Zum Inhalt springen
Go to Grisebach homepage

Los

3

Bernar Venet

Château-Arnoux-Saint-Auban 1941 – lebt in Le Muy/Frankreich

„222.5° ARC x 4 “. 1999

Gewalzter Stahl. 301 × 312 × 56 cm (118 ½ × 122 ⅞ × 22 in.).
Auf diesem Bild ist das folgende Kunstwerk zu sehen: Bernar Venet. „222.5° ARC x 4 “. 1999.

Hintergrund:

Auf diesem Bild ist das folgende Kunstwerk zu sehen: Bernar Venet. „222.5° ARC x 4 “. 1999.

Hintergrund:

Auf diesem Bild ist das folgende Kunstwerk zu sehen: Bernar Venet. „222.5° ARC x 4 “. 1999.

Schätzung:

EUR 250.000

 

- 350.000

USD 281.000

 

- 393.000

Auktion 378

Do, 26.11.2026, 18:00 Uhr

Zustandsbericht anfragen

Experten kontaktieren

Informationen

Gewalzter Stahl. 301 × 312 × 56 cm (118 ½ × 122 ⅞ × 22 in.). Unten rechts betitelt: 222.5° ARC x 4. Das Werk ist unter der Nummer bv99s17 im Archiv des Künstlers registriert. Für dieses Werk kann ein vom Künstler signiertes Zertifikat ausgestellt werden. Unikat. [3189]

Bernar Venet Studio, Le Muy/Frankreich / Privatsammlung, Nordrhein-Westfalen (2017 über die Galerie Michael Fuchs, Berlin, beim Künstler erworben)

Monumentale Leichtigkeit - Bernar Venets „222.5° ARC x 4"

Bernar Venets „222.5° ARC x 4“ von 1999 veranschaulicht auf eindrucksvolle Weise seine konsequente Auseinandersetzung mit mathematischen Systemen, geometrischen Formen und den materiellen Bedingungen der Skulptur. Vier aus gerolltem Stahl gefertigte Bögen bilden eine elegante, monumentale Konstruktion. Bereits der Titel legt die formale Grundlage der Arbeit offen: Ein Winkel von 222,5 Grad wird vierfach in Stahl übersetzt. Die präzise Bezeichnung ist dabei Bestandteil des Konzepts und verweist unmittelbar auf das System, aus dem das Unikat hervorgegangen ist.
Seit den 1960er-Jahren überführt Venet mathematische und wissenschaftliche Strukturen in eine eigenständige künstlerische Sprache. An die Stelle des traditionell modellierten Körpers treten Linie, Winkel, Zahl und Material. Besonders deutlich wird dies in der Werkgruppe der „Arcs“, in der ein geometrisches Element zum Ausgangspunkt immer neuer räumlicher Konstellationen wird. Diese Haltung steht im Dialog mit der Minimal Art und Konzeptkunst, mit der Venet seit seinem Umzug nach New York 1966 unmittelbar in Berührung kam. Dort begegnete er Künstlern wie Donald Judd, Sol LeWitt, Dan Flavin und Carl Andre, deren Arbeiten ebenfalls von elementaren Formen, industriellen Materialien und systematischen Verfahren geprägt waren. Venet entwickelte diese Prinzipien jedoch in eine eigene Richtung weiter: Während die Minimal Art häufig eine klare formale Ordnung anstrebte, verband er mathematische Präzision zunehmend mit Zufall, Variabilität und dem Moment des Unbestimmten. In diesem Zusammenhang lässt sich auch ein Vergleich mit Max Bill ziehen. Während Bills Auseinandersetzung mit dem Möbiusband mathematische Kontinuität und formale Geschlossenheit veranschaulicht, wird die mathematische Vorgabe bei Venet zum Ausgangspunkt einer offenen räumlichen Untersuchung. Die exakte Regel führt nicht zu einer idealen Form, sondern zu einer Skulptur, deren Erscheinung sich erst im Verhältnis zum Raum und zum Betrachter voll entfaltet.
Der Stahl spielt dabei eine zentrale Rolle. Die abstrakte mathematische Vorgabe erhält durch die Übertragung in das industrielle Material Gewicht. Bereits der Prozess des Biegens macht diese physische Dimension erfahrbar: Die Kraft, die erforderlich ist, um den widerständigen Stahl in seine gekrümmte Form zu bringen, erzeugt ein Spannungsverhältnis zwischen Material, Form und Bewegung. In der fertigen Skulptur scheinen sich diese Kräfte in einem dynamischen Gleichgewicht fortzusetzen. Aus einer Zahl wird so eine körperlich erfahrbare Form, deren industrielle Herkunft in produktivem Gegensatz zur immateriellen Präzision des mathematischen Systems steht. Bei der vorliegenden Arbeit verstärkt die charakteristische rötliche Patina diesen Dialog zwischen industriellem Material und Umwelt: Die durch die Witterung hervorgerufene, vom Künstler gewollte Oxidation macht die Einwirkung der Elemente sichtbar und setzt die Skulptur in einen spannungsvollen Kontrast zu ihrer natürlichen Umgebung.
Die vier Bögen von „222.5° ARC x 4“ bilden keinen geschlossenen Körper, sondern definieren einen offenen Raum, in dem Material und Leere untrennbar verbunden sind. Ihre Krümmungen lenken den Blick, schaffen Zwischenräume und entfalten je nach Standort des Betrachters eine andere Wirkung. Die Skulptur erschließt sich daher erst in der Bewegung durch den Raum und im wechselnden Verhältnis ihrer Elemente. Die Wiederholung des Bogens verweist auf Venets systematisches Denken: Als elementare Einheit eines offenen Systems erzeugt der einzelne „Arc“ durch unterschiedliche Winkel und Konstellationen immer neue räumliche Möglichkeiten. So wird aus einer mathematischen Setzung eine körperlich erfahrbare Skulptur, deren Wirkung aus dem Zusammenspiel von Zahl, Linie, Stahl und Raum entsteht. In der Verbindung von konzeptueller Präzision und physischer Präsenz liegt die charakteristische Spannung von Bernar Venets Kunst. IS

Irrtum vorbehalten. Wir verweisen auf unsere Versteigerungsbedingungen.