Zum Inhalt springen
Go to Grisebach homepage

Los

1

Wojciech Fangor

Warschau 1922 – 2015 Błędów

„B 50“. 1965

Öl auf Leinwand. 60 × 60 cm (23 ⅝ × 23 ⅝ in.).
Auf diesem Bild ist das folgende Kunstwerk zu sehen: Wojciech Fangor. „B 50“. 1965.

Hintergrund:

Auf diesem Bild ist das folgende Kunstwerk zu sehen: Wojciech Fangor. „B 50“. 1965.
Auf diesem Bild ist das folgende Kunstwerk zu sehen: Wojciech Fangor. „B 50“. 1965.

Hintergrund:

Auf diesem Bild ist das folgende Kunstwerk zu sehen: Wojciech Fangor. „B 50“. 1965.

Schätzung:

EUR 100.000

 

- 150.000

USD 112.000

 

- 169.000

Auktion 378

Do, 26.11.2026, 18:00 Uhr

Zustandsbericht anfragen

Experten kontaktieren

Informationen

Öl auf Leinwand. 60 × 60 cm (23 ⅝ × 23 ⅝ in.). Rückseitig mit Pinsel in Schwarz signiert, betitelt und datiert: FANGOR B 50 1965. Auf dem Keilrahmen ein Etikett der Galerie Springer, Berlin. Das Werk ist im Online-Werkverzeichnis des Künstlers unter der Nr. P. 459 verzeichnet. [3011] Gerahmt

Galerie Springer, Berlin (1965) / Privatsammlung, Berlin (seit Mitte der 1960er-Jahre)

Wojciech Fangors Gemälde stellen die traditionelle Vorstellung von Bildraum grundlegend infrage. In seinen monumentalen, scheinbar „randlosen“ Abstraktionen entfaltet sich Raum nicht hinter der Bildfläche, sondern als dynamisches Feld zwischen Leinwand und Betrachter. „B 50“ aus dem Jahr 1965 ist ein prägnantes Beispiel dieser charakteristischen Auseinandersetzung mit Wahrnehmung, Farbe und Raum.
1922 in Warschau geboren, entwickelte Fangor nach frühen gegenständlichen Arbeiten und seiner Beschäftigung mit der Plakatkunst eine radikal neue Bildsprache. An die Stelle klar definierter Konturen traten verschwimmende Kreise, Ellipsen und Farbfelder, die sich scheinbar von der Leinwand lösen. Internationale Aufmerksamkeit erlangte Fangor mit seiner Teilnahme an „Fifteen Polish Painters“ im Museum of Modern Art in New York 1961 und an der wegweisenden Ausstellung „The Responsive Eye“ 1965. Im selben Jahr wurde „B 50“ geschaffen, im Zuge einer Ausstellung der Berliner Galerie Springer. 1970 widmete ihm das Solomon R. Guggenheim Museum in New York eine Einzelausstellung.
Fangors Bildsprache speiste sich nicht zuletzt aus seiner Faszination für Kosmos, Wahrnehmung und die wissenschaftlich-technologischen Umbrüche seiner Zeit. Der Wettlauf ins All veränderte in den 1950er- und 1960er-Jahren die Vorstellung von Raum und Erde nachhaltig. Fangors schwebende Kreise und Farbsphären erinnern an Himmelskörper, ohne diese unmittelbar abzubilden. Sie übersetzen die Erfahrung räumlicher Ungewissheit in eine eigenständige visuelle Sprache.
Im Zentrum seiner Malerei steht zugleich die Frage, wie Wahrnehmung selbst zum Gegenstand der Kunst werden kann. Die Farbfelder mit ihren weichen Übergängen entziehen sich einem klaren Fokus: Beim Versuch, die Formen zu fixieren, scheinen Konturen und Farben in Bewegung zu geraten und sich aufzulösen. Fangor bezeichnete dieses Phänomen als „Positive Illusory Space“ (P.I.S.). Anders als in der traditionellen Perspektive, in der der dargestellte Raum hinter der Bildebene liegt, erstreckt sich die räumliche Illusion seiner Gemälde nach außen, in den realen Raum vor der Leinwand. Die eigentliche Dynamik des Bildes entsteht somit im Zwischenraum, in dem Auge und Bild aufeinandertreffen.
Die ausgewogene Farbintensität von Fangors Kompositionen erschwert eine eindeutige Trennung von Form und Grund. Die Übergangszonen zwischen den Farbfeldern entwickeln eine eigene visuelle Energie und lassen das Bild zugleich flächig und räumlich erscheinen. In „B 50“ geht dunkles Violett in leuchtendes Türkis und schließlich in ein stilles Weiß über. Die Komposition wirkt zugleich präsent und entzogen, statisch und in Bewegung.
Von besonderem Reiz ist, dass sich das Gemälde seit Ende der 1960er-Jahre in ein und derselben Privatsammlung befindet und nun erstmals wieder auf den Markt kommt. Auch Jahrzehnte nach seiner Entstehung bewahrt „B 50“ seine Fähigkeit, den Blick herauszufordern und die Grenzen zwischen Bild, Raum und Wahrnehmung neu zu definieren. IS

Irrtum vorbehalten. Wir verweisen auf unsere Versteigerungsbedingungen.