Los
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New York 1919 – 1996 Key West, Florida
„RAIN“. 1973
Hintergrund:
Hintergrund:
Hintergrund:
Schätzung:
EUR 90.000
- 120.000
USD 101.100
- 135.000
Auktion 378
Do, 26.11.2026, 18:00 Uhr
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Wir danken Anthony Atlas, William N. Copley Estate, New York, für freundliche Hinweise.
Nachlass des Künstlers / Privatsammlung, Nordrhein-Westfalen (2010 in der Paul Kasmin Gallery, New York, erworben)
X-Rated. New York, New York Cultural Center, 1974 / William N. Copley. X-Rated. New York, Kasmin Gallery, 2010, Abb. S. 47 / William N. Copley. Baden-Baden, Museum Frieder Burda; Brühl, Max Ernst Museum Brühl des LVR; Hannover, Stiftung Ahlers Pro Arte, Kestner Pro Arte, 2012/13, Abb. S. 139 / William N. Copley. Mailand, Fondazione Prada; Houston, The Menil Collection, 2016/17, Kat.-Nr. 413, m. Abb
Ausst.-Kat.: William N. Copley. Paris, Musée national d’art moderne Centre Georges Pompidou Paris, 1981, m. Abb
William Copleys „RAIN“ – ein amerikanischer Traum in Netzstrumpfhosen
Kaum geboren, wurde er in New York vor einem Haus für Findelkinder abgelegt. Zwei Jahre später, 1921, adoptierte ihn ein Pressemagnat, wodurch der kleine William Nelson Copley Millionärserbe wurde. Als er 29 Jahre alt war, starb sein Vater und Copley konnte nun über sein Vermögen verfügen. Er gab über die Jahrzehnte hin so viel Geld für Kunstprojekte, fünf Scheidungen und seinen Lebensstil aus, dass er am Ende der 1970er-Jahre alles aufgebraucht hatte, aber durch die Versteigerung seiner umfangreichen Surrealismus- und Pop-Art Sammlung wieder flüssig wurde. Die Basis für seine Kunstsammlung hatte er 1948 in Los Angeles mit der Gründung einer Galerie gelegt, die europä-ische Exilanten wie Max Ernst, René Magritte und Man Ray vertrat, kommerziell aber ein Desaster war, sodass Copley die Werke seiner Künstlerfreunde am Ende selbst aufkaufte. Die Surrealisten prägten sein visuelles Denken und brachten ihn dazu, mit dem Malen anzufangen. Anfängliche Selbstzweifel soll Marcel Duchamp zerstreut haben: „Why don‘t you go on painting?“ Dieser Rat habe ihm völlig ausgereicht, um sein ganzes Leben der Kunst zu widmen, schrieb Copley später. Duchamp beriet und ermutigte ihn auch in seinen Aktivitäten als Sammler und Händler.
Copley, der oft mit CPLY signierte, war Autodidakt und soll lediglich von seinem Schwager, einem Zeichner bei Disney, und von Max Ernst ein paar Tipps bekommen haben. Nach einer ersten Einzelausstellung 1951 in Los Angeles verließ er seine Frau und seine zwei Kinder und zog nach Paris. In größtem Gegensatz zu der damals dominierenden abstrakten Kunst entwickelte er einen völlig eigenständigen, humorvoll-erotischen Comicstil. Sein Haus war Treffpunkt der surrealistischen Künstlergemeinschaft, und es ist bemerkenswert, dass sich Copley nicht vom Malstil des klassischen Surrealismus beeinflussen ließ, sondern mit seiner trivialen Bildwelt, plakativ, emotionslos und ironisch sehr früh in Richtung Pop-Art steuerte.
Als er 1962 nach New York zurückkehrte, fanden Künstler wie Andy Warhol, Roy Lichtenstein oder Claes Oldenburg in ihm sofort einen Unterstützer und Sammler. Wie eng die Beziehungen waren, zeigt eine Anmerkung in den Tagebüchern des stets am Klatsch interessierten Warhol: „Vincent erzählte mir, dass Copleys Frau Marjorie – von der ich gerade ein Porträt gemacht habe – ihren Mann verlassen hat. Sie wäre zu Tiffany’s gegangen, hätte ordentlich eingekauft und dann das Bankkonto abgeräumt […]. Erinnerst du dich? Das ist die Frau, die früher mal Puffmutter war.“
Sexuelle Obsessionen sind das zentrale Motiv von Copleys Kunst. Er hatte eine ähnliche Geisteshaltung wie der amerikanische Schriftsteller Philip Roth, dessen humorvoll-provokante Beichte „Portnoys Beschwerden“ (1969) ihn 1973 zu einem Gemälde mit dem gleichen Titel anregte. Germano Celant, der 2016 für die Prada-Stiftung in Mailand die bisher umfangreichste Retrospektive Copleys kuratiert hat, sah in ihm einen Künstler, der durch seine ungenierte Selbsterzählung das Verhalten feministischer und queerer Künstler vorweggenommen habe.
1974 stellte Copley unter dem Titel „X-Rated“ eine Serie von Gemälden mit Bordellszenen und explizit erotischen Posen aus, für die er Hunderte von Pornoheften gesichtet hatte. Aus dieser Werkreihe kommt das angebotene Bild „RAIN“, das eine nackte Frau zeigt, die sich mit Strumpfgürtel und Netzstrümpfen, den Klassikern erotischer Männerfantasien, auf einem Stuhl mit Wiener Geflecht in Szene setzt. Copley erzeugt wie so oft auch hier durch seine visuelle Ironie ein absurdes Spannungsfeld zwischen der nur mit ein paar geschwungenen Linien stilisiert dargestellten Frau und dem präzise wiedergegebenen Flechtmuster der Rückenlehne, die den Stimmungston bürgerlicher Gemütlichkeit ins Bild bringt.
Der Künstler hat hier seinen bewusst naiven und ungeschulten Stil perfektioniert. Er wollte ja keine gefälligen Bilder malen, sondern bewusst schlechte und hässliche: „Mein Leben ist eine Suche nach dem lächerlichen Bild“, sagte er. Hier hat er es in Vollendung gefunden. Ute Diehl
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