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Los

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Markus Lüpertz

Liberec/Böhmen (heute Tschechien) 1941 – lebt in Berlin, Karlsruhe, Düsseldorf und Florenz

„4 KREUZE DITHYRAMBISCH“. 1972

Leimfarbe auf Leinwand. 190 × 250 cm (gerahmt: 200 × 260 cm) (74 ¾ × 98 ⅜ in. (gerahmt: 78 ¾ × 102 ⅜ in.)).
Auf diesem Bild ist das folgende Kunstwerk zu sehen: Markus Lüpertz. „4 KREUZE DITHYRAMBISCH“. 1972.

Hintergrund:

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Hintergrund:

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Schätzung:

EUR 120.000

 

- 150.000

USD 135.000

 

- 169.000

Auktion 378

Do, 26.11.2026, 18:00 Uhr

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Informationen

Leimfarbe auf Leinwand. 190 × 250 cm (gerahmt: 200 × 260 cm) (74 ¾ × 98 ⅜ in. (gerahmt: 78 ¾ × 102 ⅜ in.)). Unten rechts monogrammiert: ML. Auf dem Keilrahmen signiert, betitelt und datiert: Markus Lüpertz / 4 KREUZE DITHYRAMBISCH 1972. Ebenda Etiketten der Sammlung Essl (s.u.), der Albertina, Wien, der Galerie Michael Werner, Köln, sowie ein Transportetikett der Ausstellung Moskau 1983/84 (s.u.). [3188] Im Künstlerrahmen

Galerie Michael Werner, Köln / Sammlung Essl, Klosterneuburg bei Wien / Privatsammlung, Rheinland (2021-26 als Dauerleihgabe in der Albertina, Wien)

Ausstellung: Markus Lüpertz. Hamburg, Kunsthalle, 1977 / Der Hund stößt im Laufe der Woche zu mir. Stockholm, Moderna Museet, 1981 / Markus Lüpertz. Bilder 1970–1974. Köln, Galerie Michael Werner, 1984 / Markus Lüpertz. Meymac, Abbayé Saint-André, 1989, Abb. 50 / Markus Lüpertz – Retrospectiva 1963–1990. Madrid, Centro de Arte Reina Sofia, 1991, Kat.-Nr. 22, Abb. S. 57 / Markus Lüpertz. Deutsche Motive. Galerie Michael Werner, Köln, 1996, Kat.-Nr. 6. Literatur: Friedhelm Mennekes und Johannes Röhrig (Hg.): Crucifixus. Das Kreuz in der Kunst unserer Zeit. Freiburg/Basel/Wien, Herder, 1994. Abb. S. 96 / Sammlung Essl Privatstiftung (Hg.): Sammlung Essl - the first view. Köln, DuMont, 1999. Abb. S. 81 / Siegfried Gohr: Markus Lüpertz. Köln, DuMont, 2001, Nr. 54, Abb. 59 / Siegfried Gohr: Markus Lüpertz. Barcelona, Polígrafa, 2001, Nr. 54, Abb. 59 / Ausst.-Kat.: Baselitz bis Lassnig. Meisterhafte Bilder. Wien, Essl Museum, 2008, Abb. S. 82/83 / María Carolina Andrada Páez: El paisaje en la obra de Markus Lüpertz. Diplomarbeit, Elche, Universidad Miguel Hernández, 2010, Abb. S. 83 / María Carolina Andrada Páez: Paisaje, Naturaleza y Construcción en la Obra de Markus Lüpertz. Dissertation, Elche, Universidad Miguel Hernández, 2015, Abb. S. 296 / Ausst.-Kat.: Rendezvous - Meisterwerke aus der Sammlung Essl. Essl
Museum, Klosterneuburg, 2016, Abb. S. 114 / Klaus Albrecht Schröder und Elisabeth Dutz (Hg.): The Essl Collection. Albertina modern. 200 Meisterwerke. Wien, Albertina, 2021. Abb. S. 141

Markus Lüpertz. Bilder, Gouachen und Zeichnungen 1967–1973. Baden-Baden, Staatliche Kunsthalle Baden-Baden, 1973, Abb. S. 47 („Vier Kreuze III Dithyrambisch“) / Mensch und Landschaft in der zeitgenössischen Malerei und Graphik. Düsseldorf, Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen; Moskau, Zentrales Haus des Künstlers; St. Petersburg (Leningrad), Zentraler Ausstellungssaal Manege, 1983/84, Abb. S. 53 („Vier Kreuze – dithyrambisch III“) / Markus Lüpertz. Sint-Martens-Latem (Belgien), Museum Dhondt-Dhaenens, 2005 / Deutsche Kunst nach 1960. Ausgewählte Werke der Sammlung Essl. Klosterneuburg bei Wien, Essl Museum, 2015, Abb. S. 27 / The Essl Collection. Wien, Albertina, 2020/21, Abb. S. 141 („Vier Kreuze – dithyrambisch III“) / Wonderland. Wien, Albertina, 2021

