Los
23R
Leipzig 1960 – lebt in Leipzig
„Die Klasse“. 2021
Hintergrund:
Hintergrund:
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Schätzung:
EUR 80.000
- 120.000
USD 89.900
- 135.000
Auktion 378
Do, 26.11.2026, 18:00 Uhr
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Privatsammlung, Florida (2021 bei David Zwirner, New York, erworben)
Neo Rauch: The Signpost. New York, David Zwirner, 2021
In „Die Klasse“ verdichtet Neo Rauch jene Spannung zwischen Vertrautheit und Rätselhaftigkeit, die sein Werk seit Jahrzehnten prägt. Der Titel verweist auf einen Ort des Lernens und der gemeinschaftlichen Formierung, lässt jedoch offen, ob eine Gruppe von Menschen, eine Lehrsituation oder ein gesellschaftlicher Zusammenhang gemeint ist. Diese Mehrdeutigkeit kennzeichnet Rauchs Bildsprache, in der vertraute Situationen ihre Eindeutigkeit verlieren und sich einer abschließenden Interpretation entziehen.
Anders als seine häufig großformatigen, dicht bevölkerten Kompositionen eröffnet das kleinere Format von „Die Klasse“ einen konzentrierten Zugang zu seiner vielschichtigen Bildwelt. Der begrenzte Bildraum wirkt wie ein Fenster in eine eigenständige Wirklichkeit, ein reizvoller Kontrast zur gedanklichen Weite des Dargestellten. Rauch verbindet Figuren und Handlungselemente zu Konstellationen, die an unterschiedliche kunsthistorische Traditionen erinnern, ohne sich dem Diktat einer eindeutigen Lesart zu fügen. Die Figuren scheinen in einer gemeinsamen Szene vereint und bleiben zugleich in ihren eigenen Handlungsräumen eingeschlossen. Ihre Gesten wirken bisweilen wie in einem Moment des Innehaltens eingefroren.
Neo Rauchs Werk ist eng mit der ostdeutschen Tradition figurativer Malerei verbunden. Als zentraler Vertreter der Neuen Leipziger Schule erlangte Rauch internationale Bekanntheit. Dennoch entzieht sich seine Malerei einer eindeutigen kunsthistorischen Zuordnung. Anklänge an den sozialistischen Realismus und die europäische Bildtradition begegnen einer traumähnlichen, bisweilen surreal anmutenden Vorstellungswelt. Historische Figuren, unterschiedliche Epochen und futuristische Versatzstücke treten unvermittelt nebeneinander. So entsteht eine Bildwirklichkeit, in der Vergangenes und Gegenwärtiges, Erinnerung und Imagination ineinandergreifen.
Rauchs Gemälde illustrieren keine feststehende Erzählung. Vielmehr inszenieren sie ein Zusammenspiel historischer Anspielungen, Gegenstände und Figuren, bei dem die Gegenwart als Schichtung verschiedener Zeitebenen erscheint. Das Vertraute erscheint fremd, das Unwahrscheinliche selbstverständlich. Die Betrachter:innen werden zu Zeug:innen eines Geschehens, dessen Voraussetzungen und Konsequenzen im Ungewissen bleiben.
Auch Rauchs Verständnis des Malprozesses spiegelt diese Offenheit wider. Er beschreibt das entstehende Bild als einen eigenständigen Organismus, dessen innere Dynamik den künstlerischen Prozess mitbestimmt. Erinnerung, Intuition und malerische Entscheidung wirken zusammen, ohne dass sich die Bildlogik allein auf eine bewusste Konstruktion zurückführen ließe.
„Die Klasse“ veranschaulicht Rauchs Fähigkeit, aus einem begrenzten Bildraum gedankliche Offenheit zu entwickeln. Das Werk fordert keine abschließende Auflösung, sondern lädt zur wiederholten Betrachtung ein, bei der sich Beziehungen und Bedeutungen verschieben. IS
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