Los
62R
Freiburg im Breisgau 1961 – lebt in Berlin
Ohne Titel. 2009
Hintergrund:
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Hintergrund:
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Schätzung:
EUR 100.000
- 150.000
USD 112.000
- 169.000
Auktion 378
Do, 26.11.2026, 18:00 Uhr
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Privatsammlung, Schweiz (2009 in der Galerie Mark Müller, Zürich, erworben)
Katharina Grosse, Colin McCahon, The Greedy I. Zürich, Galerie Mark Müller, 2009
Es gab eigentlich keinen Grund, warum die Malerei an der Kante einer Leinwand aufhören sollte, fand Katharina Grosse und malte darüber hinweg, besprühte Wände, Böden, ganze Gebäude, ihr eigenes Bett samt Kissen, und als sie 1998 in der Kunsthalle Bern ihre Kompressor-betriebene Spritzpistole voll grüner Acrylfarbe in eine obere Raumecke richtete und im gleichen Jahr mit einem Riesenbild der Erfolg auf der 11. Biennale in Sydney kam, war der internationale Durchbruch erreicht.
Ihr Schlüsselerlebnis hatte sie als Zwanzigjährige beim Malen in der Landschaft: „Da hat man einen 360-Grad-Blick, nicht dieses Vor-der-Wand-Sitzen, sondern es ist immer alles um einen herum.“ Seitdem hat sie alle Formen des Draußen-Malens kultiviert und den Vorgang treffend so beschrieben: „Ich male mich aus dem Raum heraus.“
Gewaltige Außeninstallationen entstanden, wie für den Messeplatz der Art Basel 2025, aber sie hat immer auch weiter mit dem begrenzten Format des Leinwandbildes gearbeitet. Das ist für sie kein Gegensatz, sondern Teil eines einzigen, fortlaufenden Malprozesses. Im Kleinformat gewonnene Erkenntnisse fließen direkt in die monumentalen Arbeiten ein.
Im Jahr 2009, als das angebotene Bild entstand, kombinierte Grosse verstärkt Acrylfarbe mit Erde und beschäftigte sich intensiv mit dem Verhältnis einer begrenzten Fläche zur raumgreifenden Installation. Ihre Malerei hatte sich ja ins Grenzenlose ausgedehnt und nun arbeitete sie daran, diese räumlichen Erfahrungen wieder in die Leinwandmalerei zurückzuführen: „Ich beginne, in den Leinwänden eine Entsprechung zu finden für die Raumdopplungen in den In-situ-Arbeiten.“
Das vorliegende Bild führt diesen Gedanken schlüssig vor. Die Bewegung im Aufbau geht über das Format hinaus. Man braucht nur die weißen Strahlen zu verlängern, um ihren Schnittpunkt außerhalb des unteren Bildrandes zu finden. Hinter den Strahlen, die vermutlich durch das Auflegen von Schablonen entstanden sind, kreuzen sich Farbbahnen mit extremer Tiefenwirkung.
Von oben hängt eine weiche, unregelmäßige Wolke mit ausgefransten, körnigen Rändern und besprühten Erdkrümeln ins Bild, wie ein brüchiger Stoff, durch dessen Löcher intensives Blau und Grün leuchtet. Die in die Tiefe führenden Farbschichten stammen aus unterschiedlichen Stadien und zeigen deutlich die Geschichte des Malprozesses. Die Künstlerin arbeitet an verschiedenen Bildern gleichzeitig, denn „dadurch wird das Format ja schon ausgedehnt, nicht in der Größe der einzelnen Arbeiten, sondern in der Staffelung der Gedanken“. So malt sich Katharina Grosse nicht nur aus dem Raum heraus, sondern auch wieder zurück in den Keilrahmen. Ute Diehl
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