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Los

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Emil Nolde

Nolde 1867 – 1956 Seebüll

„Kritiker (Zuschauer)“. Vor 1932

Aquarell und Tuschpinsel auf Japan. 45,2 × 41,3 cm (17 ¾ × 16 ¼ in.).
Auf diesem Bild ist das folgende Kunstwerk zu sehen: Emil Nolde. „Kritiker (Zuschauer)“. Vor 1932.

Hintergrund:

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Schätzung:

EUR 60.000

 

- 80.000

USD 67.400

 

- 89.900

Auktion 378

Do, 26.11.2026, 18:00 Uhr

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Informationen

Aquarell und Tuschpinsel auf Japan. 45,2 × 41,3 cm (17 ¾ × 16 ¼ in.). Unten links mit Feder in Braun signiert: Nolde. Das Aquarell ist unter der Nr. Fr.A.3995 im Archiv der Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde registriert und wird in das Werkverzeichnis der Aquarelle und Zeichnungen Emil Noldes aufgenommen. [3048] Gerahmt

Privatsammlung, Nordrhein-Westfalen (beim Künstler erworben, seitdem in Familienbesitz)

Zwischen Fabelwelt und inneren Gesichten: Emil Noldes fantastische Aquarelle

Die Heimat Emil Noldes war die weite Marschlandschaft zwischen Nord- und Ostsee. Schon von Kindheit an hat sie ihn maßgeblich geprägt. Das isolierte Leben auf dem Bauernhof der Eltern mit seiner lebhaften Tierwelt erweckten in ihm eine in der deutsch-dänischen Grenzregion häufig anzutreffende Faszination für alles Mystische und Fantastische. Der schelmische Hofgeist Nis Puk wird Noldes frühester Kontakt mit einer übernatürlichen Gestalt gewesen sein. Ihm folgten rasch weitere Fabelwesen, von denen sowohl die schaurigen Erzählungen des Dänen Steen Steensen Blicher (1782–1848) als auch die Sagen der von Nolde sehr geschätzten „Edda“ des Isländers Snorri Sturluson (1179–1241) berichteten. Verstärkt wurde Noldes Faszination für übersinnliche Phänomene durch seine Mutter, die er in seinen Memoiren als „hellsichtig“ beschreibt, wobei er rückblickend feststellt: „Ihre Hellsichtigkeit ging mit mir in die dunklen seelischen Weiten eines Künstlerlebens“ (Emil Nolde: Jahre der Kämpfe. 5. Auflage, Köln 1985, S. 15).
Einen ersten zaghaften Versuch, die Bildwelt des Grotesk-Fantastischen künstlerisch zu erfassen, wagte Nolde mit seinen nur postkartengroßen Zeichnungen, die im Sommer 1901 in der Abgeschiedenheit des Fischerdorfes Lildstrand im Norden Jütlands entstanden. Doch diese ersten bildgewordenen Visionen von Fabelwesen, Spukgestalten, fremdartigen Tieren und Ungeheuern konnten den Ansprüchen des Malers nicht genügen: „Ich hatte zu dieser Zeit schon unendlich viele Gesichte, wohin ich schaute, die Natur war belebt, der Himmel, die Wolken, auf jedem Stein und zwischen den Zweigen der Bäume, überall regten und lebten in stillem oder wildem lebendigen Leben meine Gestalten, die mich in Begeisterung versetzten und auch plagend nach Verbildlichung riefen. Wann aber sei dies?“ (ebenda, S. 14)
Es sollten noch dreißig Jahre vergehen, bis eine veränderte Maltechnik in Noldes Aquarellmalerei das Tor zur Fantastik für ihn weit und endgültig öffnete: Im Herbst 1931 beginnt der Maler, mit seinen Wasserfarben zu experimentieren, indem er sie frei und ohne jede motivische Vorstellung auf dem weißen Papiergrund verteilt. War bislang das Motiv entscheidend für Farbwahl, Komposition und Gestaltung, lässt sich der Maler nun allein von der abstrakten Struktur der Farbe zu Bildideen inspirieren. In den rein zufällig und intuitiv auf das Papier gebrachten Aquarellfarben, ihren wolkenartigen, fleckigen Strukturen, erkennt Nolde groteske Köpfe, Paare oder auch ganze Szenerien, die er in einem letzten Arbeitsschritt mit Tuschpinsel oder -feder näher umreißt und sie so erst auch für den Betrachter sichtbar macht. Die von Nolde seit je angestrebte „Mitarbeit der Natur“ ist nun erstmals in seinem Schaffen von zentraler Bedeutung, der Zufall maßgeblich an der Entstehung jedes dieser Bilder beteiligt.
Der meditative Umgang mit den Farben bedingt ein auffallend häufiges Auftauchen grotesk-bizarrer Paare. Sie erscheinen zumeist vor einem intensiv-farbigen Grund wie geisterhafte Erscheinungen, die schwer fassbar sind und jeden Augenblick wieder verschwinden können. Farbflecken werden zu Details der Bekleidung, besonders reizvoll eingesetzt auf dem Blatt „Leben und Tod“, aber auch bei „Schwarz und Weiss“, wo Cholerik und Phlegma aufeinanderzutreffen scheinen. Die „Zuschauer“ sind ein wunderbarer Nachhall der „Cabaret“-Szenen aus Noldes Berliner Winter 1910/11. Alle drei Blätter dokumentieren sowohl den souveränen Umgang mit den Farben durch den Meister des Aquarells als auch den präzisen Strich des großen Zeichners auf dem Höhepunkt seines Schaffens.
Mit den „Phantasien“ taucht Emil Nolde vollkommen in seine eigene Imaginationswelt ein und verleiht den inneren Gesichtern endlich Gestalt. Er war, wie er selbst schrieb, „zum Kopisten der eigenen Vorstellung“ geworden. Sein Freund und Malerkollege Paul Klee nannte ihn in Anerkennung hierfür den „Vetter der Tiefe“. Andreas Fluck

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