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Los

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Andy Warhol

Pittsburgh, Pennsylvania 1928 – 1987 New York

„Lenin“. 1986

Synthetische Polymerfarbe und Serigrafie auf Leinwand. 56 × 40 cm (22 × 15 ¾ in.).
Auf diesem Bild ist das folgende Kunstwerk zu sehen: Andy Warhol. „Lenin“. 1986.

Hintergrund:

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Schätzung:

EUR 350.000

 

- 450.000

USD 393.000

 

- 506.000

Auktion 378

Do, 26.11.2026, 18:00 Uhr

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Informationen

Synthetische Polymerfarbe und Serigrafie auf Leinwand. 56 × 40 cm (22 × 15 ¾ in.). Auf dem Überspann mit Filzstift in Schwarz signiert und datiert: Andy Warhol 86. Rückseitig ein Etikett der Galerie Bernd Klüser, München. Werkverzeichnis: Nicht mehr bei Frei/Prinz. [3021] Gerahmt

Privatsammlung, Nordrhein-Westfalen (um 1987 in der Galerie Bernd Klüser, München, erworben)

Lenin by Warhol. München, Galerie Bernd Klüser, 1987, Abb. S. 50

Back in the USSR – Andy Warhols letztes Porträt

Am 24. Februar 1987 eröffnete in der Galerie Klüser in München die Ausstellung „Lenin by Warhol“, eine Serie von Porträts des kommunistischen Revolutionärs und Begründers der Sowjetunion. Es sollte die letzte große Serie bleiben, die Warhol zu Lebzeiten schuf. Überraschend war er zwei Tage zuvor in New York mit nur 58 Jahren verstorben. Nicht zuletzt forderten die Folgen des Attentats, das 19 Jahre zuvor auf den Künstler verübt worden war, ihren Tribut. Hier zeigt sich eine bemerkenswerte biografische Parallele zum Protagonisten seiner letzten Bilderserie: Wladimir Iljitsch Lenin wurde ebenfalls Opfer eines Attentats und überlebte den Anschlag zunächst schwer verletzt, starb jedoch 1924 mit nur 53 Jahren an den Spätfolgen.
Als Vorlage für seine Lenin-Serie wählte Warhol auf Anregung seines Galeristen Bernd Klüser einen Ausschnitt eines Fotos von 1897, aus dem er zwei verschiedene Versionen schuf. Unsere Arbeit gehört zur engeren und konzentrierteren Fassung der Serie. Zudem zählt sie zu den selteneren Exemplaren in einem intensiven Rot, das unweigerlich an die Farbe der Sowjetunion denken lässt. Innerhalb der Serie sind die roten Bilder diejenigen, die die Verbindung zwischen Bild und politischem Vermächtnis am deutlichsten hervorheben. Unser Werk, das Teil der Ausstellung in der Galerie Klüser war, wurde um 1987 dort erworben und befand sich seitdem in Familienbesitz. Nach fast vier Jahrzehnten gelangt es nun erstmals wieder auf den Kunstmarkt.
Zentral im Bildausschnitt positioniert, beherrscht Lenins Gesicht die gesamte Komposition. Im Gegensatz zu früheren Porträtserien, die durch eine stärker malerische Qualität geprägt sind, konzentriert sich Warhol hier auf präzise gesetzte Linien, die Lenins Gesichtszüge klar umreißen. Das intensive Rot steigert dabei einerseits die plakative Wirkung des Bildes, während die feinen Abstufungen innerhalb des Gesichts dessen individuelle Züge bewahren. Das zarte Rosa des Gesichts bildet dazu einen weichen Kontrast und verleiht der Darstellung eine überraschende Körperlichkeit, die verhindert, dass Lenin zur bloßen Propaganda-Figur erstarrt. Der enge Ausschnitt lenkt den Blick unmittelbar auf Lenins Augen und lässt den Betrachtenden der historischen Figur nahezu von Angesicht zu Angesicht gegenübertreten.
