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Los

40R

Francis Alÿs

Antwerpen 1959 – lebt in Mexiko City

„The Liar, the Copy of the Liar“. 1996

Diptychon: 1. Teil: Öl und Enkaustik auf Aluminium / 2. Teil: Öl und Enkaustik auf Leinwand, auf Holzplatte aufgezogen. 74 × 100 cm bzw. 13,3 × 16,8 cm (29 ⅛ × 39 ⅜ in. bzw. 5 ¼ × 6 ⅝ in.).
Auf diesem Bild ist das folgende Kunstwerk zu sehen: Francis Alÿs. „The Liar, the Copy of the Liar“. 1996.

Hintergrund:

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Schätzung:

EUR 100.000

 

- 150.000

USD 112.000

 

- 169.000

Auktion 378

Do, 26.11.2026, 18:00 Uhr

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Informationen

Diptychon: 1. Teil: Öl und Enkaustik auf Aluminium / 2. Teil: Öl und Enkaustik auf Leinwand, auf Holzplatte aufgezogen. 74 × 100 cm bzw. 13,3 × 16,8 cm (29 ⅛ × 39 ⅜ in. bzw. 5 ¼ × 6 ⅝ in.). 1. Teil rückseitig mit Pinsel in Blau signiert und datiert: ENRIQUE HUERTA FRANCIS ALŸS © 1996. Rückseitig jeweils mit den Etiketten der Galería OMR, Mexico City, und des Museu d'Art Contemporani de Barcelona. Werkverzeichnis: Alÿs/Kästli/Friedli L35.2.1, L35.2.2. [3111]

Galería OMR, Mexico City / ehemals Privatsammlung, Lateinamerika

Ein Mann in einem Anzug, ein kissenähnlicher Gegenstand und ein Objekt, das an eine Matratze erinnert, treten in eine eigentümliche Beziehung zueinander. Nichts an dieser Szene scheint unmittelbar erklärbar: Die Körperhaltung erinnert an einen Reiter und wirkt dennoch merkwürdig inszeniert. Gerade aus dieser Spannung zwischen dem Alltäglichen und dem Rätselhaften entwickelt sich die besondere poetische Wirkung von „The Liar, the Copy of the Liar“ von 1996.
1959 in Antwerpen geboren, zog Francis Alÿs 1986 nach Mexico City, die fortan zu einem zentralen Ausgangspunkt seiner künstlerischen Arbeit wurde. Das vorliegende Werk entstand im Rahmen des Sign Painting Project, einer zwischen 1993 und 1996 entwickelten Zusammenarbeit Alÿs’ mit Werbeschildermalern aus Mexico City, den „Rotulistas“ Juan García, Enrique Huerta und Emilio Rivera. Alÿs ließ eigene Gemälde von den professionellen Schildermalern in vergrößerter Form ausführen und machte damit die Grenze zwischen individueller künstlerischer Handschrift und handwerklicher Produktion bewusst durchlässig.
Auch die Darstellung des Körpers ist für die Serie zentral. Gewicht, Balance, Distanz und Berührung bestimmen die Beziehung zwischen Figur und Umgebung, während alltägliche Gegenstände durch ihre ungewöhnliche Verwendung ihre ursprüngliche Funktion verlieren. So entsteht eine poetische, zugleich irritierende Spannung zwischen körperlicher Möglichkeit und erzählerischer Unwahrscheinlichkeit.
„The Liar, the Copy of the Liar“ ist nicht als singuläres, abgeschlossenes Gemälde zu verstehen, sondern als Teil eines offenen Systems. Bereits das ursprüngliche Bild verweist auf die Ästhetik von Werbung und kommerzieller Bildproduktion: Es übernimmt die Bildsprache von Straßenwerbung, die ein Produkt – etwa einen Anzug – anpreist. Durch die Wiederholung desselben Motivs und die Vielzahl seiner Urheber hinterfragt Alÿs die Vorstellung des Gemäldes als einzigartigem Original. Der Künstler selbst wird dabei ironisch zum „Lügner“: Seine Autorschaft steht zwischen Erfindung, Kopie und Weitergabe von Bildern. Die Kopie wird somit nicht zum Gegensatz des Originals, sondern zu einem wesentlichen Bestandteil des künstlerischen Denkens. Zugleich richtet sich Alÿs’ Interesse auf eine lokale Form des Bildhandwerks, die durch industriell produzierte Werbung zunehmend verdrängt wird. So verbindet das Projekt die Auseinandersetzung mit Autorschaft und Reproduktion und von Alltäglichem und Surrealem mit einer konkreten Beobachtung des sozialen, visuellen und kommerziellen Umfelds von Mexico City. IS

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