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Los

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Cindy Sherman

Glenridge, New Jersey 1954 – lebt in New York

Untitled Film Still #55. 1980

Silbergelatineabzug. 73 × 92,5 cm (gerahmt: 101,5 × 121 cm) (28 ¾ × 36 ⅜ in. (gerahmt: 40 × 47 ⅝ in.)).
Auf diesem Bild ist das folgende Kunstwerk zu sehen: Cindy Sherman. Untitled Film Still #55. 1980.

Hintergrund:

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Schätzung:

EUR 200.000

 

- 300.000

USD 225.000

 

- 337.000

Auktion 378

Do, 26.11.2026, 18:00 Uhr

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Informationen

Silbergelatineabzug. 73 × 92,5 cm (gerahmt: 101,5 × 121 cm) (28 ¾ × 36 ⅜ in. (gerahmt: 40 × 47 ⅝ in.)). Auf der Rückpappe mit Filzstift in Weiß signiert und datiert: Cindy Sherman 1980. Dort ein Etikett der Galerie Metro Pictures, New York. Einer von 3 nummerierten Abzügen. [3189] Gerahmt

Metro Pictures, New York / Privatsammlung, Nordrhein-Westfalen

Rockers Island. Essen, Museum Folkwang, 2007 / Cindy Sherman, Silkeborg (Dänemark), Museum Jorn, 2017 / Cindy Sherman. Bremen, Weserburg – Museum für moderne Kunst, 2018/19

Who’s that girl? – Über die Kunst, jemand anderes zu sein

Kaum eine Bildserie der 1970er-Jahre hat sich so tief in unser visuelles Gedächtnis eingeschrieben wie Cindy Shermans „Untitled Film Stills“ (1977–80). 1977, kurz nach ihrem Umzug von Buffalo nach New York, entsteht in dem Apartment, das Sherman mit Robert Longo teilt, die erste Aufnahme der berühmten Serie, die den Grundstein ihres künstlerischen Schaffens legt und die über drei Jahre zu einer Gruppe von 70 Fotografien heranwächst. Die Schwarz-Weiß-Fotografien, angelegt im traditionellen Format der klassischen Produktionsstills, die an Filmsets zu Werbezwecken entstanden, zeigen Sherman in Rollen, die vom Hollywoodkino der 1950er- und 60er-Jahre inspiriert sind. Bei genauerem Hinschauen offenbaren die vertrauten Szenen ihre Künstlichkeit: Sie lassen sich keinem konkreten Film zuordnen oder bekannte Schauspielerinnen erkennen, sondern verweisen auf tief verwurzelte Klischees und formulieren in ihrer Gesamtheit einen Kommentar zu den Vorstellungen von Weiblichkeit, die das Kino dieser Zeit prägen.
Sherman gehört zur ersten amerikanischen Generation, die vollständig mit dem Fernsehen aufwächst. Sie erzählt, wie sie als Kind Stunden vor dem Bildschirm verbrachte, wenn „Million Dollar Movie“ eine Woche lang jeden Abend denselben Film zeigte, und wie sie bei einer Dinnerparty ihrer Eltern allein im Keller Hitchcocks „Das Fenster zum Hof“ sah, fasziniert von den fremden Leben in den Fenstern gegenüber. Umgeben von der Bilderflut, die Kino, Fernsehen und Werbung in diesen Jahren hervorbringt, legt Sherman früh ein inneres Figurenarchiv an. In den Untitled Film Stills besetzt sie sich selbst als Hauptdarstellerin eines imaginären Kinorepertoires, dessen Szenen an Filme von Alfred Hitchcock, Michelangelo Antonioni und Douglas Sirk erinnern. Shermans Frauen sind einsam, verführerisch, verletzlich, selbstbewusst oder auf der Hut – und fast immer scheinen sie Teil einer Geschichte zu sein, deren Anfang und Ende uns vorenthalten bleibt.
„Untitled Film Still #55“ entsteht 1980, im letzten Jahr der Serie, als Sherman ihre Figuren aus den Innenräumen auf die Straße und in die Nacht schickt. Sie fotografiert in den nach Geschäftsschluss menschenleeren Straßen von Downtown Manhattan, rund um die Fulton Street, sucht bewusst Orte aus, die sich einer genauen Bestimmung entziehen. In „#55“ steht eine junge Frau nachts allein in einer schmalen Gasse. Kommt sie gerade von einer Verabredung oder flieht sie vor jemandem, der ihr im Dunkeln folgt? Die Wirkung der Fotografie beruht auf dem Schwebezustand, der zwischen diesen Möglichkeiten entsteht. Sherman setzt dafür Mittel des Kinos ein: Licht, Beschnitt, Kadrierung, Kamerawinkel, ebenso wie körperliche Konventionen, Kleidung, Gesten, Posen. Das grelle Blitzlicht reißt die Figur aus der Nacht, das nasse Pflaster glänzt, im Hintergrund hängt eine einzelne Straßenlaterne wie ein zweiter, fernerer Mond. Die blonde Lockenperücke, der zweireihige Wollmantel, die Handtasche über der Schulter verorten die Szene im Kino der 1950er-Jahre, das Schild des Luftschutzbunkers an der Hauswand im Amerika des Kalten Krieges. Doch der Blick der abgebildeten Frauenfigur geht knapp an der Kamera vorbei und gilt einem Fixpunkt außerhalb des Bildes, den der Betrachter nicht sieht.
Die „Untitled Film Stills“ bilden den Auftakt jener großen, vielstimmigen Enzyklopädie menschlicher Existenzen und gesellschaftlicher Rollenbilder, mit der Cindy Sherman zu einer der einflussreichsten Künstlerinnen ihrer Generation geworden ist. Mit einem erstaunlichen Repertoire an Kostümen, Perücken, Prothesen und Requisiten durchmisst sie seither die unterschiedlichsten Facetten menschlicher Identität. Shermans Fotografien sind heute in den bedeutendsten Sammlungen der Welt vertreten; bereits 1995 erwarb das Museum of Modern Art in New York die vollständige Serie der „Untitled Film Stills“. Die vorliegende Arbeit gehört zu jenen ausgewählten Motiven, die Sherman in einem größeren Format und einer Auflage von nur drei Exemplaren abzog, und nimmt damit auch innerhalb der Serie eine besondere Stellung ein. CH

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