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Los

710

Sigmar Polke

Oels 1941 – 2010 Köln

Rheingold. Um 1984

4-teilig: Silbergelatineabzug. Bis 60,7 × 51,6 cm (23 ⅞ × 20 ⅜ in.).
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Schätzung:

EUR 15.000

 

- 20.000

USD 16.900

 

- 22.500

Auktion 380

Fr, 27.11.2026, 16:00 Uhr

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Informationen

4-teilig: Silbergelatineabzug. Bis 60,7 × 51,6 cm (23 ⅞ × 20 ⅜ in.). Je mit Filzstift in Schwarz signiert und bezeichnet: Sigmar Polke I bzw. II bzw. III bzw. IV. Das erste Blatt zusätzlich mit Filzstift in Schwarz gewidmet und bezeichnet: für Wulf Herzogenrath Sigmar Polke 4 Blätter Rheingold zur Erinnerung an die schönen Tage in Köln. [2001]

Wir danken Michael Trier, Köln, für freundliche Hinweise.

Sammlung Wulf Herzogenrath, Berlin (1997 direkt vom Künstler erhalten)

„Sigmar Polke saß schon in den 60er Jahren am Ufer des Rheins und warf Steine in den Fluss. Diese Steine versanken auf den Grund und werden noch heute dort liegen. Die Kreise allerdings, die das Werfen der Steine auslöste, die sind noch heute sichtbar. Mittlerweile sind sie mitten im Atlantik mit einem Durchmesser vieler hundert Kilometer und beginnen die nordamerikanische Ostküste zu erreichen; denn die Energie, die Sigmar Polke entfacht, versiegt nicht, sie breitet sich unablässig ringförmig aus. Schon damals faszinierten ihn beim Hineinwerfen der Steine die Spritzer, die Wellen, das Aufzischen des Wassers. Dies hielt er im Foto fest; diese Fotos lagen seit Jahren in großen Kartons neben zahlreichen Feuerfotos, die ähnliche, hellaufzüngelnde Lichtfelder wiedergeben. Im Zusammenhang von „Rheingold“ werden diese alten Relikte wieder wichtig und revitalisiert. […] Polke sieht auf seine Weise die Realität neu, malt, fotografiert und filmt sie für sich, für sein Bildrepertoire und eine zukünftige Wiederverwendung und setzt die Bildwirklichkeit auch wieder neu zusammen. […] Zugleich aber entwickelt er aus dem Fotoprozess mit den spezifischen, chemischen Reagenzien eine eigengesetzliche Kraft der Gestaltung, die sein realistisches Foto überwuchern und verändern. So wird für ihn Friedlieb Ferdinand Runges Entdeckung von 1855 wiederum wichtig, der in seinem Buch „Vom Bildungstrieb der Stoffe, veranschaulicht an selbständig gewachsenen Bildern“ eben auch schon vor über einem Jahrhundert vom „Gestaltgewinnen der Materie“ sprach. Wenn sich dieser „Bildungstrieb“ bei F. F. Runge zunächst nur auf den formbildenden Trieb der Materie bezog, so überträgt Polke dies mit derselben Freude auch auf den inhaltlichen, ja, es ist ihm eine Lust, die chemischen Prozesse im Foto oder die vergleichbaren komplexeren Vorgänge bei seiner Farbenwahl und -mixtur in der Malerei wirken zu lassen. […] Neues zu erproben, die Wahrheit zu durchleuchten und in immer neuen Facetten zum Erglühen zu bringen – und immer wieder Neuland zu betreten – in der Zeichnung, der Malerei, dem Foto oder dem Film – das zeichnet den Polke auch heute aus und macht ihn so anziehend für die jüngere Generation und für visuell wache Menschen.“ (Wulf Herzogenrath)

Text aus: Wulf Herzogenrath, Stephan von Wiese (Hg.): Rheingold. 40 Künstler aus Köln und Düsseldorf. Köln, Wienand Verlag, 1985, S. 200, 203

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