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Padua 1960 – lebt in New York und Mailand
Ohne Titel (Good Versus Evil). 2003
Hintergrund:
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Schätzung:
EUR 100.000
- 150.000
USD 112.000
- 169.000
Auktion 378
Do, 26.11.2026, 18:00 Uhr
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Privatsammlung, Nordrhein-Westfalen (2003 bei RS&A Ltd., London, erworben)
Rockers Island. Essen, Museum Folkwang, 2007 / Lebenslust & Totentanz. Krems, Kunsthalle Krems, 2010 / Carambolages. Paris, Galeries nationales du Grand Palais, 2016
Good Versus Evil – wie Maurizio Cattelan die Weltgeschichte aufs Schachbrett bringt
Zweiunddreißig Figuren, zwei Lager, vierundsechzig Felder: Mehr braucht Maurizio Cattelan nicht, um die Menschheitsgeschichte auf einem Spielbrett zu vereinen. In „Good Versus Evil“ treten Lichtgestalten und Finsterlinge aus Geschichte, Religion und Populärkultur gegeneinander an. Martin Luther King steht Adolf Hitler gegenüber, Franz von Assisi kämpft gegen Dracula, Mahatma Gandhi gegen Al Capone. Eine Rangordnung des Ernstes gibt es dabei nicht. Heilige teilen sich die Reihe mit Filmmonstern, Friedensstifter mit Gangstern, und gerade diese Gleichzeitigkeit von Kolportage und Abgrund ist das Prinzip des Werks. Eine Figur verweigert die Zuordnung ganz: Sigmund Freud spielt auf beiden Seiten.
Die Figuren wurden von Bertozzi & Casoni ausgeführt, dem Keramikerduo aus Imola, dessen illusionistische Virtuosität seit den 1980er-Jahren Maßstäbe setzt. Das kostbare, zerbrechliche Material steht in reizvollem Widerspruch zu seinem Gegenstand. Diktatoren und Massenmörder erscheinen hier als Nippes, als fein bemalte Vitrinenobjekte, und die Verharmlosung ist so offensichtlich, dass sie selbst zum Thema wird.
Dass Cattelan zum Schachspiel greift, ist eine Verbeugung vor Marcel Duchamp, der sich in den 1920er-Jahren demonstrativ von der Kunst ab- und dem Schach zuwandte. Duchamp prägte 1952 den Satz, nicht alle Künstler seien Schachspieler, aber alle Schachspieler seien Künstler. Cattelan, oft als der re-spektloseste Erbe Duchamps beschrieben, dreht diesen Gedanken weiter: Bei ihm wird das Schachspiel selbst zum Readymade, zum Gefäß für eine Moralgeschichte, die das Spiel zugleich unterläuft. Denn auf dem Brett ist Moral bedeutungslos. Weiß und Schwarz folgen denselben Regeln, ihre Figuren ziehen auf dieselbe Weise, und über Sieg oder Niederlage entscheidet allein das Kalkül. Das Gute hat keinen einzigen Zug mehr zur Verfügung als das Böse. In dieser nüchternen Symmetrie liegt die eigentliche Subversion des Werks.
„Good Versus Evil“ bündelt, was Cattelans Schaffen seit den frühen 1990er-Jahren auszeichnet: die lustvolle Demontage von Autorität und Macht. Sie reicht vom Papst Johannes Paul II., den in „La Nona Ora“ (1999) ein Meteorit niederstreckt, bis zur mit Klebeband an die Wand fixierten Banane „Comedian“ (2019), die den Kunstmarkt selbst zur Pointe machte. Cattelan ist dabei einer der wenigen Künstler der Gegenwart, deren Werke weit über die Kunstwelt hinaus Empörung auslösen. Wenn eine Banane auf einer Messe für sechsstellige Summen verkauft und Jahre später bei einer Auktion für mehrere Millionen Dollar zugeschlagen wird, diskutieren auch Menschen darüber, die nie ein Museum betreten würden. Gerade darin liegt eine oft unterschätzte Leistung seines Werks. Der Skandal ist bei Cattelan kein Selbstzweck, sondern ein Köder: Wer sich über ihn aufregt, steht bereits mitten in der Frage, was Kunst ist, wer darüber entscheidet und wie weit sie gehen darf.
Wie aktuell dieses Werk ist, zeigt derzeit die Neue Nationalgalerie in Berlin. Unter dem Titel „NIGHT“ widmet sie Cattelan als Träger des Preises der Nationalgalerie 2026 seine erste große Einzelausstellung in Deutschland. Zu sehen ist dort auch „Him“ (2001), die kniende, betende Hitler-Figur in Knabengröße, die nur zwei Jahre vor „Good Versus Evil“ entstand. Auf dem Schachbrett kehrt der Diktator wieder, diesmal als Spielstein, kleiner und noch beiläufiger, aber dadurch nicht weniger beunruhigend. DvS
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