsion aus blauer Farbe und Harz auf ihren Oberkörper und ihre Oberschenkel aufzutragen. Unter Kleins Aufsicht presste Jacqueline ihren Körper gegen ein Blatt Papier auf dem Boden und hinterließ dabei fünf deutliche Abdrücke ihres Körpers. Restany verkündete die Geburt einer neuen Serie mit den Worten: „Das sind die Anthropometrien der blauen Periode.“ Er brachte seine Signatur im oberen Teil des Werks an, der er die Worte „Zelebration einer neuen anthropometrischen Ära“ und das Datum 23. Februar 1960 voranstellte, während Klein, Rotraut und Jacqueline unten signierten, ebenso wie Kultermann, der vor seinen Namen auf Deutsch schrieb: „Gesehen als neue Art der Gestaltung“.
Die „Anthropometrien“ stellten einen radikalen Durchbruch in Kleins künstlerischer Laufbahn dar, in deren Verlauf er in den acht Jahren vor seinem frühen Tod am 6. Juni 1962 mehr als tausend Kunstwerke schuf, beginnend mit seinen frühen monochromen Gemälden von 1954/55. Darauf folgen die Monochromien der Blauen Periode von 1956/57, die Bilder der Entmaterialisierung seiner Kunst als eine Präsentation der Leere im Jahr 1958, die „Zonen der immateriellen Sensibilität“ von 1959, sein berühmter „Sprung in die Leere“ von 1960 und zuletzt die Feuergemälde von 1961/62. Wie Klein später in seinem Text „Die Wahrheit wird Realität“ schrieb: „Ich verbrachte zu viel Zeit allein im Atelier; ich wollte nicht allein in dieser wunderbaren blauen Leere verbleiben […]. Ich wollte vor allem den Schleier vom Tempel des Ateliers zerreißen. Nichts von meinen Prozessen verbergen. […] Alles ist mir nützlich, selbst die Fetzen dieses zerrissenen Schleiers des Ateliers, der mir wundersame Tücher beschert.“ Und in einer teilweise durchgestrichenen Notiz aus seinem Archiv beschrieb er dies als ein neues Prinzip der Zusammenarbeit im Schaffensakt: „durch kollektives Handeln und doch streng individuell“.
Kleins „Anthropometrien“ wurden mit Sicherheit von den prähistorischen Handabdrücken beeinflusst, die der Archäologe Abbé Breuil in Castillo, Spanien, entdeckt hatte und die in René Huyges Buch von 1955, „Dialogue avec le visible“ („Dialog mit dem Sichtbaren“), abgebildet waren, sowie von Bildern menschlicher Schatten, die durch die Hitze der Atomexplosion in Hiroshima und Nagasaki eingeprägt wurden und die Klein in dem Film „Ikiteite yokatta“ („Froh, überlebt zu haben“, 1956) des japanischen Filmemachers Kamei Fumio gesehen hatte. Während die Tuch-Anthropometrien reich an christologischen Anspielungen sind, insbesondere an das Turiner Grabtuch, ein Leinentuch, das ein schwaches Ganzkörper-Abbild der Vorder- und Rückseite eines nackten Mannes zeigt und als das Tuch gilt, in das der Leichnam Christi gewickelt wurde, nachdem er vom Kreuz genommen worden war. Yves Kleins philosophische und künstlerische Ideen sind von seinem katholischen Glauben durchdrungen. Christologische Bezüge finden sich sowohl in Kleins Kunst als auch in seinen Schriften: „Im wahren Sinne des christlichen Glaubens, der besagt: ‚Ich glaube an die Menschwerdung des Wortes; ich glaube an die Auferstehung des Leibes‘, ist der Leib der wahre Sinn des Theaters des Wortes: ‚Das Wort ist Fleisch geworden!‘ “
Klein war zutiefst fasziniert von dem Leichentuch Christi, das im Moment seiner Auferstehung zurückblieb, und betrachtete seine „Tücher“ als „wundersame“ Abdrücke, die ohne traditionelles künstlerisches Eingreifen entstanden und auf Tod und Auferstehung verweisen. „ANT SU 30“ ist eine von etwa dreißig „Tuch-Anthropometrien“, zusätzlich zu den 150 „Anthropometrien“ auf Papier, die größtenteils 1960 entstanden sind. Es sei darauf hingewiesen, dass die Zahlen hinter den jeweiligen Initialen nicht die Entstehungsreihenfolge, sondern lediglich die Chronologie der Registrierung zum Zeitpunkt der Bestandsaufnahme angeben. So ist die erste „Anthropometrie“, die am 23. Februar 1960 entstand, als „ANT 82“ (heute in der Sammlung des Centre Pompidou, Paris) registriert. Nach Kleins Tod im Juni 1962 wurde Pierre Restany zusammen mit Arman beauftragt, eine erste vorläufige Bestandsaufnahme der Werke vorzunehmen, die im Lager des Künstlers und in seiner Wohnung gefunden wurden. Damals legte Restany die Initialen fest, die den verschiedenen Werkarten entsprachen: M für Monochrom, I.K.B. für International Klein Blue, ANT für Anthropometrie, ANT SU für Tuch-Anthropometrie usw.
