Los
42
Dortmund 1953 – 1997 Wien
Ohne Titel. 1983
Hintergrund:
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Hintergrund:
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Schätzung:
EUR 60.000
- 80.000
USD 67.400
- 89.900
Auktion 378
Do, 26.11.2026, 18:00 Uhr
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Privatsammlung, Nordrhein-Westfalen (Geschenk des Künstlers an Walter Dahn, seitdem in Familienbesitz)
Werkverzeichnis: Nicht bei Franzen/Capitain (2023)
Martin malt Walter...
Erst einmal geht es sichtbar um Sport. Um Fußball. Das stellt die rot gekrakelte Schriftleiste im Gemälde „Ohne Titel“ von Martin Kippenberger klar. Gelsenkirchen – Buer klingt nach einem Match aus einer der unteren Spielklassen. Mit offensichtlich ungutem Ausgang, der Invalide, der in Unterhosen auf dem Bett sein dick bandagiertes Gipsbein ausstreckt, hat zu riskant agiert. Als Held einer Regionalliga irgendwo im Pott, wo sie alle mit Freude und Härte zur Sache kommen.
Das Porträt, das Martin Kippenberger im Jahr 1982 von Walter Dahn malt, ist ein besonderes, ein seltenes Bild. Einerseits: schnell wie eine Momentaufnahme, als habe ein Teamkollege beim Besuch am Krankenbett ein Polaroidfoto geschossen mit klarem Fokus auf der Verletzung.
Doch weil der Künstler Martin Kippenberger den befreundeten Künstler Walter Dahn darstellt, reiht es sich in das Genre „Freundschaftsbild“ ein. Ist das Porträt die Königsklasse der Malerei, so ist das Freundschaftsbild die Potenz davon. Weil da viel mitschwingt. An Verbindung, Liebe und Gemeinsamkeit. Und immer auch Virtuosität, Cleverness, eine tiefe Vertrautheit mit der Kunstgeschichte. Dazu Rivalität – nie wegzudenken.
Wie Laken, Leinwand, Baumwolltrikot und Gipsbinde mit Haut, Muskelsträngen, losem Fleisch und Haarstoppeln zusammenfinden, ist um einiges komplexer. Ganz offensichtlich ist die motivische Nähe zu Edouard Manets „Olympia“ und Gustave Courbets „Der Ursprung der Welt“ – zwei Klassikern, bei denen es um Skandalmotive geht. Zu viel Intimität, luxurierende Promiskuität im ersten Fall, schockierende Fleischlichkeit im zweiten, durchaus auch Reduktion.
Dass hier ein junger Mann so ausgebreitet wird wie eine Muse im Frankreich des 19. Jahrhunderts, dreht zudem einiges um. Lässt auch an Lucian Freud denken und die Variationen von Beinen, Hundepfoten, Schwänzen, Haaren, Hautrosa, Hundenasenschwarz und bläulich geäderten Brüsten, die der Brite im 20. Jahrhundert auf in allen Schattierungen von Weiß bezogenen Matratzen ausbreitete.
Von dieser Farbigkeit ist Martin Kippenbergers Bettszene – ganz offensichtlich erotisch, aber auch abgekämpft, angezählt und stillgestellt ist Walter Dahn auf dem Laken festgehalten. Über die Leinwand herrscht Martin Kippenberger mit seinem Pinsel. Gibt es da einen Endstand zu vermelden in den roten Zahlen? Sicher nicht. Denn schon die Ortsnamen sind ein weiteres Spiel mit Verweisen. Buer, Gelsenkirchen, das sind keine Vereine, sondern Ortsteil und Stadt; das Viertel, in dem der große Traditionsverein des Ruhrgebiets – Schalke 04 – seine Arena unterhält.
Natürlich hat Walter Dahn nicht für Schalke gespielt, sondern nur mit ein paar Freunden gekickt, als er sich den Meniskusriss zuzog. Die offensichtliche Ironie der rot gesetzten Zeile zieht das noch einmal unmissverständlich nach. Nicht der Rede wert. Und auch nicht wirklich wichtig, wie der Walter Dahn aussieht, der kopflos porträtiert wird. Martin malt Walter: Da schwingt Erotik mit, die vielen skandalösen Momente, die sich hier in den Falten einnisten, die sich im prall gespannten Trikot und Gips-ummantelten Muskeln abbilden. Zwei Maler im Turnier, ja. Aber eben auch: eine gewaltige, schockierende, alles einhüllende Nähe. Catrin Lorch
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