Das Originalfoto, auf das sich der Ausschnitt bezieht, zeigt Lenin, damals noch unter seinem Geburtsnamen Wladimir Iljitsch Uljanow, inmitten einer Gruppe junger Revolutionäre des „Petersburger Kampfbundes zur Befreiung der Arbeiterklasse“, den er mitbegründet hatte. Lenin sitzt im Zentrum des Fotos. Sein Arm stützt sich auf einen Stapel Bücher, er schaut ernst und konzentriert in die Kamera. Er ist kein proletarischer Straßenkämpfer, sondern ein junger Intellektueller, der sich mit revolutionären Schriften und neuen Ideen beschäftigt. Zum Zeitpunkt der Aufnahme war er bereits mehrfach verhaftet worden. Im selben Jahr wurde er für drei Jahre nach Sibirien verbannt. Nach seiner Rückkehr nannte er sich fortan „Lenin“ und wurde zum Anführer der Bolschewiki, womit sein Aufstieg zum mächtigsten Mann der Bewegung und der späteren Sowjetunion begann. Schon auf dem Foto scheint sich die außergewöhnliche historische Bedeutung des jungen Mannes anzudeuten. Keiner seiner Mitstreiter strahlt dieselbe intensive Kraft und den starken Willen aus. Das Detailfoto, auf dem Warhols Lenin-Serie basiert, entstand 1948, lange nach Lenins Tod, als dessen Verklärung bereits einen ersten Höhepunkt erreicht hatte. Der Ausschnitt wurde vermutlich zu propagandistischen Zwecken geschaffen, womit Warhol ein Bild in seine Bildsprache übersetzte, das selbst bereits durch die Mechanismen politischer Agitation bearbeitet worden war. Die Lenin umgebenden Männer waren zu dieser Zeit längst vergessen und im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Bild geschnitten worden.
Aus dem Aufeinandertreffen von Andy Warhol mit einer Person wie Lenin entsteht eine besondere Spannung, gespeist aus ihren diametralen Weltvorstellungen: Auf der einen Seite Warhol, der wie kaum eine andere Persönlichkeit seiner Zeit die westliche Konsumgesellschaft verkörperte, auf der anderen Seite Lenin, der die Sowjetunion mitbegründete, die genau diese Art von Gesellschaft entschieden ablehnte. Warhol porträtierte 1986 Lenin zu einem Zeitpunkt, als das politische System, das jener begründet hatte, bereits erste Anzeichen seines bevorstehenden Endes zeigte. Michail Gorbatschow setzte mit Glasnost und Perestroika sein Reformprogramm fort und die Großmächte gingen schrittweise in einen Dialog. Nur drei Jahre später fiel die Mauer.
Lenin wurde schon zu Lebzeiten zu einer politisch äußerst kontroversen Figur. Er war 1922 an der Gründung der Sowjetunion beteiligt, des ersten kommunistisch regierten Staates der Welt, legte aber gleichzeitig mit dem Roten Terror der Bolschewiki den Grundstein für die Schreckensherrschaft seines Nachfolgers Stalin. Dennoch begann in der Sowjetunion nach seinem Tod ein fast religiöser Kult um den verstorbenen Anführer. Sein Leichnam wurde einbalsamiert und aufgebahrt, er liegt bis heute in einem Mausoleum auf dem Roten Platz in Moskau.
Warhol ging es allerdings weniger um die politische Moral oder historische Verantwortung Lenins als um die Mechanik seines Ruhms. Alle von Warhols Porträts folgen diesem Prinzip. Ob Marilyn Monroe, Jackie O., Elvis, Mao oder Lenin, Warhol unterschied nicht zwischen Filmstar und Diktator. Für ihn war die individuelle Persönlichkeit längst hinter dem alles überstrahlenden öffentlichen Bild zurückgetreten.
Im Fall von Lenin war die Ikone durch jahrzehntelange staatliche Propaganda bereits fest etabliert. Daher ist es durchaus bemerkenswert, dass Warhol nicht den Staatsmann wählte, sondern den jungen Wladimir Iljitsch Uljanow, und damit den Moment festhielt, in dem aus einem jungen Revolutionär eine historische Ikone zu werden beginnt. Unser Bild verdeutlicht einmal mehr eindrucksvoll Warhols Gespür für historisch entscheidende Augenblicke.
Dass Warhol ausgerechnet Lenin zu seiner letzten großen Serie machte, erscheint beinahe schicksalhaft. Kaum eine Figur des 20. Jahrhunderts vereint Macht, Mythos und (politische) Unsterblichkeit in vergleichbarer Weise. Kurze Zeit nach Vollendung der Serie starb Andy Warhol, nur wenige Jahre darauf verschwand auch jenes politische System, dessen Gründungsfigur Lenin gewesen war. Wie Warhol bereits erkannt hatte, überdauern am Ende nur die Bilder. FvW

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