„ANT SU 30“ ist in dem 16-mm-Schwarz-Weiß-Dokumentarfilm „Heartbeat of France“ zu sehen, der 1961 von dem britischen Filmemacher Peter Morley für das British Film Institute gedreht wurde. Sie hing an einer der Wände des Ateliers des deutschen Werbefotografen Charles Wilp in Düsseldorf, wo Klein für die Filmkamera mit einem Modell eine seiner „Anthropometrien“ nachstellte. „ANT SU 30“ zeigt den Abdruck des Oberkörpers und der Oberschenkel einer weiblichen Figur in rosa, blauer und schwarzer Farbe – eines von mehreren solchen Bildern, bei denen das nackte Modell rittlings auf einem aufgerollten Teppich mit einem Blatt Papier oder Stoff saß, die Knie angewinkelt und die Füße so positioniert, dass sie ihr Gesäß oder die Rückseite ihrer Oberschenkel berührten.
Kleins „Anthropometrien“ stellen eine radikale Abkehr von der herkömmlichen Vorstellung vom Kunstschaffen dar, indem sie das Konzept der Zusammenarbeit in den Mittelpunkt stellen. Nachdem er zunächst Modelle eingeladen hatte, passiv in seinem Atelier zu verweilen – in einem ersten Versuch, den Schleier des Ateliers zu lüften und den Schaffensprozess des Künstlers zu entmystifizieren – machte er einen Schritt in Richtung eines radikalen künstlerischen Enteignens, das sich auf die bewusste Verwischung, das Teilen oder die Ablehnung individueller Urheberschaft in einem kreativen Projekt bezieht. Dies war eine Idee, die er erstmals 1959 bei der Eröffnung einer Ausstellung von Yves Tanguy in der Galerie Schmela in Düsseldorf vorschlug und die eine radikal neue Kunstpraxis forderte, die zugleich individuell und kollaborativ ist, indem er Künstler dazu einlud, einen Pakt zu unterzeichnen, um die Urheberschaft gegenseitig untereinander auszutauschen: „Ich werde es dann als ganz natürlich und normal empfinden, eines Tages zu erfahren, dass die Mitglieder des berühmten Paktes irgendwo auf der Welt plötzlich und spontan eines meiner Gemälde signiert haben […]. Ebenso werde ich alle Werke, die mir unter den Arbeiten anderer Mitglieder des Paktes gefallen, gerne unterschreiben, ohne auch nur im Geringsten das Bedürfnis zu verspüren, darauf hinzuweisen, dass das Werk tatsächlich nicht von mir stammt.“

Alle Zitate stammen aus „Overcoming the Problematics of Art: The Writings of Yves Klein“, übersetzt von Klaus Ottmann (Spring Publications, 2007). Klaus Ottmann

Irrtum vorbehalten. Wir verweisen auf unsere Versteigerungsbedingungen.