Los
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1938 – Kopenhagen – 2018
„Himmel im Garten“. 2003
Hintergrund:
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Hintergrund:
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Schätzung:
EUR 200.000
- 300.000
USD 225.000
- 337.000
Auktion 378
Do, 26.11.2026, 18:00 Uhr
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Galerie Michael Werner, Köln / Sammlung Essl, Klosterneuburg bei Wien / Privatsammlung, Rheinland
Per Kirkeby: Neue Arbeiten. Köln, Galerie Michael Werner, 2003, m. Abb. / Der Himmel im Garten. Klosterneuburg bei Wien, Museum Essl, 2013/14
Geologie des Lichts – Per Kirkeby und sein „Himmel im Garten“
Bevor Per Kirkeby Maler wurde, war er Geologe. Daher ist sein Blick auf die Landschaft durch eine wissenschaftliche Ausbildung bestimmt. Seit 1958 nahm er mehrmals an Expeditionen in Grönland teil, und die Geschichte vom Aufbau und von der Struktur der Erdkruste zog ihn vollkommen in ihren Bann. 1964 schloss er sein Studium mit einer Promotion über arktische Geologie ab und begann mit der Malerei.
„Die Geologie war so nah an einer künstlerischen Praxis, dass ich ebenso Kunst hätte wählen können. Es lief auf dasselbe hinaus“, notierte er damals und setzte dann später seine geologischen Zeichnungen, die er bei den Expeditionen gemacht hatte, in Kunst um. So zeigen seine Gemälde große, sich überlagernde oder ineinandergeschobene Flächen, man ahnt Gestein und Geröll, und immer wieder halten horizontale Streifen die Komposition zusammen und deuten die Schichtung der Erde an.
Geologen leben ja in anderen Zeiträumen, und so war das Malen für Kirkeby fast wie ein erdgeschichtlicher Vorgang. Er nahm sich viel Zeit, arbeitete an mehreren Bildern gleichzeitig, wartete das langsame Trocknen der Ölfarbe ab und übermalte immer wieder, bis sich eine Sedimentation von Schichten bildete, so wie sich ja auch die Erde und ihre Landschaften in einem langen Prozess herausgebildet haben. Manchmal sollen in seinem monumentalen Atelier in Kopenhagen und in seinem Sommerdomizil auf der dänischen Insel Læso bis zu 20 großformatige Leinwände umgedreht an den Wänden gestanden haben.
Es ging ihm nicht darum, vorhandene Landschaften abzubilden, sondern neue Landschaften im Bild zu schaffen. „Geologie ist die Lehre von den Kräften hinter den Formen, sowohl der abbauenden wie der aufbauenden“, sagte er und meinte damit die Gesteinskunde genauso wie seine Kunst. Es gibt in der Malerei von Kirkeby keine spontanen und pathetischen Gesten. Seine so wunderbar farbintensiven Gemälde, die mit den Jahren immer größer und leuchtender wurden, leben neben den Grundfarben Rot, Blau, Gelb auch von den vielen Zwischentönen, die ständig im Fluss sind, wie die Farben der Natur. Wir wissen, dass es tektonische Verschiebungen der Erdplatten gibt. Beobachten können wir solch unendlich langsame Veränderungen nicht, aber Kirkeby gelang es, in seinen Bildern den tellurischen Kräften etwas Sichtbarkeit zu verschaffen.
Im Jahr 2000 erlitt Per Kirkeby einen schweren Schlaganfall, der seine Wahrnehmung vorübergehend veränderte, doch drei Jahren später hatte er seine vollen physischen und geistigen Fähigkeiten wiedererlangt. In dieser Phase wiedergewonnener Lebenskraft malte er das angebotene Großformat „Himmel im Garten“, ein Höhepunkt in seinem Schaffen. Nie zuvor war es ihm gelungen, das Licht so intensiv ins Bild zu bringen. Es ist ein immaterielles Licht, das aus dem Innern kommt, es schimmert durch die Vegetation, spiegelt sich im Wasser, leuchtet aus hellen Farbzonen, flackert, je nach Lichteinfall, im pastosen Farbauftrag der Bildoberfläche und bringt den gelb-orangen Horizont zum vulkanischen Aufleuchten. Das grob gespachtelte Nachtblau des Himmels aber lastet schwer auf der in horizontalen Bändern aufgebauten Komposition mit ihrer düsteren Wald- und Felslandschaft. Der Garten im Vordergrund mit seinem Blattwerk in gedämpften Grüntönen erscheint da als Ort der Zuflucht.
Kirkeby empfand die Arbeit an seinen Großformaten als mühsam, denn hier kommt die Malerei ja nicht aus dem Handgelenk, sondern aus dem ganzen Arm, er liebte die Vorstellung, in ein Bild hineingehen zu können wie in einen Garten. „Man nimmt ein bisschen Erde von hier und trägt es da rüber und pflanzt etwas. Das ist ein schönes Gefühl, deshalb habe ich so große Bilder gemalt.“
Der endgültige und tragische Wendepunkt kam im Jahr 2013, als Kirkeby durch eine schwere Hirnverletzung die Fähigkeit verlor, Farben, Räume und Gesichter zu erkennen und zu verarbeiten. Er hat diesen Zustand mit grimmigem Humor durchgestanden. Als Geologe wusste er ja, dass selbst Granit, wenn er an die Erdoberfläche gebracht wird, unaufhaltsam zerfällt. Ute Diehl
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