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Los

56

Anselm Kiefer

Donaueschingen 1945 – lebt in Paris und Barjac

„SAMSON“. 2011

Öl, Acryl, Emulsionsbinder, Schellack, Kohle und Blei-Objekt über Fotografie, auf Pappe. 102 × 165 cm (40 ⅛ × 65 in.).
Auf diesem Bild ist das folgende Kunstwerk zu sehen: Anselm Kiefer. „SAMSON“. 2011.

Hintergrund:

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Schätzung:

EUR 120.000

 

- 150.000

USD 135.000

 

- 169.000

Auktion 378

Do, 26.11.2026, 18:00 Uhr

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Informationen

Öl, Acryl, Emulsionsbinder, Schellack, Kohle und Blei-Objekt über Fotografie, auf Pappe. 102 × 165 cm (40 ⅛ × 65 in.). Oben links mit Kohle betitelt: SAMSON. Rückseitig mit einem Etikett der Galerie Thaddaeus Ropac, Paris/Salzburg. [3218] Gerahmt

Privatsammlung, Österreich (in der Galerie Thaddaeus Ropac, Salzburg, erworben)

Werkverzeichnisse/Expertisen: Das Werk ist im Archiv des Künstlers registriert

Anselm Kiefer. Alkahest. Salzburg, Galerie Thaddaeus Ropac, 2011, Abb. S. 95 / Anselm Kiefer. Die Ungeborenen. Paris, Galerie Thaddaeus Ropac, 2012/13, Abb. S. 136

„Eine Ruine ist keine Katastrophe. Sie ist der Moment, in dem etwas neu beginnen kann“, so Anselm Kiefer. Wie die Alchemisten, sagt er, beschleunige er als Künstler nur die Verwandlung, die den Dingen innewohnt. Blei, das er seit 1978 in seinen Bildern einsetzt, enthält für ihn „einen Lichtfunken“, eine verborgene Möglichkeit zur Verwandlung. Es ist Metall der Schwere und zugleich Ausgangsstoff der Alchemie.
Kiefer, 1945 in Donaueschingen geboren, wurde früh mit den „Besetzungen“ von 1969 bekannt, in denen er sich selbst mit dem Hitlergruß an historischen Orten Europas fotografierte. Nach dem Studium bei Joseph Beuys vertrat er 1980 gemeinsam mit Georg Baselitz Deutschland auf der Biennale von Venedig. Geschichte und Schuld, die Dichtung Paul Celans, später Alchemie und Kabbala bestimmen sein Schaffen. Die Retrospektiven in der Royal Academy 2014 und im Centre Pompidou 2015/16 haben seine Stellung als einer der wichtigsten Künstler der Gegenwart bestätigt.
„SAMSON“ gehört zur Werkgruppe „Alkahest“ von 2011, benannt nach dem Lösungsmittel der Alchemisten, das jede Substanz aufzulösen vermag. Kiefer legt seine Bilder dafür auf den Boden und übergießt sie mit Wasser, auch mit gelöster Farbe. Gestein und Gebirge, dem Anschein nach von Dauer, werden so der Erosion ausgesetzt, die Auflösung ist hier Voraussetzung einer Verwandlung und nicht deren Ende. Die helle, wie ausgewaschen wirkende Fläche aus Emulsionsbinder, Schellack und Acryl steht im Zeichen dieses Verfahrens. Sie verhüllt die Fotografie einer Säulenhalle teils, teils gibt sie diese frei. Am unteren Rand ist ein zangenartiges Bleiobjekt befestigt. Die mit Kohle gesetzte Beschriftung oben links verweist unmittelbar auf den biblischen Inhalt.
Im Buch der Richter wird Samson, ein Nasiräer, dessen ungeschnittenes Haar die Quelle seiner Kraft birgt, von Delila verraten und den Philistern geblendet. Im Tempel stemmt er sich gegen die beiden Mittelsäulen und bringt das Gebäude über sich und seinen Feinden zum Einsturz. Seine gottgegebene Stärke richtet sich am Ende gegen ihn selbst, Sieg und Untergang fallen in eins. Kiefer zeigt nicht die Katastrophe, sondern den Raum, in dem sie sich ankündigt. Mit dem Zusammenspiel von biblischem Stoff, fotografischer Vorlage und bleierner Materialsprache vereint die Arbeit die wesentlichen Linien, die sein Werk bis heute tragen. In dem von Kiefer angestoßenen Prozess der Erosion und Auflösung wird Zerstörung nicht zum Endpunkt. Aus der zersetzten Materie schöpft sich eine neue Bildwirklichkeit. AvS

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