Ausst.-Kat.: Markus Lüpertz. Hamburg, Hamburger Kunsthalle, 1977, Abb. S. 68 / Ausst.-Kat.: Markus Lüpertz. Dithyrambische und Stil-Malerei. Bern, Kunsthalle Bern, 1977, m. Abb. / Ausst.-Kat.: Markus Lüpertz. Rezeption – Paraphrasen. Karlsruhe, Städtische Galerie im PrinzMaxPalais, 1991, S. 63/64, m. Abb. („Vier Kreuze III – dithyrambisch“) / Ausst.-Kat.: Markus Lüpertz. Wien, Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, 1994, S. 29/30, m. Abb

Mythos, Form und Provokation – Markus Lüpertz´ „4 Kreuze dithyrambisch“

Als Markus Lüpertz Mitte der 1960er-Jahre begann, seine Bilder als „dithyrambisch“ zu bezeichnen, entwickelte er ein unverwechselbares künstlerisches Programm. Der Begriff verweist auf den Dithyrambus, einen ursprünglich dem Gott Dionysos gewidmeten Lobgesang, und auf Friedrich Nietzsches Schrift „Die Geburt der Tragödie“. Lüpertz überträgt die Vorstellung eines rauschhaften, schöpferischen Ausdrucks auf die Malerei, die Wirklichkeit nicht einfach abbilden, sondern in eine eigene bildnerische Ordnung überführen soll.
In den „dithyrambischen Bildern“ werden Kreuze, Zelte, Schnecken, Ähren, Felder oder Helme zu zeichenhaften Motiven, die sich von ihren natürlichen Zusammenhängen lösen. Ihre Wirkung entfaltet sich aus dem Spannungsverhältnis zwischen Vereinfachung und Monumentalität. Dabei spielt die Wiederholung eine zentrale Rolle: Ein Motiv so oft abzuwandeln, dass Original und Wiederholung kaum mehr voneinander zu unterscheiden sind, wird zu einem wesentlichen Prinzip von Lüpertz’ Schaffen. In unserem Gemälde „4 KREUZE DITHYRAMBISCH“ erprobt er dieses Verfahren an einer Form, die durch ihre klare Gestalt und ihre vielfältigen kulturellen Bedeutungen besonders prägnant ist. Vergleichbare serielle Strukturen finden sich in den frühen 1970er-Jahren auch in Werkgruppen wie Helme oder Geweihe.
Charakteristisch für viele Gemälde dieser Zeit ist die reduzierte Palette aus Grün, Blau, Gelb und Braun. Die Farben orientieren sich nicht an den natürlichen Eigenschaften der Gegenstände, sondern unterstreichen deren Eigenständigkeit als Bildelemente. Lüpertz brachte sein künstlerisches Programm 1968 in der Berliner Galerie Springer mit dem Ausstellungstitel „Die Anmut des 20. Jahrhunderts wird durch die von mir erfundene Dithyrambe sichtbar gemacht“ selbstbewusst auf den Punkt.
Statt sich von überlieferten Bildmotiven abzuwenden, greift Lüpertz auf Formen zurück, die mit Geschichte, Macht und nationalen Vorstellungen verbunden sind. Er löst sie aus ihren vertrauten Zusammenhängen und verleiht ihnen eine irritierende, bisweilen pathetische Präsenz. Auch die Kreuze in unserem Gemälde erschließen sich nicht über eine eindeutige Symbolik. Ihre Wirkung entsteht vielmehr aus dem Zusammenspiel von Perspektive, Anordnung und Farbigkeit, das ihnen eine eigentümliche plastische Spannung verleiht.
1972 ist Lüpertz noch ein junger Künstler, der mit sichtbarer Lust an Widersprüchen die Möglichkeiten der Malerei auslotet. Er verbindet monumentale Formen mit einer offenen, nicht eindeutig festgelegten Bedeutung und fordert damit die Sehgewohnheiten seiner Zeit heraus. Gerade die Auseinandersetzung mit historisch belasteten Motiven und vermeintlich „deutschen“ Themen verleiht seiner Malerei ihre besondere Brisanz. Symbole und Mythen werden aufgegriffen, ohne dass ihre Bedeutung abschließend festgeschrieben wäre. So entsteht eine Bildsprache, die zwischen Pathos und Befremden, Tradition und Abstraktion oszilliert. MvL

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